Von Philips bleibt nicht mehr viel übrig

Von: Stephan Mohne
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Es bleibt nur noch ein Schatten ruhmreicher Aachener Philips-Jahre: Das Unternehmen verkauft Stück für Stück seine Produktionssparten. Aktuell ist es der Bereich OLED. 65 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Als nächstes folgt der Maschinenbau. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Bei Philips in Aachen gehen so langsam die Lichter aus. Zumindest bezogen auf die jahrzehntelange Präsenz des Großunternehmens in der Kaiserstadt. Die bange Frage bei rund 1800 Beschäftigten auf dem rund 300.000 Quadratmeter großen Areal an der Philipsstraße lautet: Und was wird aus unseren Jobs?

65 von ihnen werden sich in Kürze einen neuen Arbeitsplatz suchen müssen. Sie sind bisher mit der stets als zukunftsträchtig propagierten Produktion von Organischen Leuchtdioden (OLED) beschäftigt. Doch diese Sparte, in die Philips vor nicht langer Zeit Millionen investiert hat, ist jetzt verkauft. Das teilte die Zentrale von Philips Deutschland in Hamburg am Dienstag offiziell mit. Käufer ist das US-Unternehmen „OLEDWorks“. Bedingung für die Übernahme sind jedoch den Ausführungen zufolge „einschneidende Restrukturierungen“. Geplant sei „eine Aufspaltung der bisherigen Aktivität in Aachen“, erklärt Unternehmenssprecher Klaus Petri. Was konkret bedeutet, dass von 100 Stellen besagte 65 gestrichen werden. Dennoch sei dies „die bestmögliche Lösung, um das gewonnene Know-how und eine für die Fortführung der Aktivitäten notwendige Mitarbeiterzahl am Standort zu erhalten“. Verhandelt habe man seit Januar intensiv mit mehreren Interessenten. Der Übergang an den neuen Besitzer soll am 1. Juli erfolgen.

Bereits Ende März hatte Philips den Löwenanteil seiner Sparte „Lumileds“ verkauft. In ihm zusammengefasst worden waren zuvor die LED-Produktion und jene von Leuchtmitteln für Autoscheinwerfer. In diesem Bereich arbeiten in Aachen noch rund 1300 Mitarbeiter. 80,1 Prozent der Philips-Anteile übernahm eine chinesisch-amerikanische Investorengruppe namens „Go Scale Capital“ – für Philips eine Milliardeneinnahme. Allerdings hat sich der neue Herr im Haus bislang zumindest offiziell nicht zur Zukunft des Standorts Aachen und somit auch nicht zu den Arbeitsplätzen geäußert.

Was wird aus Halogen?

Damit immer noch nicht genug: Verkauft werden soll in den kommenden Monaten auch noch die Maschinenbausparte. Sie heißt heute „Philips Innovation Service Aachen“ (PInS Aachen) und entwickelt laut Philips „innovative Fertigungsprozesse und setzt diese in kundenspezifische Produktionsanlagen um“. Zunächst wurden die Maschinen für die Lampenproduktion selbst entwickelt, bevor auch andere Geschäftsbereiche von Philips und externe Kunden dazukamen. Laut IG Metall arbeiten in diesem Bereich derzeit noch knapp 90 Beschäftigte, 2005 seien es noch fast 170 gewesen.

Von Philips bleibt dann in erster Linie noch die Produktion von Halogen-Lampen für den Haushalt. Doch auch diese sind ein Auslaufmodell. Ihr Verbot durch die EU, das eigentlich 2016 kommen sollte, wurde zwar zunächst noch einmal verschoben. Doch dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis dies doch noch verhängt wird.

Dann wäre von der einst so ruhmreichen Aachener Philips-Geschichte, die vor dem Zweiten Weltkrieg mit der Produktion von Radios begann, nichts mehr übrig. Zumal die jetzigen Vorgänge auch stark an das Aus der Bildröhren- und Glasproduktion vor etwas mehr als zehn Jahren erinnern. Damals hatte Philips Anteile an den koreanischen Elektronikriesen LG verkauft.

Es dauerte nicht lange, bis die Bildröhrenproduktion und schließlich auch die Glasherstellung eingestellt wurde. Auch Klaus Petri räumt ein, „dass es jetzt nicht mehr das große Philips von einst“ in Aachen gebe.

Achim Schins, 1. Bevollmächtigter der IG Metall, spricht vom scheibchenweisen Abschied des Unternehmens aus Aachen, der bitter sei. Für die Gewerkschaft geht es jetzt aktuell um die Verhandlungen um einen Sozialplan und einen Interessenausgleich für die Betroffenen des OLED-Verkaufs. Auch werde man darauf drängen, dass die Tarifbindung unter dem neuen Besitzer erhalten bleibe.

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