Aachen - Vor der Wahl wetzen Studenten die verbalen Messer

Vor der Wahl wetzen Studenten die verbalen Messer

Von: Ines Kubat
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Aachen. „Wetzt Eure verbalen Messer“, forderte ein Moderator die Studenten im voll besetzten Audimax-Hörsaal auf. Denn die Chance, die sich ihnen bot, war besonders: Wenige Tage vor der Europawahl am 25. Mai hatten Stipendiaten eine Diskussion mit sieben Parteienvertretern organisiert.

Diese Chance wusste das junge Publikum zu nutzen – mit konkreten Fragen fühlten sie den Politikern genau auf den Zahn: Sabine Verheyen (CDU), Arndt Kohn (SPD), Stefan Engstfeld (B90 Grüne), Alexander Graf Lambsdorff (FDP), Fotios Amanatides (Piraten), Andrej Hunko (Die Linke) und Marcus Pretzell (AfD) stellten sich den Studenten und der Frage „Was ist Ihre Zukunftsversion für Europa?“. Jeweils drei Minuten hatten sie Zeit, zentrale Themen schlaglichtartig zu präsentieren. Dass sie und ihre Partei eine positive Vorstellung von Europa vertreten, darin waren sich alle einig. Aber bei der konkreten Gestaltung der EU bestehen enorme ideologische Klüfte.

Demokratische Verbesserungen unter anderem durch ein Initiativrecht des Parlaments stand auf den Streitpapieren der Piraten, AfD und der Linke. Mehr Transparenz wollte Sozialdemokrat Kohn. Transparenz ja, nur nicht im Privatleben – und damit „Nein“ zur Vorratsdatenspeicherung forderten der Grünenpolitiker Engstfeld, der Liberale Lambsdorff und Pirat Amanatides. Letzterer, wie auch Hunko von der Linken, will Rechte zur Bürgerinitiative auf EU-Ebene verbessern. Es folgten Stellungnahmen der sieben Kontrahenten zu den Themen „Außen- und Sicherheitspolitik sowie Wirtschaft und Soziales“. Da merkte man deutlich, dass der Wahlkampf seinen Zenit erreicht hat: gemurmelte Kritik, bissige Seitenkommentare oder der Ausruf „Das ist gelogen!“ als Beispiele der hitzigen Debatte um Themen wie Asylpolitik, Ukraine-Krise, Eurobonds.

Aber vor allem das Freihandelsabkommen mit den USA führte zu Gefühlsausbrüchen am Podium und im Auditorium. Graf Lambsdorff sieht darin einen großen Mehrwert: direkt wirtschaftlich und auf dem Arbeitsmarkt. Er sei „genervt von der Angstkampagne“, die um das Abkommen betrieben werde. „Fracking“ beispielsweise werde es nicht geben. „Wirklich nicht?“ kam der Zwischenruf aus dem Publikum? „Nein!“ seine Antwort. Wenig überzeugt, setzte ein Student ihm die Pistole auf die Brust: „Ehrenwort?“ Seine knappe Antwort: „Ja!“ Verheyen unterstützte ihn.

Den vielfach kritisierten Transparenzmangel in den Verhandlungen könne sie nicht verstehen, schließlich zöge man dabei Unternehmen und Verbände hinzu. Kaum beruhigen konnte das Amanatides und Engstfeld: Der Grüne kritisierte die Passage zum Investitionsschutz als demokratiegefährdend. Kuhn hofft, dass die „Rechte Europas nicht auf dem Freihandelstisch“ geopfert würden. Pretzell bezweifelte, dass das Abkommen den Arbeitsmarkt stärke, stattdessen „verkaufe man Bürgerrechte“, so seine plakative Aussage.

Die plakativen Wahlslogans seiner Partei standen auch in der offenen Fragerunde im Fokus der Studenten, die wissen wollten, an welchem Ort des politischen Spektrums sich die AfD ansiedelt. Sowohl Pretzell als auch Verheyen und Lambsdorff standen Rede und Antwort zu Eurokrise, Energiepolitik oder Außenbeziehungen. Engstfeld, Hunko, Amanatides und Kohn wurden weniger angesprochen. Wenig zimperlich konfrontierten die Studenten die Politiker mit Wahlslogans oder Zahlen: So schubsten sie manche Diskutanten in den sprichwörtlichen heißen Brei, um den einige herumzureden versuchten. Am Ende blieben erhitzte Gemüter und viele Fragen. Gänzlich einig war man sich nur darin: für mehr Wahlbeteiligung zu kämpfen.

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