Vorsitzende des Unesco-Clubs: Im Dienste des Weltkulturerbes

Von: Axel Beyhs
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Appetitmacher auf die Ausstellung: Marianne Viechtbauer hofft, dass sich viele Besucher die Exponate über Bauwerke in der Citykirche ansehen werden. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Vor 36 Jahren wurde der Dom zu Aachen als erstes deutsches Welterbe in die Liste der Unesco aufgenommen. Damit die Bedeutung dieser Auszeichnung nicht in Vergessenheit gerät, hat es sich der Unesco-Club Aachen e.V. zur Aufgabe gemacht den Aachener Dom als Weltkulturerbe präsent zu halten.

Dass sich die Club-Arbeit längst nicht nur mit dem Aachener Dom oder anderen historischen Bauwerken befasst, verrät die erste Vorsitzende des Vereins Marianne Viechtbauer im heutigen Samstagsinterview.

Wie stolz ist der Club, im Schatten der ersten Weltkulturerbestätte in Deutschland tätig zu sein?

Viechtbauer: Im Schatten des Aachener Doms tätig zu sein, ist natürlich das Aushängeschild für unseren Club. Von den derzeit zehn aktiven Unesco-Clubs in Deutschland, die zum Teil in deutlich größeren Städten wie Berlin oder München beheimatet sind, ist der Aachener Unesco-Club der einzige Club in unmittelbarer Nähe eines Weltkulturerbes. Damit stechen wir schon etwas hervor. Es liegt somit auch nahe, dass es uns ein großes Anliegen ist, allen Interessierten die immense kulturelle Bedeutung des Aachener Doms näher zu bringen.

Die Aachener sind sich aber doch der Historie ihres Doms bewusst?

Viechtbauer: Grundlegend Ja! Damit das so bleibt, steht der Dom im Mittelpunkt unserer Information. Jeweils am ersten Sonntag im Juni findet im Domhof unser „Tag des Weltkulturerbes“ statt, bei dem wir auf den Dom als Welterbestätte und generell auf die Ziele der Unesco aufmerksam machen wollen.

Wie sehen diese Ziele denn genau aus?

Viechtbauer: Nicht nur materielle Dinge wie Gebäude und Denkmäler sind von kultureller Bedeutung. Ein wichtiges Feld in der Unesco-Arbeit ist der Schutz des immateriellen Kulturerbes. Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten sind ebenfalls von enormer Bedeutung. Unser Ziel ist es, dieses in Deutschland, aber auch in anderen Ländern beheimatete Kulturerbe bekannt zu machen.

Das bedeutet sicherlich die eine oder andere Reise.

Viechtbauer: Ja, im letzten und in diesem Jahr gehörten sogar Bratislava und Istanbul zu unseren Reisezielen. Es sind aber meist die kleinen Städte und Orte, die mit ihren Kulturstätten unterstützt werden müssen. Dazu gehören auch all jene Städte, die sich bei der Unesco beworben haben und auf eine offizielle Anerkennung ihrer Stätte hoffen.

Wo liegen die Schwerpunkte des Aachener Clubs neben der Aufklärungsarbeit über das kulturelle Erbe?

Viechtbauer: Ein großer Schwerpunkt sind unsere Lese- und Lernpaten. Nicht wenige Kinder mit Migrationshintergrund, aber auch Kinder mit deutschen Eltern haben oft enorme schulische Probleme. Es entspricht dem Geiste der Unesco hier Hilfe anzubieten. Bereits im sechsten Jahr sind wir mit 14 Personen in vier Grundschulen unterwegs, um den Kindern zu helfen. Dazu arbeiten wir parallel zum Unterricht oder danach mit einzelnen Kindern oder kleineren Gruppen. Es ist aber nicht nur die Sprachbarriere, die vielen Kindern Probleme bereitet. Auch in Mathe oder anderen Fächern helfen wir – je nach Bedarf.

Was muss ich tun, wenn ich Lernpate werden möchte?

Viechtbauer: Alle Interessenten können sich gerne auf unserer Internetseite www.unescoclub-aachen.de melden. Es ist keine besondere pädagogische oder lehrende Qualifikation erforderlich! Oftmals fehlt es den Kindern an ganz elementaren Kenntnissen, die jeder vermitteln kann, der selbst Kinder hat.

Können Sie schon Erfolge verzeichnen?

Viechtbauer: Das Feedback der Schulen ist durchweg positiv. Natürlich würde ich nie behaupten, dass die Lese- und Lernpaten alleine für den erfolgreichen Werdegang des einen oder anderen Schülers, der anfänglich Probleme hatte, verantwortlich ist, aber auch, wenn wir nur einen ganz kleinen Teil zum Lernfortschritt beigetragen haben, ist das ein großer Erfolg.

Der Unesco-Club Aachen e.V. veranstaltet vom 13. Bis 19. Oktober eine Ausstellung in der City-Kirche. Was erwartet den Besucher auf der Ausstellung?

Viechtbauer: Den Besucher erwarten ca. 30 handgefertigte Modelle europäischer aber zum größten Teil deutscher Unesco-Welterbestätten sowie zahlreiche Dokumenten-Faksimiles zum Kulturerbe. Ausgestellt sind Stücke wie beispielsweise die Gutenberg-Bibel, die Waldseemüller-Karte von 1507/8, auf der zum ersten Mal die „Neue Welt“ nach deren Entdeckung zu sehen war, oder das Nibelungenlied Handschrift D). Unsere Vereinsmitglieder stehen natürlich mit interessanten Informationen zur Seite.

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