Vier E-Bikes für die Mitarbeiter des Ordnungsamts

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Die Grünen drehen am Rad. Zumindest bei der Verwaltung ist die Ratsfraktion jetzt ziemlich heftig vor die (Luft-)Pumpe gelaufen. Ihr gemeinsamer Antrag mit den Piraten auf Anschaffung von vier E-Bikes für die Mitarbeiter des Ordnungsamts hat bei Selbigem nämlich wenig Heiterkeit ausgelöst – ist vielmehr auf dezidierte Ablehnung gestoßen.

Trotzdem: Durchaus bissig-humorig, um nicht zu sagen satirisch, in jedem Fall reichlich ironisch fällt die erste Reaktion der Politiker auf die Reaktion der Behörden aus. „Eine (Steil)Vorlage: Ordnungsamt und e-Bike – eine unmögliche Liebe“ – unter dieser Überschrift spießen die Grünen in einer (nicht namentlich gezeichneten) Pressemitteilung den amtlichen Korb zur Abwechslung mal im kabarettreifen Stil auf. Untertitel: „Antwort der Stadtverwaltung auf Grünen-Ratsantrag: Realsatire oder verfrühter Aprilscherz?“

Selbst Vorfreude auf die nächste Sitzung des Mobilitätsausschusses kommt in dem dreiseitigen Ab- und Spottgesang auf die (aus Sicht der politischen Petenten eher unbewegliche, um nicht zu sagen starre) Haltung der städtischen Amtslenker durchaus auf. Dort nämlich steht die Stellungnahme des zuständigen Fachbereichsleiters Detlev Fröhlke am 23. März (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Marschiertor) auf der Tagesordnung.

Dem Papier ist unter anderem zu entnehmen, dass radelnde Kollegen, von wegen Vorbildfunktion, auch Helme tragen müssten – was der Kommunikation mit Park- und anderen Verkehrssündern abträglich wäre. „Bitte? Wir hören gerade schlecht, uns hängt der Fahrradhelm auf den Ohren“, kommt die prompte Retourkutsche von fraktioneller Seite. Und weiter: „Wir fragen uns bloß: Wie macht das eigentlich die Polizei mit ihren Motorradstreifen . . .“

Ganz zu schweigen vom amtlichen Einwand, besagte Dienst-Pedelecs seien „in den Wintermonaten nur sehr bedingt einsatzbereit“. Die Grünen kontern – nein, nicht mit bierernster Klage über die allgegenwärtige Erderwärmung, aber mit Hinweis auf „die ganzen Briefträgerinnen und Briefträger, die man tagein, tagaus ein fröhliches Liedchen pfeifend auf e-Bikes durch Aachen flitzen sieht“. Und überhaupt: Von „erbarmungslosen Schneestürmen“ sei im Dreiländereck wohl lange nicht die Rede gewesen.

Ganz ohne Ironie bleibt da nur die ausführliche Replik auf Fröhlkes Argument, dass das Unfallrisiko für die Überwachungskräfte auf Elektrodrahteseln deutlich steige: Diesen Einwand nehme man sehr ernst. „Genau deshalb setzen wir uns unter anderem mit einem solchen Ratsantrag dafür ein, Radfahren in Aachen sicherer und komfortabler zu machen.“ Erfahrungen aus anderen Städten zeigten, „dass der Einsatz der dortigen Fahrradstreife als effizient bewertet wird“.

Detlev Fröhlke dürfte das Lachen am Donnerstag so oder so kurzzeitig vergangen sein. „Wir haben in jüngerer Zeit mehrfach tätliche Angriffe auf Kollegen erleben müssen“, sagt er. Er halte einen Einsatz auf Rädern deshalb nicht für verantwortbar, zumal wenn Mitarbeiter allein unterwegs seien. „Bei Sonderaktionen wäre das natürlich etwas anderes.“ Und seine Chefin, Ordnungsdezernentin Annekathrin Grehling, ließ per Presseamt mitteilen, sie halte es jedenfalls nicht für zweckmäßig, Politessen und Co. in den Sattel zu heben: Wenn etwa in Parkzonen kontrolliert werde, sei ein Drahtesel mit Appetit auf Knollen zwischen Blechkarossen eher hinderlich . . .

Aber langsam mit den jungen Stahlrössern. Auch dazu dürfte den Grünen (und vielleicht nicht nur ihnen) wohl noch das eine oder andere Gegenargument einfallen: beim zu erwartenden Schlagabtausch im Ratsausschuss – ob mit oder ohne Helm.

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