Aachen - Vorzeige-Konzepte für die Landwirtschaft

Vorzeige-Konzepte für die Landwirtschaft

Von: Andreas Cichowski
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Begeistert von den Konzepten des NABU Aachen: EU-Parlamentarier Arndt Kohn (2.v.l.) ließ sich von Manfred Aletsee (2.v.r.), Claus Mayr (r.) und Sebastian Strumann die Vorzeigeprojekte - wie hier an der Streuobstwiese Nahe dem Dreiländerweg - erläutern. Foto: Andreas Cichowski

Aachen. In Zeiten von Insektensterben und Vogelschwund steht die Landwirtschaft mitten in der gesellschaftlichen Diskussion. Dass der NABU-Stadtverband Aachen nun ganz genau die derzeitige politische Entwicklung verfolgt, ist wenig verwunderlich, sei doch die Agrarpolitik mit ein Grund für das Scheitern der Sondierungsgespräche in Berlin gewesen.

„Die EU-Agrarpolitik ist der größte Haushaltsposten der EU und momentan in Brüssel und Berlin heiß diskutiert“, merkte der Vorsitzende des NABU Aachen, Claus Mayr an. Derzeit werden etwa 58 Milliarden Euro pro Jahr aus Steuergeldern finanziert, das entspreche rund 40 Prozent des Gesamthaushaltes der EU. Bereits im Oktober 2010 haben sich die EU als Ganzes und die EU-Mitgliedsstaaten verpflichtet, bis spätestens 2020 umweltschädliche Subventionen abzubauen oder so umzulenken, dass sie dem Erhalt der biologischen Vielfalt dienen.

Bürokratischer Aufwand

„Das Parlament muss entscheiden, wie es nach 2020 weitergeht“, mahnte Mayr. Denn die Familienbetriebe seien mittlerweile die Verlierer der Agrarpolitik, weil es sehr schwierig sei, Mittel zu beantragen. „Der bürokratische Aufwand ist immer noch vergrößert worden. Statt auf dem Acker zu wirtschaften, sitzen die Landwirte da, um ihren Schreibpflichten nachzugehen“, meinte Mayr.

Arndt Kohn, Nachrücker im Europäischen Parlament für Martin Schulz und Mitglied des Haushaltskontrollausschusses, besuchte den NABU Aachen um sich selber ein Bild von der Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirten zu machen. „Es ist für mich wichtig, bei den laufenden Diskussionen den praktischen Hintergrund zu haben“, so der Europaabgeordnete. Auch der Brexit sei Thema, denn dann wäre nicht mehr die volle Summe in der Kasse und man müsse über den sinnvollen Einsatz von Geldern sprechen sowie über Einsparungen. „Wir müssen Wege finden, das Geld richtig einzusetzen“, erläuterte Kohn. Das Geld müsse letztendlich bei den Leuten ankommen, die es benötigen.

Und genau hier hakt es zurzeit immens, wie Mayr bestätigte: „Zuletzt hatte der Europäische Rechnungshof kritisiert, dass der Großteil der Subventionen gerade nicht bei den bäuerlichen Familienbetrieben landet, sondern bei den Großlandwirten und Agrarbetrieben.“ Ein massives Problem sei hier die rein flächenproportionale sogenannte „Basisprämie“. „Je größer die Fläche, umso effektiver arbeite ich, das heißt der Aufwand wird geringer“, erklärte Dr. Manfred Aletsee, Leiter des landwirtschaftlichen Betriebes des NABU Aachen. Große Betriebe bekämen jede Menge Geld, bloß weil sie eine große Fläche haben. „Das macht die Familienbetriebe kaputt.“

„80 Prozent der Gelder aus der ersten Säule gehen nur an 20 Prozent der Betriebe“, erläuterte Sebastian Strumann, Campaigner Agrarpolitik des NABU-Bundesverbands. „Uns ist außerdem wichtig, dass wir bis 2020 eine nachhaltige Landwirtschaft erreichen werden“, betonte Strumann. Artenschutz und Naturschutz seien keinesfalls zu vernachlässigen. „Es wird sichtbar, dass die Artenvielfalt abnimmt“, unterstrich auch Kohn und verurteilte den Einsatz von Glyphosat. Dabei müssen Landwirtschaft und Naturschutz kein Widerspruch sein, wie der NABU beweisen kann.

Obstsorten werden gerettet

2009 gründete der NABU Aachen einen landwirtschaftlichen Betrieb auf insgesamt 23 Hektar Flächen, meist Naturschutzflächen oder Flächen der Stadt. „Da haben wir eine sehr gute Kooperation mit der Behörde, dass wir die Flächen pachten konnten“, meinte Aletsee.

Ungefähr 15.000 Euro an Fördergeldern erhalte der NABU dafür pro Jahr. Davon stammen nur 2000 bis 3000 Euro aus der Basisprämie. „Den Rest erhalten wir für schützende Maßnahmen“, so Aletsee. Denn auf der Streuobstwiese „am Türmchen“ am Dreiländerweg setzt sich der NABU beispielsweise dafür ein, regionaltypische Obstsorten zu erhalten.Kohn hatte jedenfalls nach seinem Besuch den besonderen Eindruck, dass hier in Aachen sehr viel in Sachen Naturschutz gemacht werde und lobte den NABU. „Das ist ein Vorzeige-Konzept für andere Städte.“

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