Von Korruption und purer Gier

Von: Hanna Sturm
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Aachen. Skrupellose Banker, die ohne jegliche Moral ihr Ziel verfolgen: Sie schrecken dabei vor geschmacklosen Schwindeleien genauso wenig zurück wie vor Mord. Und wenn es am Ende bergab geht, dann zahlt der Staat die Schulden. Obwohl diese Vorwürfe brandaktuell klingen, sind sie doch schon einige Jahrzehnte älter.

Der 1921 geborene Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt entwarf dieses Bild einer wahren „Gangsterbank” 1959 in „Frank der Fünfte - Komödie einer Privatbank”. Macht, Korruption und Geldgier sind die zentralen Themen dieses Stückes, in dem auf groteske Weise Tragik und Komik miteinander verbunden werden.

Gottfried, das Weichei

Ein halbes Jahrhundert nach der Uraufführung bringt das „Theater Tacheles” mit „Frank der Fünfte” ein Stück auf die Bühne, das vielleicht aktueller ist als je zuvor. Erzählt wird die Geschichte von Gottfried Frank (Richard Gutermuth), in fünfter Generation Direktor einer Privatbank, die über die Jahrhunderte hinweg mit klassischen Gangstermethoden ein riesiges Vermögen angehäuft hat. Gottfried ist allerdings zu schöngeistig und verweichlicht, um sich auf dem Finanzmarkt zu behaupten.

Schmierig und aalglatt

So verharrt sein Führungsstil in traditionellen, aber veralteten Gaunereien: Neue Kunden werden von der Edelprostituierten Frieda Fürst (Sabine Schäfer) oder dem Personalchef Richard Egli umgarnt, den Schauspieler Tali Azemi herrlich schmierig und aalglatt darzustellen weiß.

Trotz all dieser Anstrengungen geht es mit der Bank immer schneller bergab. Um dem drohenden Bankrott zu entgehen, täuscht Gottfried Frank seinen Tod vor, und auch das Ableben seiner Gattin ist schon geplant.

Die Bank soll liquidiert werden, und „der Staat übernimmt die Schulden”. Soweit der Plan der ehrgeizigen Bankdirektorin (Marion Bylaitis). Doch beide haben die Rechnung ohne ihre Kinder gemacht. Angeblich unschuldig und unwissend sollten sie einmal ein anderes Leben führen als das ihrer Eltern.

In Wahrheit haben Bruder und Schwester die Übernahme der elterlichen Bank schon geplant, und ihre Methoden sind alles andere als antiquiert.

Bleibt ein prima Fazit: Das „Theater Tacheles” hat in Zusammenarbeit mit der Theaterpädagogin Katrin Bremer eine moderne Inszenierung von „Frank der Fünfte” auf die Bühne gebracht, in der sowohl die komischen, als auch die kritischen Aspekte voll zur Geltung kommen, und ganz automatisch Vergleiche zur aktuellen wirtschaftlichen Lage und gesellschaftlichen Debatte gezogen werden.

Das Theater Tacheles spielt sein aktuelles Stück „Frank der Fünfte - Komödie einer Privatbank” von Friedrich Dürrenmatt an folgenden Terminen in der Klangbrücke Aachen, im alten Kurhaus: Donnerstag, 12. November, Freitag, 13. November, und Samstag, 14. November, jeweils 20 Uhr.

Zusätzlich gibt es an noch eine Matinee-Veranstaltung am 15. November, die um 10 Uhr mit einem Frühstück beginnt, an das sich um 11 Uhr die Aufführung anschließt. Karten sind in der Klangbrücke erhältlich. Weitere Infos gibt es unter http://www.theater-tacheles.de

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