Volle Fahrt von Wagenknecht bis Karrenbauer

Von: Robert Esser und Albrecht Peltzer
Letzte Aktualisierung:
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Tonnenschwerer technischer Aufwand: Der WDR setzt die AKV-Festsitzung diesmal in kompletter Eigenregie fürs Fernsehen in Szene – der Probenaufwand für TV-Crew und Akteure ist immens. Foto: Michael Jaspers
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Vom Plagiat zum Original: Philipp Freiherr zu Guttenberg freute sich schon auf die eigene Ritterwürde.
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Bestens gelaunt: Tagesschau-Sprecher Jens Riewa hatte schon bei den Proben in Aachen riesigen Spaß.

Aachen. Achtung, Wortspiel: Wer ist besser dran – Karrenbauer oder Wagenknecht? Wie abgefahren. Tusch und Alaaf! Wer mit welchem Witz beim Publikum ankommt, können aber weder die Linken-Spitzenpolitikerin Sahra Wagenknecht noch die designierte Ritterin Annegret Kramp-Karrenbauer nach der Generalprobe sagen.

Die Linke, weil sie sich gestern kaum in Aachen sehen ließ; die CDU-Ministerpräsidentin, weil „es schon etwas anderes ist, im saarländischen Dialekt ein Heimspiel zu haben, als hier in Aachen im Narrenkäfig zu stehen“, wie der Gast aus Saarbrücken durchaus angespannt vor dem finalen Durchlauf einräumt.

300 Leute machen Wirbel

Zahlenmäßig sind die Aachener jedenfalls am Vorabend der AKV-Festsitzung „Wider den tierischen Ernst“ im Eurogress klar überlegen. Donnerstag und Freitag wird geprobt, was das Zeug hält. Einmarsch, Ausmarsch, Zwischenmoderation. Hunderte Scheinwerfer sind zusätzlich im Europa-Saal installiert, sechs TV-Kameras zoomen und senden. Rund 300 Leute wirbeln vor und hinter den Kulissen. Natürlich alles nur probeweise.

Was sich am Samstag ändern wird. Dann fokussieren die Kameralinsen vor allem bundesweit bekannte politische Schwergewichte wie Karrenbauer, Wagenknecht, Julia Klöckner und – gewissermaßen als Quotenmann im Programm – auch FDP-Parteichef Christian Lindner.

Der Vorjahresritter ist als Laudator gesetzt. Er verbuchte bei seiner brillanten Rede 2014 bis zu 4,27 Millionen Fernsehzuschauer. Zur Freude der ARD kletterte der Marktanteil damit auf 22,7 Prozent. Ähnliche Traumquoten peilen nun nicht nur die Liberalen, sondern auch die Aachener Karnevalisten an. Wahrscheinlich mit unterschiedlichem Erfolg.

Die Fernsehmacher und der Aachener Karnevalsverein setzen auf drei Blöcke. Erstens: regionale Kräfte. Der 23-jährige Aachener Comedian Malte Pieper (mit ZDF-Heute-Show-Erfahrung), das Erkelenzer Musik-Parodie-Duo Et Zweijestirn, die Öcher Stimmungsgaranten 4 Amigos, der Sound‘n‘Soul-Gospelchor mit Dirk von Pezold als Lennet Kann, Sängerin Nicole Malangré mit Lateintanzformation Aachen-Düsseldorf und AKV-Ballett, das 18-jährige Gesangstalent Nicolas Meessen aus Ostbelgien, De Pöngche Ulrich Havermann und Dirk Chauvistré sowie Prinzen, Garden und Gefolge stehen auf dem Programm – und fast vollzählig bei der Generalprobe parat.

Exakt eine Stunde lang ist Journalisten ein Blick in die Probe erlaubt – „eine Vorgabe der aufzeichnenden Fernsehanstalt“, wie der AKV formell betont. Erstmals seit Jahren filmt, schneidet und sendet der Westdeutsche Rundfunk die AKV-Show nämlich ohne externe Produktionsfirma in Eigenregie.

So bleibt – zweitens – der Presse verborgen, was TV-Komikerin Lisa Feller (unter anderem Auftritte bei „TV Total“, „Quatsch Comedy Club“), der Nürnberger Kabarettist Oliver Tissot, der nach eigener Auskunft „weltbeste Bauchredner“ Tricky Niki und Comedian Ingo Appelt vor 1250 Gästen im Saal und Millionen TV-Zuschauern zum Besten geben wollen.

Nur so viel ist klar: Markus Maria Profitlich besteigt erneut als Karl der Große den Thron. Inwiefern der AKV im Jahr der Reitsport-Europameisterschaften in Aachen – wie vorab als Leitmotto verkündet – Nummern „zum Wiehern“ liefert, wird man sehen. Zur Generalprobe stand zumindest CHIO-Maskottchen Karli schon am Bühnenrand zum Sprung bereit.

Neben Karrenbauer („Vielleicht hatte der AKV Angst, mit mir alleine nicht zurecht zu kommen.“) wird des Ministerbruders Knappe Philipp Freiherr zu Guttenberg am Samstagabend offiziell in den Ritterkonvent aufgenommen – ein Dankeschön für dessen brillante Auftritte in Aachen. „Das passt schon zusammen. Ich freue mich sehr für Philipp, er hat es auf jeden Fall verdient“, lobt Karrenbauer die überraschende Doppelritter-Idee des AKV. Was zu Guttenberg umso mehr freut: „Vom Plagiat zum Original. Das ist die größte karnevalistische Ehre, die man sich vorstellen kann“, strahlt er.

Derweil mühen sich die Akteure bei der Generalprobe, auf der Bühne so beschwingt und natürlich zu begeistern, als wäre der Saal bereits voller Publikum. Das fällt zuweilen schwer. Auch weil die Kameraleute bei der einen oder anderen Nummer wie von Geisterhand plötzlich die Filmarbeit niederlegen, während die Künstler im bunt blitzenden Rampenlicht wie jeck weitermachen.

Was so manchen Rückschluss auf die Programmpunkte zulässt, die es auf keinen Fall in den WDR-Zusammenschnitt und am Montag ins ARD-Programm schaffen. Nur 105 von 210 Minuten Live-Show können gesendet werden. Jede zweite Minute fällt weg.

Tagesschau-Moderator Jens Riewa ist Kurznachrichten gewöhnt. Der Profi zeigt sich neben seinen bestens aufgelegten Co-Moderatoren der Ordensverleihung – AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil und Vize Rolf Gerrards – schon am Freitag in Topform. In brachialen Bergsteigertretern stiefelt er durch die Generalprobe der Lackschuhkarnevalisten. Und hat jede Menge Spaß – vor allem Vorfreude auf die dritte Programmgruppe: die Politiker.

„Krieg der Sterne“

Als eine Statistin testweise die Linke Wagenkecht mimt, die als Prinzessin Leia aus dem Kino-Epos „Krieg der Sterne“ auf die AKV-Bühne gebeamt werden soll, und dann ein kleiner R2D2-Roboter nicht wie geplant aus der Kulisse rollt, lacht Riewa sich halb schlapp. Auf sowas fährt jeder Jeck ab. Und dann? Achtung, Wortspiel wagen: Geknechtet wird der Karrenbauer – des bockigen Robotergefährts, versteht sich. Am Samstag kommt der Gag live bestimmt auch besser...

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