Vier Mal mehr Kinder im Vollrausch landen im Klinikum

Von: Robert Esser
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„Das Einstiegsalter der Trinker fällt rapide”: Dr. Peter-Friedrich Petersen, Leiter der Notaufnahme.

Aachen. Im Universitätsklinikum hat sich die Zahl der Jugendlichen, die wegen Alkoholmissbrauchs in die Notfallaufnahme eingeliefert werden, seit 2005 mehr als vervierfacht.

Während im Jahr 2005 nur 21 Minderjährige schwer betrunken im Klinikum landeten, zählte man 2007 bereits 46 Fälle. 2008 stieg der Anteil auf 89 Jungen und Mädchen. „In den ersten sechs Monaten dieses Jahres mussten wir bereits 48 Minderjährige mit Alkoholproblemen behandeln”, erklärte Dr. Peter-Friedrich Petersen auf Anfrage der Aachener Zeitung.

„Dieser Trend ist in diesem Ausmaß mehr als besorgniserregend”, sagte der Mediziner. Neben gesundheitlichen Belastungen seien auch die Kosten für die Behandlung von alkoholisierten Jugendlichen gewachsen - auf bis zu 100.000 Euro pro Jahr.

„Die größten Sorgen machen uns die 14- bis 16-Jährigen, die in Zuständen zwischen tranig und schwer komatös eingeliefert werden”, sagte Petersen. „Nicht selten liegt der Blutalkoholwert schon bei 14-Jährigen weit über ein Promille.”

Zuweilen landen die Kinder direkt auf der Intensivstation. Knapp die Hälfte der minderjährigen Säufer sind mittlerweile Mädchen. „Standpauken bringen bei den Kindern wenig, nicht mal bei vielen Eltern”, erklärte Petersen.

„Die Gesellschaft muss dieses Problem schnellstens in Angriff nehmen. Der Jugendschutz bei der Abgabe von Alkohol muss viel konsequenter kontrolliert werden”, forderte der Arzt. Spürbar sei allerdings ein Rückgang der „Alkoholleichen”, die in früheren Jahren massenhaft zu Karneval und Silvester in der Klinik auftauchten. „Hier scheinen die Konzepte der Stadt, etwa durch Alkoholkontrollen auf dem Markt, zumindest teilweise aufzugehen”, sagte er.

Marienhospital und Luisenhospital zählen hingegen an den Karnevalstage weiterhin die meisten Einlieferungen von besoffenen Minderjährigen. „Von den insgesamt neun Fällen im vergangenen Jahr, kamen fünf an den Karnevalstagen rein”, sagte Dr. Reiner Goebels, Oberarzt der Medizinischen Klinik am Marienhospital. Dr. André Freese, Chef der Ambulanz, zählte 2008 sieben Jugendliche, deren Sauforgien im Luisenhospital endeten.

Am Mittwoch hatte eine Studie der Gmünder Ersatzkasse GEK bundesweit für Aufregung gesorgt: Darin wurde festgestellt dass sich die Zahl der Minderjährigen, die mit Alkoholproblemen in Kliniken transportiert werden müssen, in sechs Jahren verdoppelt hat. Die explosionsartige Steigerung im Aachener Universitätsklinikum in vier Jahren beträgt 430 Prozent.
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