Aachen - Virtuoser „Bildhauer unter visionären Dichtern“

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Virtuoser „Bildhauer unter visionären Dichtern“

Von: Eva Onkels
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Raffiniertes Spiel mit Formen und Wörtern: Der Künstler Reinhard G. Puch und die VHS-Kuratorin Dr. Claudia Franken präsentieren die außergewöhnliche Skulpturenschau im Bildungshort an der Peterstraße. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Als einen „Bildhauer unter den visuellen Dichtern“ bezeichnet Claudia Franken, Kuratorin der Studiengalerie der VHS, den in Hörstel in Westfalen geborenen Künstler Reinhard G. Puch. Puchs Arbeiten, die auch international zahlreiche Kunstkenner überzeugen konnten, werden ab sofort in der zweite Etage der Volkshochschule (VHS) am Bushof ausgestellt.

Die erste Ausstellung des Künstlers in Aachen ist gleichzeitig der Startschuss für das diesjährige VHS-Semester unter dem Motto „Immer eine gute Wahl“. Die Studiengalerie, die die Ausstellung organisiert, ist fester Bestandteil der VHS. Wer Puchs Skulpturen betrachtet, sich einlässt auf die verschlungenen, teils rätselhaften Formen, der wird sie irgendwann sehen: Die Worte, die sich darin verbergen. Die Interpretationsspielräume sind riesig.

Puchs Kunstwerk „Krone“ ist eines dieser Werke. Zunächst erinnert wenig an eine Herrscherkrone. Betrachtet man das Werk allerdings aus einer anderen Perspektive, erkennt man das Wort „mensch“ darin. Worauf bezieht sich dieses Wort, mag man fragen. Die Antwort kann nur jeder Betrachter für sich selbst finden. Zwei „Dornen“ lassen sich im Kunstwerk erkennen.

Eine Anspielung an den christlichen Erlöser Jesus Christus mit der Dornenkrone? Oder doch eher auf den mythologischen Grünen Mann oder Bacchus, den Gott des Weines und des Rausches? Wer sich etwas mehr in der germanischen Geschichte auskennt, der denkt vielleicht an die eiserne Krone der Langobarden. Und so kann man, wenn man denn möchte, den Bogen wieder zu Jesus Christus schlagen, denn angeblich ist in dieser eisernen Krone, die sich im italienischen Monza in einer Kirche befindet, ein Nagel des heiligen Kreuzes eingearbeitet.

Doch funktioniert die Betrachtung des Kunstwerks auch ohne jeglichen religiösen oder historischen Hintergrund. Denn natürlich ist auch das Wort „mensch“ ein Teil des Kunstwerkes, das man direkt mit „Krone“ in Verbindung bringen kann. Vielleicht verbirgt sich dahinter eine Anspielung auf die Menschheit als „Krone der Schöpfung“? Viele von Puchs Kunstwerken offenbaren ihre Besonderheit darin, dass man sie unterschiedlich deuten kann, je nachdem, wie man sie betrachtet. Sie reflektieren über das Verhältnis von Kunst und Literatur ebenso wie über das Material und auch über die Wahrnehmung des Betrachters. Das wird insbesondere in der rot angemalten Skulptur „rot ation“ deutlich.

Denn Rotation findet sich in diesem Werk, dass seinerseits das Wort „poesie“ abbildet, in mehrfacher Hinsicht: Es ist vielleicht anthropologisch zu deuten, wie Franken dies tut, als Abbildung des Menschen, der der Rotation der Himmelskörper unterworfen ist. Rotation war aber auch involviert, als die Skulptur geschaffen wurde, denn mit dem Erhitzen des Materials ist Rotation verbunden. An die Rotation von Druckwalzen, die benutzt werden, um Texte entstehen zu lassen, mag man ebenfalls denken. Und schließlich rotiert sogar der Betrachter des Kunstwerks, denn dieser muss sich, um das Werk in seiner Gänze zu erfassen, in Rotation um das Werk herum bewegen.

Puch, der vor seinem Bildhauerstudium an der Werkkunstschule in Köln ein Ingenieursstudium absolvierte und in der Schiffsbetriebstechnik arbeitete, beschreibt sein Atelier als „Werkstatt“. „Wenn man hineinkommt, sieht man eine Schlosserei“, sagt er. Mit Brenn-, Schleif- und Biegemaschinen, sogar einem Kran, denn die Skulpturen sind ganz schön schwer. Die schwerste bisher wog sage und schreibe 7,5 Tonnen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Oktober immer geöffnet, wenn Kurse an der VHS stattfinden.

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