Von unsichtbarer Hand getragen

Von: Amien Idries
Letzte Aktualisierung:
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Eine mobile Frühchenstation: Wie hier in Wiesbaden sollen auch in Aachen Babys demnächst mit einem eigenen Notarztwagen gefahren werden.

Aachen. Wer schon einmal einen Notarztwagen bei einer Blaulichtfahrt beobachtet hat, weiß, dass erstens schnell gefahren wird und zweitens nicht unbedingt der direkte Weg gesucht wird. Der Fahrer muss unter Umständen über einen Bürgersteig fahren oder um im Weg stehende Pkw kurven. Alles im Dienste des Patienten, für den jede Minute zählt.

Die so entstehenden Erschütterungen und Fliehkräfte sind für Erwachsene unangenehm, für Neugeborene - hier im Speziellen Frühgeborene - sind sie gefährlich. Deshalb möchte das Uniklinikum Aachen (UKA) einen speziellen Baby-Notarztwagen anschaffen.

Dieses 200.000 Euro teure Gefährt zeichnet durch ein besonderes Dämpfungssystem aus, das Fahrunebenheiten komplett abfängt. Durch einen quer zur Fahrtrichtung eingebauten Inkubator werden die Fliehkräfte während einer Kurvenfahrt reduziert.

„Bei Neugeborenen besteht eine erhöhte Gefahr für Gehirnblutungen, deshalb sind Transporte mit normalen Rettungswagen ungünstig”, erklärt Professor Thorsten Orlikowsky, Leiter der Neonatologie am Klinikum. Allerdings ließen sie sich nicht komplett vermeiden. Zwar seien Schwangere mit einer Risikoschwangerschaft dazu angehalten in einem Perinatalzentrum - zu denen auch das UKA gehört - zu entbinden, aber es käme immer mal wieder vor, dass diese es nicht rechtzeitig schaffen und in einem Krankenhaus entbinden, in dem die Versorgung für die Frühgeborenen nicht optimal ist.

„Besonders kleine Frühgeboren mit einem Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm werden von uns in den betreffenden Kliniken abgeholt und hier weiter versorgt”, erklärt der Kinderarzt.

Aber auch reifere Kinder, die unvorhersehbare Komplikationen böten, würden an das Universitätsklinikum der RWTH Aachen überstellt. Für etwa 50 Neu- und Frühgeborene pro Jahr werde ein solcher Transport fällig, zu dem die Hin- und nach erfolgreicher oft wochenlanger Therapie die Rückfahrt gehört.

Und die werden demnächst hoffentlich für die kleinen Patienten vollkommen ohne Erschütterungen und Fliehkräfte ablaufen, sondern sozusagen wie von unsichtbaren Händen getragen.

UKA bittet um Spenden für den Notarztwagen

Um den Baby-Notarztwagen, der sich äußerlich nicht von einem normalen unterscheidet, zu finanzieren, hat das UKA gemeinsam mit der Björn Steiger Stiftung (BSS) eine Spendenaktion initiiert.

Die BSS engagiert sich für die Verbesserung der deutschen Notfallhilfe. Spenden können auf folgendes Konto überwiesen werden: Volksbank Rems (BLZ: 60290110), Konto-Nummer 500020019.


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