Vortrag über niederländische Maler: Alte Aachen-Bilder neu gesehen

Von: mas
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Exilkunst in heimischen Gefilden: Dr. Manfred Birmans erzählte den Zuhörern viel Wissenswertes über die Gemälde niederländischer Künstler. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Obwohl es um ein düsteres Kapitel europäischer Geschichte ging, kam der Vortrag von Dr. Manfred Birmans ganz leicht und erfrischend daher: Unter dem Bibelzitat „Ich war fremd, und Du nahmst mich auf“ beleuchtete er die Religionskriege im 16. Jahrhundert.

Während unter Herzog Alba in den damals spanischen Niederlanden ohne Gnade gemordet wurde, suchten zahlreiche niederländische Maler Zuflucht in Aachen. Ihre Bilder geben Zeugnis von der Struktur und dem Leben in der mittelalterlichen Reichsstadt. Birmans lieferte beeindruckende Beispiele von Malern wie Lucas van Valckenborch und Hendrik van Steenwijk, die er dann in seiner erfrischenden Art kommentierte.

Fast das erste Bild von Burtscheid

Und obwohl die niederländischen Künstler als Protestanten schlimme Gräuel erlebt haben müssen, spiegele sich nichts davon in ihren Aachener Arbeiten, so Birmans. Ein Bild von Lukas van Valckenborch galt lange als Landschaftsbild aus dem niederländischen Maastal. Erst in den 1960er Jahren wurde das Motiv als „Burtscheider Tal“ identifiziert. „Es ist fast das erste Bild von Burtscheid“, führte Birmans aus und wunderte sich, dass es so viele Jahre gedauert hat, bis es entsprechend zugeordnet wurde.

„Ich hätte das gleich erkannt“, sagte er selbstbewusst und führte den Besuchern dann die Einzelheiten vor Augen. Ganz deutlich sind die Kirchen St. Michael und St. Johann zu erkennen sowie ein kalter und ein warmer Bach. Und dann eine Szene am warmen Bach, „die so eben nur in Burtscheid stattgefunden haben kann“, meinte Birmans. Am Bach hocken zwei Gestalten, die eine hält ein Netz mit Eiern. „Der Mann schwellt (kocht) Eier“, freute sich Birmans und meinte: „Schon allein wegen dieser Szene wollte ich den Vortrag halten.“ Das Wort „schwellen“ hat es ihm ganz offensichtlich angetan, und in einem kleinen Diskurs erläuterte er seine zwei Bedeutungen: neben kochen demnach auch stehlen.

Henkerstätten in Aachen

Eine Karte aus der selben Zeit gibt Aufschluss nicht nur über Flussläufe und Städte in der Umgebung von Aachen: Birmans zoomt ganz nah heran, und in feinen Strichen sind dort bei Jülich Galgen und Räder zu erkennen. „Die Obrigkeit ist schon da, und die Gaffer kommen gerade angelaufen“, erläuterte Birmans und zeigte auch die Henkerstätten in Aachen. Und dann kam er zu einem Bild von Hendrik van Steenwijk, dem Älteren. Dom und Marschiertor sind darauf zu sehen, und laut Birmans auch vieles, das eher an andere Städte erinnert. Beeindruckend ist aber in jedem Fall die Vielzahl der Menschen auf dem farbenfrohen Bild. Birmans vergrößerte den ein oder anderen Ausschnitt und lenkte den Blick auf Besonderheiten. „Den Rattenfänger“ hätte man ganz sicher ohne solche Hilfestellung nicht ohne weiteres ausgemacht. Er hält ein Kästchen mit Arsen und einen langen Stock, an dem die erledigten Ratten baumeln. Dass das Vergrößern der einzelnen Bildabschnitte nicht immer gleich so funktionierte, wie Birmans sich das vorgestellt hatte, sah sein Publikum ihm großzügig nach. Die Besucher standen ganz im Bann seiner Bilddeutungen. „Es war so toll“, schwärmte eine Zuhörerin im Anschluss. Und ebenso wie sie, waren die Zuhörer so gefangen von dem Vortrag, dass sie nicht einmal die Chance nutzten, Fragen zu stellen.

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