Vorlesewettbewerb: Das Lesetempo entscheidet mit

Von: Kathrin Albracht
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Sie machten es der Jury nicht gerade leicht: Die Teilnehmer des Vorlesewettbewerbs – und Mitorganisatorin Vera Sauren – umrahmen die Siegerin Eva Mirgel (1. Reihe, Mitte). Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wenn sich Mathelehrerinnen in Furien verwandeln, der Wettkampf um einen Feuerkelch ausgetragen wird und Schatten aus Büchern heraufbeschworen werden, wissen Kenner: Es wird der beste Vorleser oder die beste Vorleserin gesucht.

Jedes Jahr organisiert der Börsenverein des deutschen Buchhandels unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten diesen Wettbewerb für Schüler der sechsten Schulklassen aller Schulformen. Dabei ermitteln die teilnehmenden Schulen zunächst die Klassensieger, im zweiten Schritt die Schulsieger. Am gestrigen Sonntag wurden die besten Vorleser auf Stadt- und Kreisebene im Forum M der Mayerschen Buchhandlung gekürt.

Mit Lesekünsten überzeugt

Neun Mädchen und sieben Jungen überzeugten beim Stadtentscheid die fünfköpfige Jury in zwei Durchgängen mit ihren Lesekünsten. Zunächst durften die Teilnehmer einen vorbereiteten Text aus einem selbst ausgewählten Buch vorlesen.

Die Auswahl der Bücher bot einen guten Querschnitt durch die aktuelle Kinder- und Jugendbuchliteratur: Klassiker wie Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“ oder J. R. R. Tolkiens „Der Hobbit“ waren ebenso vertreten wie moderne Klassiker von Joanne K. Rowling und Cornelia Funke. Auch anspruchsvollere Werke fanden Eingang in den Wettbewerb: Ricarda Sallmon beteiligte sich mit Lola Renns „Drei Songs später“, der Geschichte über die 16-jährige Zeta, die ihren Traum, Tänzerin zu werden, gegen ihre Eltern durchsetzen muss. Dario Puchelski las eine Passage aus Peter Härtlings „Ben liebt Anna“ vor. Das Kinderbuch aus dem Jahr 1979 thematisiert nicht nur die erste Liebe und die erwachende Sexualität bei Kindern, sondern schildert in einem zweiten Erzählstrang die Situation von Menschen mit Migrationshintergrund.

Fremdtext im zweiten Durchgang

In einem zweiten Durchgang lasen die Schüler einen Fremdtext aus dem Buch „Der Fluch des Bonawentura“ des Aachener Autors Andreas Collin. Einfach machten die Teilnehmer die Entscheidung der Jury nicht: „Wir haben in diesem Jahr viele gute Teilnehmer, die sehr dicht beieinander liegen“, bewertete Logopädin und Jurymitglied Daniela Pessler das Teilnehmerfeld. Neben Lesetempo, Deutlichkeit der Aussprache und Betonung bewertete die Jury auch die Interpretation und schließlich ebenso die Textauswahl bei den Eigentexten.

Im Stadtentscheid überzeugte Eva Mirgel die Jury. Die Schülerin des Couven-Gymnasiums hatte Tyra Teodora Tronstads „Vera und das Dorf der Wölfe“ als Eigenbeitrag ausgewählt. „Es war schon sehr aufregend, hier vorzulesen. Das ist eine andere Situation als vor der Klasse oder in der Schule“, fand sie. Für den Wettbewerb hat sie in der Vorbereitung immer wieder ihren Eltern vorgelesen.

Für alle Teilnehmer gab es am Ende eine Urkunde und ein Buchgeschenk. Für Eva Mirgel geht es weiter zum Bezirksentscheid nach Köln, vielleicht geht es danach sogar zum Landeswettbewerb nach Düsseldorf. Das Bundesfinale findet im Juni in Berlin statt.

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