Aachen - Von wegen blaues Wunder: Luxuslampen mit Gammelholz geflickt

Von wegen blaues Wunder: Luxuslampen mit Gammelholz geflickt

Von: Robert Esser
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Nett gedacht, schlecht gemacht: Am betonierten Aachener Bahnhofsvorplatz musste schon häufig seit der Einweihung (Bild von 2006) nachgebessert werden – der Stawag bereiten die blauen Lichtleisten Richtung Bahnhofstraße Probleme. Foto: Andreas Herrmann/Robert Esser
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Gammelholz statt LED-Licht: Die futuristische Nachtstimmung vor dem Super C am Templergraben ist längst grauer Realität gewichen – die blauen Bodenlampen halten die Belastung nicht aus. Foto: Esser/Zogellighting
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Gammelholz statt LED-Licht: Die futuristische Nachtstimmung vor dem Super C am Templergraben ist längst grauer Realität gewichen – die blauen Bodenlampen halten die Belastung nicht aus. Foto: Esser/Zogellighting
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Nett gedacht, schlecht gemacht: Am betonierten Aachener Bahnhofsvorplatz musste schon häufig seit der Einweihung 2006 nachgebessert werden – der Stawag bereiten die blauen Lichtleisten Richtung Bahnhofstraße Probleme. Foto: Andreas Herrmann / Robert Esser

Aachen. Offensichtlich blauäugig schielte man in der Wissenschaftsstadt Aachen schon vor Jahren auf hochmoderne LED-Technik – die wollte man unbedingt haben, und investierte Hunderttausende Euro. Bloß: Egal auf welchen Vorplatz man blickt, ob vor dem Hauptbahnhof oder unterm Super C der RWTH, nirgendwo funktioniert‘s.

Die leuchtend blauen Streifen wurden teils sogar durch einfache Holzlatten ersetzt, die nun im teuren Designer-Boden vergammeln. „Hier ist von Anfang an etwas verbaut worden, was den Belastungen nicht standhält“, stellt Werner Heinen vom RWTH-Gebäudemanagement fest.

Dabei hatte alles so traumhaft futuristisch ausgesehen. Jedenfalls bei der Einweihung: Da strahlte das blaue Band auf dem für über zwei Millionen Euro umgebauten Bahnhofsvorplatz in einer wundervoll illuminierten Linie bis zur Bahnhofstraße – nur unterbrochen von der Fahrbahn Lagerhaus-/Römerstraße. Seit wann die Lichtlinie defekt ist, die damals von der Stadtverwaltung nach einem Konzept der Kölner Lichtdesigner „Kress + Adams“ verwirklicht wurde, weiß die Stawag nicht. Sie ist für Betrieb, Pflege und Wartung sämtlicher 22.000 Lichtpunkte auf Aachener Straßen und Plätzen verantwortlich.

Manche extravaganten Lichtlösungen entpuppten sich dabei offenbar als weniger praxistauglich. Man arbeite an der Reparatur der blauen Linie quer über den HBF-Vorplatz aus dem Jahr 2006, hieß es am Donnerstag aus der Stawag-Zentrale. Noch ist der Fehler nicht gefunden. Ideengeberin Hannelore Kress ist jedenfalls enttäuscht: „Solche Lichtanlagen müssen natürlich regelmäßig gepflegt und instand gesetzt werden. So ein Totalausfall ist aber kein reines Aachener Phänomen.

Auch anderswo werden diese Anlagen oft schon kurz nach der Einweihung sträflich vernachlässigt. Das ist dann wirklich schade um die Investition“, sagt sie. Ihr Düsseldorfer Lichtdesign-Kollege Philipp Zogel, der 2008 die blauen LED-Bänder im Boden vor dem Super C (23 Millionen Euro Baukosten) am Templergraben entworfen hat, räumt indes ein: „LED-Licht im Boden ist die Königsklasse unserer Branche. Und da stand die Technik noch vor wenigen Jahren ziemlich am Anfang“, sagt er. Und Zogel veranschaulicht: „Was im Labor vier Tonnen Gewicht aushält, hat manchmal in der Praxis schon ein Problem mit einem Steinchen, über das ein Fahrzeug rollt.“ Oder ein Skateboard, oder Inlineskater...

Ihr blaues Wunder erlebten nicht nur Heinen und das Team des RWTH-Gebäudemanagements. Sie baden die fatalen Folgen aus. Schon nach kurzer Zeit zerbarsten die Plexiglasscheiben der Boden-LED-Bänder. Und auch die Fassadenbeleuchtung fällt zuweilen teils aus. „Aber am schlimmsten ist es auf dem Vorplatz, der natürlich täglich von tausenden Menschen bevölkert wird“, stellt Heinen fest. Die Herstellerfirma der LEDs ist längst pleite, Ersatzteile gibt‘s nicht. In der Not behalf man sich mit blau lackierten Holzlatten, die man in die LED-Rahmen quetschte, damit der Super C-Vorplatz nicht zur riesigen Stolperfalle wird. Derweil vermodert das Holz in den Ritzen. Nur vereinzelt leuchtet noch Blau im Boden. „Die sachgemäße Reparatur würde über 40 000 Euro kosten“, rechnet der Experte vor – zu teuer. Doch der RWTH liegen Beschwerdebriefe vor. „Blau gestrichene Holzlatten statt LED-Beleuchtung – das kann eigentlich nicht so bleiben“, sagt Heinen.

Vielleicht fällt der Wissenschaft noch eine günstigere Lösung ein. Dann käme die Exzellenz-Uni zumindest kostenmäßig mit einem blauen Auge davon.

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