Vogelgrippe: Im Tierpark regiert das Prinzip Hoffnung

Von: Oliver Schmetz
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Ein idyllisches Fleckchen, aber in Zeiten der Vogelgrippe eine Schwachstelle: Tierparkchef Wolfram Graf-Rudolf an seinem Weiher, auf dem jederzeit ein infiziertes Wildtier landen kann. Foto: Michael Jaspers

Aachen. In diesen Tagen geht Wolfram Graf-Rudolf jeden Morgen als erstes mit einem flauen Gefühl im Bauch hinunter zum Weiher, dreht eine Runde und sucht mit bangem Blick Wasseroberfläche und Uferbereich ab. „Und ich hoffe jedes Mal inständig, dass ich keinen toten Vogel finde“, sagt der Chef des Aachener Tierparks.

Einmal lag dort zwar ein toter Schwan, doch nach der ärztlichen Untersuchung konnte Graf-Rudolf aufatmen. Das Tier war nicht der Vogelgrippe, sondern einem Fuchs zum Opfer gefallen. Allerdings rückt die gefährliche Seuche, die auch unter dem Namen Geflügelpest bekannt ist, fast täglich näher heran. Vorgestern wurde das derzeit grassierende H5N8-Virus in einer toten Reiherente in einem See in Dortmund nachgewiesen, bereits der vierte Fall in NRW binnen kurzer Zeit.

Zuvor waren infizierte Wildvögel in Hagen, Xanten und im Kreis Soest gefunden worden. Mancherorts im Land gilt bereits die Aufstallungspflicht, bislang jedoch noch nicht in der Städteregion, wie deren Sprecher Holger Benend am Donnerstag bestätigt. „Hier ist noch keine Infektion bekannt geworden.“ Einzig zwei Geflügelschauen sind der Vogelgrippe in Aachen bislang zum Opfer gefallen. Ein Verbot für solche Ausstellungen, Börsen und Märkte gilt bereits in ganz NRW.

Dass mittlerweile auch die ersten Zoos schließen – darunter auch ausgesprochen renommierte wie Hagenbeck in Hamburg – erfüllt den Aachener Tierparkchef nicht nur mit Mitleid mit den Kollegen, sondern mit ernsthafter Sorge. Denn einen sicheren Schutz gegen die Vogelgrippe gibt es für einen Tierpark nicht – erst recht dann nicht, wenn er wie die Aachener Anlage über einen großen Teich verfügt, an dem Wildvögel Station machen können. Zwar hat man mittlerweile aus Sicherheitsgründen die Aufnahme von Fundvögeln eingestellt und steht in engem Kontakt mit dem Veterinäramt der Städteregion, erzählt Graf-Rudolf. „Aber im Grunde kannst du gar nichts machen.“ Schließlich kann jederzeit ein infiziertes Tier im Tierpark landen.

Von der Schutzmaßnahme Stallpflicht hält der Tierparkchef auch nur bedingt etwas, weil manche Tiere enorm darunter leiden. „Der Stress ist enorm“, sagt er und hofft, dass dies seinen Pinguinen noch eine Weile erspart bleibt. Die brüten nämlich gerade. Und Graf-Rudolf hat Angst, dass er im schlimmsten Fall eine ganze Generation dieser Tiere verliert.

Für den Ernstfall, also wenn in der Städteregion die Vogelgrippe auftritt, liegt der Notfallplan schon in der Schublade. Dann werden Flamingos, Schwäne und Nandus aufgestallt, wird der Tierpark in Zonen eingeteilt, werden Desinfektionsmatten für die Pfleger ausgelegt und die großen Volieren abgedeckt. In einem nächsten Schritt stünden dann auch Desinfektionsmaßnahmen für die Besucher auf der Tagesordnung. „Aber das entscheidet jeweils das Veterinämt“, sagt Graf-Rudolf.

Sollte allerdings im Tierpark ein infiziertes Tier verenden, wird die Anlage sofort geschlossen. Anders als in einem Zuchtbetrieb würden die rund 290 Vögel aber nicht getötet, sondern allesamt untersucht. Im Moment will der Tierparkchef an dieses Krisenszenario aber lieber noch nicht denken. „Vor zwei Jahren war die Situation ähnlich. Ich hoffe dass der Kelch wieder an uns vorübergeht“, sagt er. Und wird heute Morgen wieder mit einem flauen Gefühl im Bauch seinen Weiher umrunden.

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