Aachen - Von wegen Alaaf: Absagen im Karneval

Von wegen Alaaf: Absagen im Karneval

Von: Gerd Simons und Thorsten Karbach
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Leere Säle, volle Säle: Angesichts der Vielzahl von Sitzungen in einer recht kurzen Session wird Thomas II. Sie-berichs im Sitzungskarneval viele freie Plätze sehen müssen. Erste Veranstaltungen sind abgesagt worden.

Aachen. Die ersten seiner mehr als 320 Auftritte liegen hinter Thomas II. Sieberichs. An diesem Wochenende beginnt der Saalkarneval so richtig. Und schon vor dem ersten Alaaf ist klar: Prinz, Hofstaat und Prinzengarde werden in dieser Session mehr als einmal die Zahl der Jecken im Saal locker übertreffen. Leere Säle? „Ja, die wird es geben“, sagt Wilm Lürken, Präsident des Fest-Ausschusses Aachener Karneval (AAK).

Die KG Moulenshöher Jonge hat ihre Sitzung – datiert auf den 19. Januar – sogar abgesagt. „Wir haben zu wenige Karten verkauft. Wenn wir nicht abgesagt hätten, wären wir wohl in finanzielle Schieflage geraten“, erklärt der Präsident der 1960 gegründeten Gesellschaft, Ralf Zaubitzer. Vereinsaustritte langjähriger Mitglieder hätten rund 200 Karten gekostet.

Ausgebremst wurde auch der Walheimer Karnevalszug – nach fast 30 Jahren. Er fällt aus. „Grund hierfür ist das rückläufige Interesse im Dorf“, erläutert Willi Grawe, 1. Vorsitzender der Walheimer KG. „Es ist keine spontane Entwicklung, sondern eher eine schleichende gewesen.“ Stattdessen setzen die Walheimer mit der „Nacht der Showgruppen“ auf ein neues Karnevalsformat.

Schon in der vergangenen Woche hatte der Aachener Karnevalsverein die „Top Lounge“ abgesagt, die am Sonntag im Quellenhof eröffnet werden sollte. Die Veranstaltung sei nicht „auf das erhoffte Interesse“ gestoßen. Eintrittsgelder für bereits gekaufte Karten werden zurücküberwiesen. Nach AZ-Informationen wurde mit 350 Besuchern kalkuliert, aber kaum 200 waren bereit, 75 Euro für ein Ticket zu diesem exklusiven AKV-Abend auszugeben.

Nun haben die Aachener nicht partout das Interesse am Karneval verloren. Die Oecher Penn freut sich nach einer ausverkauften Herrensitzung, dass auch für die Galasitzung und den Pennball alle Karten im Vorverkauf vergriffen sind. Auch die Sitzungen des Öcher Schängche sind allesamt ausverkauft. Die Proklamation von Thomas II. ging vor 1400 Menschen im Eurogress über die Bühne – mehr passen da nicht rein.

Das Problem steht dennoch im Raum oder besser Saal: In der recht kurzen Session – Aschermittwoch ist am 13. Februar – finden sehr viele Sitzungen in kurzer Zeit statt. Allein am heutigen Samstag beginnen zwischen 19.11 und 20 Uhr acht große Sitzungen. Am 26. Januar und am 9. Februar sind es abends sogar zehn Sitzungen.

Damit alle Veranstaltungen ausreichend besucht sind, müssten rund 4000 Karnevalisten freitags und samstags zu den Sitzungen gehen – und bereit sein, entsprechend Eintritt – meist zwischen 15 und 30 Euro – zu zahlen. „Das Angebot ist eindeutig zu groß“, sagt Lürken. „Für kleine Vereine wird es immer schwieriger, Sitzungen durchzuführen, weil das Geld in den Taschen der Karnevalisten nicht mehr so locker sitzt“, sagt Hofmarschall Gustl Brammertz.

Er hatte vor 20 Jahren als Fußball-Funktionär – um Kräfte zu bündeln – die Gründung einen Sportgroßvereins SC Aachen West angeregt, in dem VfB 08 Aachen, die DJK Westwacht, der Sportclub Aachen und Vaalserquartier einfließen sollten. Dazu kam es nie. Der Sportclub hat nicht überlebt...

52 Karnevalsvereine sind Mitglied im AAK – inklusive Pfarren kommt noch mal ein gutes Dutzend Veranstalter hinzu. Die meisten Vereine bieten eine große Galasitzung, unterm Strich mit Ordensfest, Frühschoppen, Kinder-, Damen- und Seniorensitzungen sogar zwei bis drei Veranstaltungen an. Im Sessionsprogramm sind zwischen dem 5. Januar und Aschermittwoch 162 Veranstaltungen aufgeführt – und die ersten wieder gestrichen worden.

Lürken hat immer wieder appelliert, die Vereine mögen sich doch für Sitzungen zusammenschließen. „Den Brüsselsaal im Eurogress bekommen zwei Vereine nun einmal einfacher mit 300, 400 Menschen gefüllt als alleine. Das ist ein leidiges Thema, und ich kann immer nur fragen: Warum arbeitet ihr nicht zusammen?“, sagt er. „Man muss nicht auf Teufel komm raus eine eigene große Sitzung veranstalten.“ Moulenhöher-Präsident Zaubitzer sagt: „Es ist an der Zeit umzudenken.“

Lürkens eigener Verein, die Aachener Narrenzunft hat diese Erkenntnis bereits hinter sich. Das eigene Programm wurde auf einen – dafür sehr erfolgreichen – Frühschoppen reduziert. Andere Vereine – etwa die KG Vaalserquartier – locken mit freiem Eintritt. Prinz Thomas II. machte dort gestern Abend Station.

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