„Von einer Reduzierung der Szene kann keine Rede sein”

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Selbst Friedrich III. schaut - stoisch, mit buchstäblich eisernem Blick - in eine ungewisse Zukunft. Immer noch.

Böse Zungen behaupten inzwischen, der 90-Tage-Kaiser halte Ausschau nach einem neuen Standort - entweder für sein Reiterdenkmal oder eben für die berühmt-berüchtigte „Szene” der Süchtigen und Prostituierten, die sich um das steinerne Monument herum weiter ausbreitet wie eine kranke Krake.

So lautet nicht nur der Befund der Bürger von der Initiative Kaiserplatz. Und dies, obwohl die Politiker immer wieder gebetsmühlenartig beteuert haben, auch das weitere Umfeld der Suchthilfeeinrichtungen im Schatten von St. Adalbert müsse von herumhängenden und pöbelnden Trinkern „nachhaltig entlastet” werden.

Abhilfe scheint indessen auch zwei Jahre nachdem die schwarz-grüne Ratsmehrheit das Zepter übernommen hat, keineswegs in Sicht. So kamen die Mandatsträger auch in der jüngsten Sitzung des zuständigen Ratsausschusses nicht über Willenserklärungen hinaus.

„Von einer Reduzierung der Szene kann jedenfalls keine Rede sein”, resümierte Ausschussvorsitzende Rosa Höller-Radtke lakonisch. Statt dessen uferten die Zustände auch an den Bushaltestellen Richtung Stiftstraße, am Willy-Brandt-Platz und am Bushof weiter aus, kritisiert Volkmar Klein, Vorsitzender der Initiative.

Da nütze auch das jüngst in den einschlägigen Gremien des Städteregionstages und im städtischen Ausschuss vorgestellte Konzept zur „Neuaufstellung” der Hilfsstrukturen für Schwerstabhängige wenig. „Das haben wir jetzt sogar schriftlich”, empört sich Klein mit Blick auf das fast 60-seitige Papier des städteregionalen Gesundheitsamtes.

Jetzt - mehr als anderthalb Jahre nach der Verbannung der Junkies aus dem unmittelbaren Eingangsbereich von Café Relax und Konsumraum - wird dort schlichtweg konstatiert, „dass die von der Drogenszene ausgehenden Umfeldbelastungen in keinem ursächlichen Zusammenhang mit den Hilfseinrichtungen stehen”. Ergo sei „nicht zu erwarten, dass sich die Situation relevant verbessert, wenn man die Hilfseinrichtungen vom Kaiserplatz an einen anderen Ort verlegt”.

Wie berichtet, soll der Konsumraum zum Jahresende dicht gemacht werden; eine geeignete Alternative zur Neuansiedlung der übrigen Beratungseinrichtungen gibt es aber nach wie vor nicht. „Und die Stadt”, schimpft auch Rechtsanwältin Heidi Meessen-Jeglin, die mit ihrer Kanzlei seit Jahr und Tag an der Heinrichsallee residiert, „unternimmt praktisch nichts - obwohl wir sie immer wieder auch schriftlich dazu aufgefordert haben”.

Zwar sei seitens des Ordnungsamts wiederholt betont worden, dass die Behörden seit Jahresbeginn hunderte von Einsätzen aufgrund einschlägiger Beschwerden rund um den Kaiserplatz geleistet hätten. „Aber was soll uns das bringen, wenn sich nichts wirklich ändert. Wir haben das Gefühl, dass wir einfach nur immer weiter vertröstet werden.”
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