Von der Wand direkt ins Wohnzimmer

Von: Ines Kubat
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Beim Aufbau der „ArtConnection“ helfen auch zwei Flüchtlinge des Kinderheims Maria im Tann: Oualid Mekkaooi (l.) und Presley Osagiede (r.) Organisiert wird der Kunstmarkt von Nikos Geropanagiotis (2.v.l.) und Mano Koch-Geropanagiotis (2.v.r.) von „Later is Now“. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Gleich mehrere freiwillige Helfer sind an diesem sonnigen Donnerstagmorgen spontan an der Aula Carolina aufgeschlagen. Sie alle waren gekommen, um den Kunstmarkt „ArtConnection“ aufzubauen, der heute Abend seine Vernissage feiert. Während die einen sich noch um die richtige Beleuchtung kümmerten, waren die anderen schon damit beschäftigt, die ersten grauen Platten an die Wände zu hängen.

40 an der Zahl sollten es am Ende sein: für jeden Künstler genau eine Platte. Diesen einen Quadratmeter können die Künstler mit ihrer Kunst füllen, maximal neun Werke dürfen sie zum Kauf anbieten.

So werden heute Abend ab 19.30 Uhr knapp 360 Bilder in der Aula Carolina zu sehen sein. Und wenn alles gut läuft, werden am Sonntagabend die meisten grauen Platten wieder blitzblank an der Wand hängen: Denn das Besondere an der „ArtConnection“ ist, dass die Besucher die Bilder sofort von der Wand abnehmen, damit an die Kasse spazieren und sie noch am selben Tag bei sich zuhause aufhängen können.

Vergleichsweise Schnäppchen

Jedes Bild – egal von welchem Künstler, egal welcher Größe – kostet 210 Euro. Ein Preis, der häufig weit unter dem Wert liegt, den die Künstler sonst für ihre Werke verlangen. Die relativen Schnäppchen haben ihren Grund: „Wir wollen einen niedrigschwelligen Zugang auch für die Leute schaffen, die bislang nicht so viel Kontakt zur Kunst haben“, sagt Mano Koch-Geropanagiotis. Sie gehört zum Aachener Kunstförder-Label „Later is Now“, das die „ArtConnection“ bereits zum zweiten Mal ehrenamtlich organisiert. Charmant sei an dem Konzept, dass man als Besucher für vergleichsweise wenig Geld ein Original-Kunstwerk bekommt, schwärmt Mano Koch-Geropanagiotis.

Und das sehen offenbar auch die Besucher so: Die Resonanz und Kauflust sei schon beim letzten Mal sehr groß gewesen. „Ein Künstler war nach nur sieben Minuten ausverkauft“, erinnert sich Nikos Geropanagiotis, ebenfalls von „Later is Now“.

Zu sehen sei ab heute zeitgenössische Kunst aller Art: Von Illustrationen über Porträts bis hin zu Streetart. Ein Highlight, so Geropanagiotis, seien die Werke von Marlin Flu, einem verstorbenen Künstler aus Schleiden.

Flu wurde wie 39 weitere Künstler von einer unabhängigen Jury von Kunstkennern ausgewählt - und zwar aus knapp 110 Bewerbungen. Manche Teilnehmer kommen von weiter her, etwa aus Berlin oder Griechenland – der Großteil stamme aber aus der Region, erklärt Mano Koch-Geropanagiotis. Darunter auch bekannte Namen aus der Region wie Alex Elsen, Detlef Kellermann und Ela Schwartz.

Für den guten Zweck

Die Teilnehmer verdienen bei der „ArtConnection“ nicht nur Geld, sie geben auch etwas zurück: Denn ein Drittel jedes verkauften Bildes geht nicht an die Kuratoren der Ausstellung, sondern an das Kinderheim Maria im Tann, das vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ein Zuhause gibt. „Wir wollten mit dem Geld in erster Linie junge Menschen unterstützen. Und zwar insbesondere diejenigen, die es zusätzlich schwer haben im Leben“, sagt Nikos Geropanagiotis. Umso schöner sei es, dass ihr Geld bei „Maria im Tann“ für die Talentförderung der Jugendlichen im musischen Bereich eingesetzt werde. 7770 Euro kamen bei der ersten „ArtConnection“ für das Kinderheim zusammen.

Mano Koch-Geropanagiotis hofft, dass auch diesmal alles reibungslos klappt. „Es ist immer wieder aufregend“, sagt sie und schaut sich in der großen Halle um. Im Hintergrund arbeiten die Helfer weiter daran, dass alles bereit ist, wenn die Künstler mit ihren Werken vor den Toren der Aula Carolina stehen. Mit von der Partie sind auch die beiden Jungs Presley Osagiede und Oualid Mekkaooi, zwei junge Flüchtlinge, die bei „Maria im Tann“ wohnen. „Sie waren sofort von der Idee begeistert und haben direkt ihre Hilfe angeboten“, sagt Nikos Geropanagiotis.

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