Vollgas fürs Forum statt Angst vor Leere

Von: Matthias Hinrichs
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„Die Leere füllen, um andere Zusammenhänge zu schaffen”: Die neue Museumsdirektorin Brigitte Franzen will den Zugang zur modernen Kunst im Ludwig Forum auch im Wortsinnn ganz neu gestalten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nein, Angst vor der Leere plagt sie kein bisschen. Und von kreativem Vakuum kann eh´ keine Rede sein. Im Gegenteil. „Auch das Ausstellungsprogramm fürs nächste Jahr ist so gut wie fertig”, sagt Brigitte Franzen mit einem Lächeln, das man irgendwo zwischen verwegen und verlegen einordnen möchte.

Schließlich ist die Frau gerade mal einen Monat im Amt. Derzeit allerdings könnte man auch ein kleines Hallenturnier für Ball- statt bildende Künstler im Ludwig Forum veranstalten - wäre da nicht die berühmte Mulde, die ebenso blitzblank unterm Sheddach glitzert wie die gesamte riesige Kunsthalle im Erdgeschoss der alten Schirmfabrik: leer gefegt fast bis auf den letzten Quadratzentimeter.

Das Sprichwort von den neuen Besen, die gut kehren, drängt sich da halt auf - obwohl die frisch gebackene Museumschefin wahrlich alles andere als spröde und gespreizt daher kommt, sondern mit gewinnendem Charme und sichtlichem Spaß über erste Herausforderungen zu berichten weiß.

Bevor am 5. April die große „Pop Up!”-Schau mit hochkarätigen Exponaten aus aller Welt eröffnet wird, setzt die Nachfolgerin von Harald Kunde zwangsläufig erst mal auf Kunst am Bau.

Aber keine Bange - von wegen Mulde: Die ersten (prompt heiß diskutierten) Gedankenspiele ihres Vorgängers will Brigitte Franzen nicht aus der buchstäblichen Versenkung holen. Einebnen ist für sie kein Thema. „Als Begegnungsstätte ist die Mulde ideal”, findet sie. „Ich könnte mir allerdings vorstellen, die Vertiefung bei Bedarf über mobile Bausysteme abzudecken.” Fertig.

Dafür soll der gesamte Eingangsbereich in Kürze nachhaltig umgekrempelt werden. Der runde Pavillon etwa, in dem zurzeit noch der Museumsshop untergebracht ist, wird in ein thekenförmiges Empfangsensemble integriert, das wie ein Riegel vor die große Halle platziert wird - nicht nur, um die Spannung für Besucher zu erhöhen, sondern auch, um die Orientierung zu erleichtern.

„Wir denken über neue Wegeführungen nach, so dass Ausstellungen wie Pop Up! von zwei Seiten aus logisch erschlossen werden können”, erklärt die studierte Kulturwissenschaftlerin.

Zumal die grell-subversiven Schöpfungen postmoderner Meister wie Yael Bartana, Karoe Goldt oder Annette Wehrmann sozusagen mit den berühmten Objekten von Stars der Sammlung wie Gertsch, Close, Hanson oder Kippenberger in den Dialog treten sollen.

„Wir wollen die Leere neu füllen, um andere Zusammenhänge zu schaffen”, sagt Brigitte Franzen. Die typische Architektur des frühen 20. Jahrhunderts, die das Forum präge, biete dazu in jeder Hinsicht beste Voraussetzungen.

Akustik und Lichtverhältnisse seien zudem ideal, um auch Video- und Soundinstallationen zu präsentieren, wie schon die aktuelle Schau von Aernout Mik zeige, die ebenso wie Dan Perjovschis satirische Kreidezeichnungen weiterhin im Forum zu sehen ist.

Mit diesem Pfund will Brigitte Franzen auch beim „Video Archiv Camp” wuchern, welches die „wichtigste innovative Kunstform des 20. Jahrhunderts” ab September vor Augen und Ohren führt.

Bis dahin freilich wird die große Leere längst eine kuriose Episode in der Historie des Kunsthorts an der Jülicher Straße gewesen sein. „Mitte Februar hängen wir die ersten Bilder aus der Sammlung Ludwig neu”, verspricht Brigitte Franzen. „Und schon heute kann man täglich erleben, wie sich das Forum allmählich völlig verändert.”
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