WABE-Wärmestube, Café Plattform und Josefshaus feiern Weihnachten

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
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Weihnachten im Wärmehaus und im Cafe Plattform: Nicht nur der Hunger wird gestillt, vor allem das Bedürfnis nach Zuwendung und Aufmerksamkeit wird befriedigt. Foto: Steindl
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Weihnachten im Wärmehaus und im Cafe Plattform: Nicht nur der Hunger wird gestillt, vor allem das Bedürfnis nach Zuwendung und Aufmerksamkeit wird befriedigt. Foto: Steindl
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Neben dem gemeinsamen Essen erhält zudem jeder Gast ein kleines Geschenk mit Dingen, die im Alltag gebraucht werden. Foto: Steindl

Aachen. Wonach riecht eigentlich Weihnachten? Nach Spekulatius. Nach Tannenzweigen und nach Zimt. Nicht zu vergessen: Nach frischem Glühwein und warmen Plätzchen. Für Rolf Klinkhammer und Gerd Schmidt von der WABE-Wärmestube duftet Weihnachten auch immer nach Sauerbraten.

Denn das ist das Gericht, welches es traditionell am Heiligen Abend in der Einrichtung gibt. Aber nicht nur der Hunger wird gestillt, vor allem das Bedürfnis nach Zuwendung und Aufmerksamkeit wird befriedigt. „Viele unserer Besucher haben keine Familie. Da sind wir ihre Bezugspersonen“, erzählt Einrichtungsleiter Rolf Klinkhammer.

Pro Tag besuchen etwa 40 Menschen die Wärmestube, am Heiligen Abend sind es durchschnittlich 100. Neben dem gemeinsamen Essen erhält zudem jeder Gast ein kleines Geschenk mit Dingen, die im Alltag gebraucht werden. Ganz weit oben auf der Wunschliste stehen Kaffee, warme Stricksachen wie ein Schal oder ein paar Handschuhe sowie Duschutensilien und Süßigkeiten.

Bereits kurz nachdem die Wärmestube ihre Türen öffnet, kommen schon die ersten Besucher die Treppe herauf. „Frohe Weihnachten wünsche ich dir“. Diesen Satz werden Klinkhammer und Schmidt an diesem Tag noch häufiger sagen. Und sie werden da sein, falls der ein oder andere Besucher mit unterdrückten Weihnachtsgefühlen zu kämpfen hat. „Die Stimmung ist durchwachsen. Viele kommen wirklich gerne hier hin, einige wiederum unterdrücken ihre Gefühle und manche kommen auch nur wegen der Geschenke und aufgrund des Essens“, ergänzt Schmidt.

Aber egal was nun ausschlaggebend für das Erscheinen ist, die Hauptsache ist, dass ein Gefühl der Zugehörigkeit entsteht. Dass man sich unterhält und mit dem seit Monaten nicht mehr gesehenen Kumpel gemeinsam am Tisch sitzt und isst. Und während das Team der Wärmestube einen Teller mit Sauerbraten, Rotkohl und Spätzle nach dem anderen austeilt, sorgen die vier roten Kerzen des Adventskranzes sowie die Lichter des geschmückten Weihnachtsbaumes für Wärme und Gemütlichkeit im Raum. Diese Stimmung überträgt sich Stück für Stück auch auf die Besucher. Nur bei der Farbauswahl der Kugeln am Baum sind sich nicht alle einig. Rot, Blau oder Grün – Weihnachten hat eben viele Gesichter und Farben. Im Café Plattform steht die rot geschmückte Tanne gut sichtbar auf einer kleinen Bühne. Karl-Heinz Steinbeck betrachtet sie zufrieden. „Gefällt mir gut“, sagt er und holt eine Kanne Kaffee aus der Küche.

Steinbeck kommt seit 13 Jahren hierher. Er hat schon viele Besucher kommen und gehen gesehen. Manch einen verliert man sogar ganz. Doch heute sei nicht die Zeit, um ins Melancholische abzuschweifen, wie er ergänzt. Stattdessen möchte er hier reden, etwas essen und singen. Am besten funktioniert das mit Gottfried Siegers und Tobias Malms, die seit nun mehr sieben Jahren ehrenamtlich ins Café Plattform kommen, um mit den Besuchern Weihnachtslieder zu singen. Natürlich gibt es auch hier leckeres Essen und ein persönliches Geschenk. Denn jeder hatte die Option, seinen ganz eigenen Wunschzettel zu schreiben.

Leiterin Simone Holzapfel freut sich vor allem über die vielen privaten Spenden: „Einige Menschen haben Kuchen gebacken oder etwas gestrickt, was eine schöne Geste ist. Generell werden auch hier Dinge des täglichen Lebens gebraucht, wie Essensgutscheine, Tabak oder ein Fahrradschloss.“ Anders als in der Wärmestube der WABE, können die Besucher im Café Plattform übernachten. Insgesamt 20 Betten stehen zur Verfügung, wobei grade an den Weihnachtstagen eine starke Überbelegung herrscht. „Zu uns kommen nicht nur Menschen, die auf der Straße leben, sondern auch viele, die eine Wohnung, aber kein Zuhause haben und alleine sind“, ergänzt Holzapfel. Deshalb sei auch die Stimmung gar nicht so einfach zu beschreiben. Von Freude, über Wehmut bis hin zu Tränen und Tanz sei alles dabei.

Die Eingangstür öffnet sich alle paar Sekunden und lässt die Flamme der Kerze im Flur schnell von einer Seite zur anderen flackern. Skeptische Blicke, die in den großen Gemeinschaftsraum schauen, sieht man oft. Doch die Meisten müssen nicht lange überlegen, bevor sie sich dazu setzen. Und als Malms und Siegers mit dem ersten Lied beginnen, sind auch die letzten Zweifel weggeblasen. Denn alleine sein, möchte keiner gerne.

Das weiß man auch im Festsaal der offenen Tür im Josefshaus, wo Menschen, die alleine sind in den Abendstunden zusammenkommen. Wenn es draußen bereits stockdunkel ist, erhellen ebenfalls hier viele Kerzen und Lichter den Raum. Aber vielleicht spielt auch der Duft nach Weihnachten eine Rolle, der die unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten zusammenführt und an einen Tisch bringt - an diesem Heiligen Abend in Aachen.

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