Vom Groschengrab in den Parkhimmel

Von: Robert Esser
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Aachen. Das Groschengrab ist längst beerdigt. Zehn Pfennig warfen Autofahrer bis 1982 für 30 Minuten in die Parkuhr ein. 1983, also vor 27 Jahren, explodierte der Preis um 500 Prozent. Dann waren 50 Pfennig für den halbstündigen Stellplatz am Straßenrand zu berappen.

Ein Aufschrei wie damals wird 2011 wohl nicht durch die Kaiserstadt hallen, wenn Verwaltung und Politik Pläne umsetzen, nach denen die Gebühren für die sogenannten bewirtschafteten Parkplätze steigen sollen. 860 solcher Stellplätze gibt es innerhalb des kaiserstädtischen Grabenrings in der Tarifzone 1.

Lehrer sollen zahlen

Oberbürgermeister Marcel Philipp denkt aber nicht nur an eine Erhöhung der Parkgebühren. Er betonte im AZ-Gespräch, dass er mehr Arbeitnehmer zum Busfahren per Jobticket animieren möchte. Und Philipp hob hervor: Die Gebühren an hiesigen Parkscheinautomaten seien deutlich niedriger als in vergleichbaren Städten. In Zeiten knapper Haushaltskassen müsse deshalb nachjustiert werden, hieß es.

In der Tat: Stichproben der AZ im Tarifdschungel der Parkgebühren - die sich je nach Zentrum, Randlagen, Wochentagen und Tageszeiten erheblich unterscheiden - ergaben, dass Aachen günstiger an der Bordsteinkante parken lässt als andere Städte.

Verglichen wurde der Preis pro Stunde im Stadtzentrum, werktags, tagsüber: In der Aachener Tarifzone 1 kosten die ersten 20 Minuten 30 Cent. Danach sind für je drei weitere angefangene Minuten 5 Cent fällig - ergibt knapp einen Euro pro Stunde. In Düren kostet die gleiche Zeit 1,20 Euro, in Düsseldorf 1,50 Euro, in Köln zwei Euro und im Zentrum von Maastricht sogar 2,60 Euro. Als teurere Parkstädte gelten zudem beispielsweise Stolberg, Eschweiler, Münster, Mönchengladbach, Krefeld und auch Mainz. Sogar im Billigbenzinland Luxemburg muss man mehr für einen Parkplatz bezahlen als im Öcher Westzipfel.

Besonders billig - nämlich kostenlos - parken in Aachen zum Beispiel Lehrer städtischer Schulen, die teilweise ihre Karossen gratis auf den Schulhöfen abstellen können. Weil sie dies natürlich nicht dazu animiert, per Jobticket auf den Bus umzusteigen, will die Stadtverwaltung umsteuern. Dass Lehrer künftig 30 Euro pro Parkplatz zahlen, hält nicht nur OB Philipp für eine faire Lösung.

Nicht zur Debatte steht dem Vernehmen nach eine Erhöhung der Apag-Parkhausgebühren (Einnahmen 2009: 8,8 Millionen Euro). Denn die fallen mit zwei Euro pro Stunde jetzt schon happiger aus als in Nachbarstädten. Düren verlangt wie Düsseldorf nur einen Euro pro Stunde, in Köln sind 1,80 Euro fällig, in Maastricht noch einmal zehn Cent mehr.

Und da Aachens Verwaltungsspitze und die meisten Ratspolitiker weiterhin innerstädtische Parkplätze am Straßenrand im Zuge von Sanierungsmaßnahmen - wie zuletzt an der Kleinkölnstraße - streichen, will man die autofahrende Klientel mit sanftem Preisdruck ins Parkhaus schieben. Da wären höhere Preise kontraproduktiv. Nicht so am Straßenrand - obwohl geschätzt wird, dass die Chance, ohne Ticket ein Knöllchen zu kassieren, parksündergünstig bei 1:3 steht.
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