Aachen - Vom neuen Residieren in alten Quartieren

Vom neuen Residieren in alten Quartieren

Von: Matthias Hinrichs
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Prima leben hinter prächtigen Fassaden: Sanierte Albauten, wie hier im Frankenberger Viertel, sind weiter Foto: Plitzner

Aachen. Umwälzende Veränderungen stehen dem Aachener Grund und Boden beileibe nicht nur durch Legionen von Baggerschaufeln ins Haus. Man muss kein Wissenschaftler sein, um diese These aufzustellen. Anders sieht das schon aus, wenn´s darum geht, die strukturellen, sozialen, technischen Voraussetzungen und Konsequenzen in den Blick zu rücken.

Tausende hochkarätige Arbeitskräfte sollen im Zuge des Megaprojekts namens Campus ins Dreiländereck gelotst werden. Um sie langfristig zu halten, braucht es mehr als ideale fachliche Bedingungen. Wo - und wie - sollen und wollen die Neu-Aachener wohnen, wenn die Labore und Werkstätten in den RWTH-Hochburgen angekommen sind? Jedenfalls nicht mehr in erster Linie nach dem „klassischen” Bild vom typischen Heim des gut situierten Akademikers - sagt Professor Dr. Volker Eichener.

Der Rektor der privaten EBZ Business School Bochum muss es wissen: Soeben hat der Sozialwissenschaftler eine Studie vorgelegt, die auf Befragungen in rund 1500 Haushalten in ganz Deutschland basiert. Auf Einladung der Initiative Aachen stellte er jetzt wesentliche Ergebnisse vor. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema „Innovatives Wohnen am Wissenschaftsstandort Aachen”, die von unserem stellvertretenden Chefredakteur Bernd Büttgens moderiert wurde, referierte Eichener vor zahlreichen Interessierten im S-Forum der Sparkasse.

Nicht von ungefähr stellte er das Zentrum der Stadt dabei auch in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. „Das traditionelle Heim im Grünen ist nicht mehr gefragt”, sagt er. Rund drei Viertel der Deutschen bevorzugten inzwischen ein Quartier mit kurzen Wegen Richtung Arbeit und Freizeitvergnügen. „Schon aus Platz- und Kostengründen nutzt die Architektur heute die Vertikale viel mehr.”

Will heißen: Vor allem das sogenannte „Townhouse” in ruhiger, aber eben zentraler Lage, hat es den (führenden) Kräften des Arbeitsmarkts angetan. Mehrere Varianten nimmt Eichener dabei ins Visier: das moderne Reihenhaus, bei dem die Garage platzsparend im Souterrain untergebracht ist und das statt eines großen Gartens auf jeder Etage über eine Terrasse verfügt, und das Penthouse, also die zweigeschossige Wohnung auf dem Dach, die über einen separaten Zugang verfügt. Nach wie vor gefragt sei zudem die gediegene Altbauwohnung - sofern sie einen „nicht hierarchischen” Grundriss aufweist: „Besonders begehrt sind Loftwohnungen, die aus einem großen Raum mit Kochnische bestehen, und solche, deren Zimmer möglichst gleich groß sind”, erläutert der Experte.

Gleichwohl müssten letztlich auch neue Kapazitäten in Sachen anspruchsvolles Logieren geschaffen werden. Eichener schwärmt in diesem Zusammenhang von „urbanen Oasen” wie dem vor wenigen Jahren entstandenen „Barbarossapark” zwischen Pontstraße und Seilgraben: „Hätte man dort Loftwohnungen gebaut - die Leute hätten sich darum gerissen.”

Entsprechend fallen die Postulate des Professors in Sachen Wohnungsbau der nahen Zukunft aus. „Es gibt eine Vielzahl von Altbauten in Aachen, die mit luxuriösem Anspruch saniert werden können. Es gibt Möglichkeiten, Nachkriegshäuser durch potente Investoren abreißen und an ihrer Stelle attraktive Neubauten zu errichten. Es gibt die Option, auf dem Campus selbst hochwertige urbane Wohnzentren zu schaffen.” Und: „Natürlich schließen alle diese Strategien einander keineswegs aus.”

Verschiedene Szenarien für eine nachhaltige Schaffung geeigneter Angebote auf dem Wohnungsmarkt nimmt auch die Stadt daher jetzt verstärkt in den Blick - für alle Zielgruppen: Am Freitag stellte OB Philipp im Rathaus konkrete „Handlungsanweisungen” für die kommenden zwei Jahrzehnte vor.
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