Vier Jahre und sechs Monate Haft für Klaus K.

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Über das Urteil von vier Jahren und sechs Monaten Haft sowie einer Einweisung in eine Entziehungsanstalt kann sich der 53-jährige ehemalige Grafiker Klaus K. aus Aachen keinesfalls beschweren.

Denn der Vorsitzende des Aachener Schwurgerichts, Richter Arno Bormann, sagte es in der Urteilsbegründung am späten Nachmittag: „Das Opfer hätte um ein Haar sein Leben verloren und dies nur, weil der Angeklagte seine Aggressionen nicht im Griff hatte.“

Die Tat des 53-Jährigen geschah zweifellos aus „nichtigem Anlass“, führte der Richter aus. Und sei im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen worden. Der Staatsanwalt hatte eine Strafe von immerhin sechs Jahren Haft beantragt. Das Gericht verurteilte K. allerdings nicht wegen versuchten Totschlags sondern wegen gefährlicher Körperverletzung.

Am 16. April dieses Jahres hatte Klaus K., der in einem Appartement in der Kullenhofstraße wohnte, in der Gemeinschaftsküche der Wohnanlagen in völlig betrunkenem Zustand im Essen seines Nachbarn gerührt und mit einem Löffel davon gekostet. Der sei darüber nicht erfreut gewesen, als er den Vorgang bemerkte und habe K. deswegen in der Küche mit scharfen Worten zurechtgewiesen. Dann sei es sogar zu einer kleinen Rangelei gekommen, die aber ohne wesentliche Blessuren endete. Beide Männer seien in ihre Wohnungen zurückgegangen.

Doch in Klaus K., der anscheinend den ganzen Tag getrunken hatten und bei dem später ein Blutalkoholwert von nahezu drei Promille festgestellt wurde, rumorte es innerlich weiter. „Er hat dann ein Küchenmesser genommen, ist hinunter zu dem Nachbarn gegangen und hat ihn mit Stichen schwer in der Leiste verletzt“, fasste er das Tatgeschehen zusammen. Dabei sei ihm abzunehmen, dass er seinen Kontrahenten nicht töten wollte. K. hatte angegeben, er habe sich schwer von den verbalen Ankündigungen seines Nachbarn bedroht gefühlt. Denn der habe angedroht, er werde den Nachbarn abstechen.

K. hatte ihm quasi zuvorkommen wollen, ließ er sich vor Gericht ein und behauptete sogar, dass sein Kontrahent ihm mit einem Küchenmesser in der Hand die Türe aufgemacht habe. Er habe es dem Gegner entwendet und sofort versucht, sein Gegenüber in den Oberschenkel zu stechen. Das sei ihm unbedenklich vorgekommen, sagte er im Gerichtsverfahren. Dem folgte die Kammer nicht.

Das Opfer sei zwar nicht gänzlich ohne Verfehlungen in der Vergangenheit gewesen. Doch hier habe es einen durchgängig glaubwürdigen Eindruck hinterlassen. Bormann zum Angeklagten: „Das Opfer hat viel Glück gehabt sowie Sie auch.“ Denn ansonsten hätte sich Klaus K. wegen eines vollendeten Tötungsdelikt verantworten müssen. Sein Überleben hatte der erst 32-Jährige der Kunstfertigkeit eines zufällig in der Nähe befindlichen Anästhesisten und eines weiteren Mediziners zu verdanken. Der Messerstich durchtrennte in der Leistengegend die Hauptschlagader des Beines, das Opfer verlor in kürzester Zeit nahezu fünf Liter Blut, die Ärzte schafften das schier Unmögliche und brachten den Mann durch.

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