Vielfalt ist Ausdruck der Liebe zur Chormusik

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Die Freude beim Singen ist ihnen anzusehen: Die Gemeinschaft der Sängerinnen und Sänger ist auch menschlich auf einer Wellenlänge. Foto: Chor Cantiamo
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Mit Konzentration und Spaß an der Chormusik: Johannes Konrads leitet das 2013 gegründete Ensemble. Foto: Chor Cantiamo

Aachen. Eine klare Linie ist in der Repertoire-Liste des Chores Cantiamo nicht wirklich zu erkennen. Kompositionen von John Rutter sind dabei und Benjamin Britten, auch Johannes Brahms und der ehemalige Leiter des Aachener Bachvereins Rudolf Mauersberger sind vertreten.

Es lassen sich aber auch Freddie Mercury, Billy Joel, die Beatles und Cole Porter finden. Auf der gegenüberliegenden Seite der Zeitleiste stehen hingegen John Dowland und Thomas Morlay – Tonkünstler der Renaissance. Diese Vielfalt ist allerdings nicht Ausdruck von Verwirrung oder mangelnder Bereitschaft zur Festlegung auf einen Stil, sondern eher von umfassender Liebe zur Chormusik – bei allen 29 Sängerinnen und Sängern und dem Chorleiter Johannes Konrads.

„In erster Linie müssen uns die Stücke gefallen“, bestätigt Tenor Christoph Zimmer. „Unser Repertoire ist so bunt wie wir“, ergänzt Altistin Lissa Reiners. Ausgesucht wird gemeinsam – zumindest meistens. Manchmal erfüllt der Chor seinem Leiter einen Herzenswunsch. Im Gegenzug schluckt Konrads dann den Wunsch nach einem Disney-Medley. „Demokratur“, nennt Konrads das.

Einig sind sich die Männer und Frauen des Kammerchores aber stets in der angestrebten Qualität. Gemeinsam singen ja, aber bitte auf einem gewissen Niveau. „Dass wir die Qualität gesteigert haben, war für mich der Grund, da zu bleiben“, erklärt Tenor Sebastian Wetzel, der bereits als Neuntklässler mit Konrads zusammen gearbeitet hat. Zunächst im Schulchor, ab 2011 nach der Pensionierung Konrads‘ bei regelmäßigen Chor-Projekten. „2013 wollten wir es dabei nicht mehr belassen, sondern uns regelmäßig treffen. Wir fragten Johannes, ob er nicht die Leitung übernehmen wolle. So entstand Cantiamo“, berichtet Wetzel, der bei der Gründung dabei war.

Dass die Güte des Chores nichts mehr mit einem Schulchor gemein hat, zeigen seine Auftritte: Mit einem rein geistlichen Programm begeisterte er gerade in der Auferstehungskirche, bei der langen Chornacht im Rahmen der Chorbiennale brachte das Ensemble die Citykirche zum Toben, beim Benefizabend für die Aachener Hospizstiftung im Theater Aachen wurde er nach einigen A-Cappella-Stücken gebeten, zusammen mit dem Aachener Sinfonieorchester Michael Jacksons „Heal the World“ zu musizieren.

Wo soll es noch hingehen? Konrads bleibt zurückhaltend: „Natürlich wollen wir nicht hinter die jetzige Qualität zurückfallen. Vielleicht nehmen wir mal an einem Wettbewerb teil oder dürfen zu einem Festival reisen, aber in erster Linie wollen wir Spaß am Singen haben.“ Man habe den Namen Cantiamo – italienisch für „Lasst uns singen“ – ja nicht ohne Grund gewählt.

Dennoch oder gerade deshalb legt der ganze Chor Wert auf das Auswahlverfahren neuer Mitglieder: Drei bis fünf Probenteilnahmen, anschließend Vorsingen bei Konrads. Letztendlich entscheiden die Mitglieder, ob jemand ins Gefüge passt oder nicht. Denn es muss sowohl stimmlich als auch menschlich passen. Da sind sich alle einig.

Eine Frage des Alters ist das indes nicht – auch wenn die große Mehrheit der Sängerinnen und Sänger nicht mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hat. „Die Jüngste ist 17, der Älteste 72 Jahre alt“, erzählt Konrads. Auch die individuelle Klangfarbe ist wenig relevant. „Ein guter Gesamtklang ergibt sich eher aus verschiedenen Färbungen“, ist der Chorleiter überzeugt.

Ohne chorische Vorerfahrung und musikalische Vorbildung gehe es allerdings nicht. Das bestätigt sich bei der Probenarbeit. Schon beim Einsingen achtet Konrads auf saubere Intonation, Rhythmusübungen in rasanter Geschwindigkeit fordern Koordination und Aussprache. Beim freien Improvisieren auf eine bekannte Melodie muss man schon eine gewisse Ahnung von Harmonielehre haben – auch wenn die Septime am Ende nicht immer klappt. Bei der Erarbeitung eines neuen Stückes wird zügig vom Blatt gesungen, mindestens zwei Stimmen gemeinsam.

Konrads selbst ist seit 35 Jahren unter Fritz ter Wey im Jungen Chor Aachen sängerisch aktiv. Die Schule des Professors für Chorleitung und Chorerziehung ist beim Autodidakten Konrads unverkennbar. Dort hat er das genaue Hinhören, das Arbeiten an den Feinheiten gelernt. „Alles, was ich über Chorleitung weiß, verdanke ich dieser langen Zeit als Chorsänger bei ihm“, sagt Konrads. Er weiß, dass viele Menschen gut singen können und dies auch wollen, ohne dabei professionell ausgebildet zu sein. So arbeitet er mit Cantiamo. Mit einem gemeinsamen Ziel: Lasst uns singen!

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