Virtuoser Husarenritt beim Gitarrenfestival

Von: Pedro Obiera
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„Schnee in Istanbul“: Das Eröffnungskonzert des disejährigen „Aachen Guitar Festivals“ begeisterte im Eurogress. Das Festival steht diesmal unter dem Motto „Mediterrane Klangwelten“. Foto: Ralf Roeger
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Der „Macher“ des renommierten Festivals greift zum Start selbst in die Saiten: Vicente Bögeholz

Aachen. „Mediterrane Klangwelten“ stehen im Mittelpunkt des diesjährigen „Aachen Guitar Festivals“, das bis zum 5. Juni mit einer Vielzahl an Konzerten und Meisterkursen auf Musikkulturen Kataloniens und der Türkei aufmerksam machen möchte.

 Das bringt mit sich, dass nicht nur die klassische Gitarre zu hören sein wird, sondern auch Zupfinstrumente aus der Türkei und dem Orient. „Sáz“ ist eine Art Oberbegriff für verschiedene Formen der Langhalslaute, von denen sich der Balama zum beliebtesten Instrument in der Türkei entwickelt hat. Eine Popularität, mit der es der Balama bereits zum Unterrichtsfach an mehreren nordrhein-westfälischen Musikschulen gebracht hat.

Das Neben- und Miteinander von Gitarre und Balama bestimmte das Eröffnungskonzert im mäßig besuchten Brüssel-Saal des Eurogress. Diese Mischung westlicher und östlicher Kulturen ist nicht selbstverständlich, und eins der wenigen Konzerte für beide Instrumente stammt von dem Italiener Carlo Domeniconi. Zwei Sätze aus dessen Doppelkonzert für Balama, Gitarre und Orchester waren zu hören, ausgeführt vom künstlerischen Leiter des Festivals, dem Gitarristen Vicente Bögeholz, und dem gebürtigen Duisburger Gökhan Kimverdi an der Balama sowie der Camerata Aquensis unter der Leitung von Thomas Beaujean, der am darauf folgenden Tag seinen 70. Geburtstag feiern durfte und mit seinen Musikern diese ungewohnte Aufgabe achtbar löste.

Der etwas durchdringendere, metallisch angehauchte Klang des orientalischen Instruments erschwert einen ausgeglichenen Dialog mit der weicher tönenden Gitarre.

Erst recht, wenn sich beide Zupfinstrumente gegen einen recht dicht gestrickten Orchesterklang behaupten müssen. Der Reiz beider Instrumente kam denn auch am besten in einer ausgedehnten Solo-Kadenz zum Tragen, in der die Musiker einen spannenden Dialog austrugen.

Nach der Pause begeisterte dann mit Erdal Erzincan einer der besten und berühmtesten Balama-Virtuosen der Türkei als Solist zweier „Acte“ aus dem Balama-Konzert von Cengiz Özdemir. Erzincan vollführte mit brillanter Virtuosität einen Husarenritt und demonstrierte eindringlich die vielfältigen Spieltechniken und Klangmöglichkeiten seines Instruments. Özdemirs Konzert gab dem Solisten auch reichlich Gelegenheit, sich dankbar zu präsentieren und hielt sich mit dem Orchesterpart entsprechend zurück.

Einen kleinen Vorausblick auf die katalanischen Beiträge vermittelten zum Auftakt des Eröffnungskonzerts die Flötistin Stefanie Faust und Vicente Bögeholz mit zwei kurzen Stücken des Komponisten Feliu Gasull.

Auf dem Festival vertreten ist auch Taner Akyol, dessen Konzert für Balama, Klavier, Perkussion und Orchester am 20. und 21. November zusammen mit dem Aachener Sinfonieorchester im Eurogress uraufgeführt wird.

Über die zahlreichen Angebote des „Sáz-Festivals“ sind Infos abrufbar unter www.spegtra.com.

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