Virtuose Ausflüge in die Welt der Vögel

Von: Eva Onkels
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Zauberhafte Reise in die Sphären der Vögel: Cellistin Claire Goldfarb und Puppenspieler Stephan Wunsch erzählten faszinierende Geschichten zum Aachener Abschluss von „across the borders“ im Ludwig Forum. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Vögel sind technische Tiere; Tiere, die ihr Gebautsein offen zur Schau tragen“, so lautet der Anfang eines kurzen Textes aus dem Programmheft zur „Birds on Strings“ – Eine Suite für Vögel und Cello.

Es ist nur ein kurzer Satz, der aber einiges von dem beinhaltet, was Stephan Wunsch (Marionetten) und Claire Goldfarb (Cello) vom Theater Rosenfisch in rund 60 Minuten auf die Bühne zaubern: Vögel, das Vogelskelett, das Verhalten von Vögeln und vieles mehr. Es war eine durchweg gelungene Premiere am Samstag in der Mulde des Ludwig Forums und gleichzeitig die diesjährige Abschlussveranstaltung des „across the borders“-Festivals.

Faszinierende Performance

In Kooperation mit dem vom 18. bis 27. August stattfindenden „Cultura Nova“-Festival in Heerlen (siehe auch Seite 11, Kultur) wurde die Performance nach Aachen geholt. „Birds on Strings“ ist eine auf vielfältige Weise faszinierende Performance, in der Wunsch und Goldfarb nicht Begleitung und Puppenspieler sind, sondern Darsteller, die mit dem Cello und den Marionetten nicht nur spielen, sondern sie gleichzeitig als Objekte nutzen, um althergebrachte Theaterregeln zu durchbrechen.

Neun verschiedene Vögel – wobei es sich bei einem um eine symbolische Darstellung Otto Lilienthals und bei einer anderen um den „Strandgutvogel“ handelt, der auf der Siche nach seinem eigenen Kopf ist – wurden dargestellt, jeder mit einer ganz eigene Persönlichkeit, einer eigenen kleinen Geschichte und Darstellungsweise. So wurde das Stück „Archaeopteryx“ aus der Sicht eines dieser kleinen Dinosaurier erzählt, die wohl den Übergang zwischen den Urtieren und Vögeln darstellt. „Niemand würde ihn je fürchten, hohl und leicht war sein Knochenbau“, heißt es im dazugehörigen Text.

Doch unbedeutend ist der Vogel, der an Seilen über die Bühne gezogen wurde und sich seines Lebens erfreute, nicht. Das wurde spätestens klar, als es hieß: „In schwere Schiefernplatten gepresst, brachte man ihn ins Museum. Wie ungewöhnlich für so ein leichtes, kleines Tier.“

Die Vergänglichkeit und die Bedeutung dieses Tieres fanden sich auch in der Marionette selbst wieder, die im Großen und Ganzen einen skelettierten Archaeopteryx zeigte. Teile des Skeletts ließen sich bei fast allen Marionetten dieses Abends finden, ein bisschen gruselig war das in Teilen schon, zeigte aber die Ästhetik der Tiere genauso eindrucksvoll und sorgte für interessante Schattenwürfe durch raffinierte Beleuchtung.

Der zweite näher betrachtete Vogel des Abends war der Fischreiher. Hier war es weniger das Tier selbst, das erzählte, sondern der Forscher, der die Vögel studierte: „Das Wesen der Reiher ist nicht bestechend, sie verstehen es wohl, die wunderbarsten Stellungen anzunehmen, keine einzige von diesen aber ist anmutig“, erläuterte Wunsch, basierend auf einem Text aus dem Klassiker „Brehms Thierleben“ aus dem Jahr 1878.

Hochinteressant auch der Kranich. Hier trat Cellistin Goldfarb in direkten Kontakt mit der Marionette und verwandelte ihr Musikstück in einen spannenden Dialog mit dem Tier, der von Neugier über Erschrecken bis hin zu entspanntem Wegfliegen eine ganze Reihe von „tierischen“ Emotionen umfasste.

Ein todtrauriger Riesenpinguin

Todtraurig hingegen „der große Alk.“ Der schwermütigste Part des gesamten Abends beschäftigte sich mit dem 1844 ausgestorbenen „Pinguin des Nordens“, dem Riesenalk. Zwar gibt es für einen ausgestorbenen Vogel noch extrem viele Exponate in verschiedenen Museen zu bestaunen, der große Vogel wurde aber im 19. Jahrhundert, das große Jahrhundert der privaten Sammler und bürgerlichen Kunstkammern, zu einem beliebten Sammlerobjekt. Das ist einerseits der Grund für die vielen erhaltenen Exponate, andererseits tragischerweise der Grund für dessen Aussterben.

Rick Takvorian, Leiter des „across the borders“-Festivals, hatte Wunsch und Goldfarb nach Aachen geholt, ohne die Performance zu kennen, die bisherige Arbeit von Wunsch hatte ihn aber davon überzeugt, dass die Zuschauer etwas Ausgefallenes im Ludwig Forum geboten bekämen. Anhand der Reaktionen und dem lang anhaltenden Applaus am Ende lässt sich schlussfolgern: Einen solchen Auftritt darf es in Aachen gerne wieder geben.

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