Von der Höhlenmalerei bis zum 3D-Kino

Von: Günter H. Jekubzik
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Starten durch in eine neu Kino
Starten durch in eine neu Kino-Ära: Das Apollo-Team mit (v.l.) Simon Kluge, Walter Render (hinten), Hans Peter Coenen und Christoph Karinowsky zeigt heute mit „Die Höhle der vergessenen Träume” erstmals einen digitalen 3D-Film. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Zukunft des bewegten Bildes ist in der Milchstraße angekommen und das kurioserweise mit Höhlenzeichnungen! Am Donnerstag zeigt das Apollo 1 mit Werner Herzogs „Die Höhle der vergessenen Träume” den ersten digitalen 3D-Film des angestammten Arthouses am Ponttor.

Ist es ein großer oder ein kleiner Schritt für die Kino-Menschheit? Hans Peter Coenen, der zusammen mit Walter Render das Apollo und das Capitol am Seilgraben leitet, erinnert sich noch gut an das Erlebnis seines ersten 3D-Films, James Camerons „Avatar”: „Mir war mir klar, welche bahnbrechende und zukunftsweisende Technik ich hier erlebe.

Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Dimension.” Gewichtige Worte von jemandem, der seit Jahrzehnten Kino macht, in fast prähistorischen Filmtheater-Zeiten mit Movie, Diana und Atlantis. Ganz weit zurück geht es auch mit dem Premierenfilm für das 3D-Kino in die Vergangenheit.

„Die Höhle der vergessenen Träume” entführt in die Chauvet-Höhle im Süden Frankreichs, die mit ihren 30.000 Jahre alten Höhlenzeichnungen die ältesten künstlerischen Werke der Menschheit konserviert hat. Für dieses Zusammentreffen von in Holzkohle gezeichneten Nashörnern, Bisons und Löwen mit der 3D-Technik hat das Apollo-Team in den letzten Wochen schwer gearbeitet.

Denn „man erlebt den Film in all seinen Details, ohne diese 3D-Aufnahmen würde man nicht das Gefühl haben, selbst in die Höhle hinab zu steigen”, so Coenen. Seiner Meinung nach kann 3D auch für Filmkunstfilme perfekt angewendet werden, wie auch der Tanzfilm „Pina” von Wim Wenders zeigte. Neben „Pina” ist ab heute der Kinderfilm „Wickie auf großer Fahrt” in digitalem 3D zu sehen.

Die neue Dimension hat jedoch ihren Preis: „Bei circa 100.000 Euro Modernisierungskosten pro Vorführraum muss der Kinobetreiber erst einmal mit 50 Prozent Eigenanteil diesen Umbau finanzieren. Die restlichen 50 Prozent setzen sich aus Förderungen der FFA beziehungsweise der Filmstiftung NRW zusammen.” Die Vorführräume müssen dafür aufwendig umgebaut werden, „da auf einen sauberen und klimatisierten Arbeitsplatz besonders Wert gelegt wird”.

Die Vorführer freuen sich auch aus anderen Gründen über die technische Revolution: „Einer herkömmlichen 35mm-Kopie mit mindestens 25 Kilogramm Gewicht stehen nun nur 250 Gramm einer Festplatte gegenüber!” Dafür würde allerdings auch aus dem Beruf des Filmvorführers der des Hardware- beziehungsweise Softwaretechnikers. Digitale Anfangsprobleme etwa mit Sicherungs-Passwörtern, die nicht rechtzeitig kamen oder nicht funktionierten, gäbe es nicht mehr. Außerdem würde eine 24 Stunden-Hotline für Probleme zur Verfügung stehen.

Noch im November sollen auch die Säle 2 und 3 des Apollo umgerüstet werden. Danach bleibt dem Kino ein einziger 35mm-Analogprojektor erhalten. Wie sich das Angebot an Filmen entwickelt, ist in der Branche noch umstritten. Teilweise wird vor einer reinen Digitalisierung gewarnt, sogenannte „Hybrid-Kinos” sollen die Vielfalt auch an alten Filmen erhalten. Vielfalt ist für die Filmkunsttheater Apollo und Capitol besonders wichtig, wie auch die Programmprämien von Bund und NRW Jahr für Jahr belegen. Der große Anteil an deutschen und europäischen Filmen, die hier zu sehen sind, stammt oft von kleineren Filmverleihern.

Für 2009 wies „Europa Cinemas” der Europäischen Union den fünf Sälen eine erstaunlich hohe Quote von 73 Prozent europäischer Filme nach und belohnte diesen Kultur-Einsatz zur europäischen Verständigung mit 20.000 Euro. 45 Prozent waren außerdem keine deutschen Filme. So ergibt sich in der Stadt ein gutes Zusammenspiel von „Arthouse” und dem Mainstream der Konkurrenz: Die größere Kino-Gruppe Aachens zeigt in Cine-Karree und Eden schon seit mehr als einem Jahr digitale 3D-Filme und diese Möglichkeit wird ausgebaut: Dort sollen bis Februar noch elf weitere Säle mit digitalen Projektoren ausgestattet werden, wie Theaterleiter Daniel Grotensohn mitteilte.

Dann sind auch die hiesigen Kinos des Alsdorfer Betreibers Leo Stürtz (Cinetower) komplett auf dem neuesten Stand. Die 35mm-Geräte sollen aber noch stehenbleiben, um weiterhin das Angebot kleinerer Verleiher zeigen zu können.
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