Vorsitzender des Seniorenrats: Lieber Geld weg als Knochenbruch

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Hat wichtige Hinweise, wie Sen
Hat wichtige Hinweise, wie Senioren ihre Sicherheit erhöhen können. Rolf Eckert. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Bestimmte kriminelle Machenschaften sind offensichtlich auf Opfer mit höherem Lebensalter ausgelegt. Der Enkeltrick ist ein klassisches Bespiel dafür, aber auch der Handtaschenraub. „

Senioren sind gar nicht häufiger Opfer von Straftaten insgesamt, sie leiden aber oft psychisch und physisch stärker und länger unter den Folgen”, sagt Rolf Eckert, Vorsitzender des Seniorenrats der Stadt Aachen.

Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kolleginnen kümmert er sich um alle Themen, die Aachener Senioren interessieren oder betreffen könnten.

Als ehemaliger Vorsitzender Richter am Landgericht hat Eckert zudem viel Erfahrung mit Strafdelikten. Er sieht drei Gefahrenbereiche für Senioren: den Raub - besonders den Handtaschenraub bei älteren Frauen -, Diebstähle in der Wohnung sowie Betrug.

Der Handtaschenraub ist bekannt. „Dagegen kann man sich auch nicht schützen, man kann nur versuchen, die Folgen zu minimieren”, meint Eckert. „Niemand muss immer alle Ausweispapiere bei sich haben, eine Fotokopie reicht.

Und natürlich sollte man immer nur so viel Geld und Bankkarten bei sich haben, wie man auch braucht”, rät der Jurist und schiebt gleich noch einen wichtigen Rat hinterher, den die Kriminalpolizei ebenso gibt: Auf keinen Fall die Tasche festhalten. Lieber das Geld abschreiben, als mit einem Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus zu landen. Das Strafmaß liegt hier übrigens am höchsten, weil Gewalt mit im Spiel ist.

Vor Diebstählen kann man sich schon besser schützen als vor Raub: „Oft lassen die Opfer die Täter gutgläubig ins Haus”, erklärt Eckert. Das liegt vor allem auch an der Raffinesse der Täter. Sie geben sich häufig als Vertreter von offiziellen Stellen aus - als Stromableser oder Tester der Wasserqualität.

„Ganz Dreiste behaupten sogar, sie kämen von der Kriminalpolizei, lassen sich mit dem Vorwand, in der Nachbarschaft wären Diebe am Werk gewesen, Barschaft und Wertgegenstände zeigen, um genau die dann in einem unbeobachteten Moment einzustecken.”

Tatsächlich entdecken Opfer von solchen Delikten oft erst sehr viel später, dass sie bestohlen wurden. „Da hilft vor allem gesunde Vorsicht: Ausweise prüfen, gegebenenfalls die Stellen anrufen und am besten einen Nachbarn dazu holen”, rät Eckert. Isolation sei dagegen der schlechteste Schutz.

Bei den Betrugsdelikten wundert sich der Jurist, „dass immer noch so viele Täter erfolgreich sind.” Denn vorm Enkel- oder auch Neffentrick wird immer wieder in der Presse gewarnt. Wohl auch deswegen schämen sich die Opfer oft, wenn sie auf den Anruf eines angeblichen Verwandten herein gefallen sind und Geld an dessen „Freund” heraus gegeben haben. „Deshalb kommt nur etwa die Hälfte dieser Fälle zur Anzeige”, weiß Eckert.

Das sei jedoch immer der falsche Weg, findet der Seniorenratsvorsitzende. „Die Polizei ist gut auf die Belange von Senioren eingestellt.” Es gebe mittlerweile sogar ein eigenes Dezernat „Delikte gegen Seniorinnen und Senioren” bei der Staatsanwaltschaft Aachen. Dort und auch beim Kommissariat „Vorbeugung und Opferschutz” der Aachener Polizei sei man gut aufgehoben.

Doch auch die Mitglieder des Seniorenrats fungieren gern als Ansprechpartner für Geschädigte oder Interessierte. „Wir können drüber reden und dann an die richtigen Stellen verweisen.”
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