Vom Roma-Flüchtling zur Anwältin

Von: acb
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Lebenslauf von Nizaqete Bislimi ist mehr als ungewöhnlich: Mit 14 wird das Roma-Mädchen samt Mutter und Geschwistern während des Kosovo-Kriegs 1993 außer Landes gebracht.

Die neue Heimat der Familie Bislimi: Deutschland. Vor ihr sollten 13 Jahre Unsicherheit liegen, denn täglich droht die Abschiebung. Der Vater muss jahrelang getrennt vom Rest der Familie leben.

Schnell merkt Nizaqete, dass sie das schlechteste Los gezogen hat, denn sie ist nicht nur ein unwillkommener Flüchtling, sondern auch noch Roma. Sie beginnt, ihre Herkunft zu leugnen, schämt sich dafür. Doch diese Scham wandelt sich mit der Zeit in Wut – und diese Wut über die vermeintliche Schwäche in eine ungeahnte Stärke. Vom Asylbewerberheim aus fast sie einen Entschluss: „Ich möchte Anwältin werden!“ Und auch wenn niemand an das Mädchen glaubt, hat sie es geschafft, denn inzwischen kämpft sie als Anwältin selbst für das Bleiberecht von Asylbewerber.

Gegen alle Wahrscheinlichkeit

Diese ergreifende Geschichte hat die heute 36-jährige in dem packenden Buch „Durch die Wand - Die Geschichte eines Aufstiegs gegen alle Wahrscheinlichkeit“ niedergeschrieben. Daraus gibt es heute um 20 Uhr in der Citykirche an der Großkölnstraße eine Lesung. Schauspielerin Annette Schmidt, die aus Bislimis Buch vorlesen wird, ist während dessen ein wahrer Fan geworden: „Ich musste mir für die Lesung einige Teile aus dem Buch auswählen, die ich vortragen möchte. Dadurch lernt man Frau Bislimi natürlich kennen. Sie ist eine richtige Powerfrau, voller Kraft und Durchhaltevermögen.

Auf ihrem Weg durchbricht sie immer wieder Mauern, die sich vermeintlich um sie geschlossen haben.“ Auch Martin Pier vom Büro der Regionaldekane und Ingeborg Heck-Böckler von Amnesty International, beide Mitkoordinatoren der Save-me-Kampagne, sind vom Schicksal der Anwältin sehr bewegt. „Meistens bekommt man die Geschichten der Betroffenen gar nicht so nah mit. Durch das Buch hat man aber mal einen Einblick von der anderen Seite“, sagt Ingeborg Heck-Böckler.

Für den musikalischen Rahmen sorgt die Künstlergruppe „Mah-e Manouche“ (Mond der Zigeuner) mit verzaubernder Weltmusik. Sasan Azodi: „Wir werden versuchen wie Filmmusik zu kontrastieren und zu unterstreichen, dennoch steht natürlich der Text im Vordergrund.“ Der Eintritt ist frei.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert