Volkstrauertag: Gedenkstunde und Kranzniederlegung auf dem Waldfriedhof

Von: Julia Gröbbels
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OB Marcel Philipp (l.) bei der Kranzniederlegung auf dem Waldfriedhof: Bei der Gedenkstunde zum Volkstrauertag kamen auch aktuelle gesellschaftliche Probleme zur Sprache. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Am gestrigen Volkstrauertag gedachte man in der Aula Carolina nicht nur der Soldaten und zivilen Opfer des Zweiten Weltkrieges. Auch aktuelle gesellschaftliche Probleme kamen bei diesem Volkstrauertag zur Sprache.

Den musikalischen Auftakt bot das Orchester des St. Ursula-Gymnasiums mit dem zeitgenössischen Stück „River flies in you“ der südkoreanischen Pianistin Yiruma. Im Anschluss daran äußerten Schülerinnen und Schüler des Kaiser-Karls-Gymnasiums einige eigene Gedanken. „Das Volk trauert. Das Volk sind wir“, so die Schüler.

Der Volkstrauertag sei allerdings nicht ausschließlich ein Tag der Trauer, sondern auch des Gedenkens. Sie schlossen mit dem Appell an jeden der Anwesenden, sie sollen den Mut aufbringen, „so etwas nie wieder zuzulassen.“ Im Anschluss an einen weiteren musikalischen Beitrag der „Tempelsingers“ sprach Polizeipräsident Klaus Oelze über seine ganz persönlichen Gedanken zum Volkstrauertag und bezog dabei ganz klar Stellung zu aktuellen Formen des Rassismus. „Die Neonazis sind immer noch da. Die Polizei hindert sie mit allen rechtlichen Mitteln daran Kriegsgräberstätten zu missbrauchen“, so Oelze. Er plädierte nicht nur dafür, sich gegen Neonazis stark zu machen, damit Nazi-Aufmärsche „in der Bedeutungslosigkeit verschwinden“, sondern wies auch auf die Formen des Krieges und des Terrors hin, die sich außerhalb Deutschlands aktuell ereignen. „Auch heute sind Menschen auf der Flucht. Wir müssen uns die Frage stellen: ‚Wie gehen wir mit diesen Menschen um?’“, so Oelze.

„Flüchtlinge sind Bereicherung“

Genau wie er sieht Militärpfarrerin Sabine Reinhold den Volkstrauertag als Anlass „aus der Vergangenheit zu lernen“ und den Mut zu haben, Flüchtlinge nicht nur aufzunehmen, sondern sie als Bereicherung des eigenen Lebens anzusehen.

Auch das St. Ursula Gymnasium hat eine ganz eigene Geschichte, die es mit dem Volkstrauertag verbindet. Im Jahr 2010 fand dort eine Gedenkfeier für acht jüdische Schülerinnen statt, die nach der Reichskristallnacht 1938 der Schule verwiesen werden mussten. Mindestens eine dieser Schülerinnen wurde in Dachau ermordet. Um diesen Schülerinnen zu gedenken, spielte das Orchester das Stück „Elegy for Dachau“ von Matthew Armstrong, welches sie auch am gestrigen Tag mit einem Sologesang von Annika Brauers spielten.

Zum Abschluss der Veranstaltung bedankte sich Städteregionsrat Helmut Etschenberg unter anderem bei OB Marcel Philipp nicht nur für seine Anwesenheit, sondern auch dafür, dass er in aktuellen Fragen der Aufnahme von Flüchtlingen ganz klar Stellung bezogen hat.

Im Anschluss an die Trauerfeier fand eine Kranzniederlegung am Waldfriedhof statt. Ein Shuttleservice ermöglichte es auch Menschen, die ohne Auto angereist waren, problemlos dorthin und wieder zurück zu gelangen.

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