Vielfältige historische Zeugnisse der Trauer

Von: Marie Eckert
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Der Forderkreis Ostfriedhof stellt in der Stadtbibliothek aus: von links Isolde Sohnius, Manfred Sawallis (Leiter der Stadtbibliothek), Dr. Holger Dux, Detlef Sambale und Wolfgang Berg. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Seit über 200 Jahren gibt es den Ostfriedhof am Adalbertsteinweg – damit ist er der älteste Friedhof der Stadt, der noch genutzt wird. Die Grabstätten sind historisch, erzählen Geschichten über die, die dort begraben sind, zeigen, wie die Menschen früher und heute getrauert haben.

Zurzeit gibt es in der Stadtbibliothek eine Ausstellung zum Ostfriedhof. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung und die Grabmäler – denn die sind oft viel größer und prachtvoller als heutige Grabsteine. Ganze Häuser, Kreuze aus Stein, Maria-Figuren, Jesus-Statuen, Engels-Säulen und trauernde Frauen sind auf dem rund 13 Hektar großen Gebiet zu sehen. „Dass es früher allerdings nur solch prächtige Gräber gab, ist ein Trugschluss“, sagt Holger Dux, Vorsitzender des Förderkreises für den Ostfriedhof: „Die Dauer, wie lange einer Familie ein Grab gehörte, war auch damals schon begrenzt. Die Menschen, die große, teure Gräber hatten, konnten es sich dann eben auch eher leisten, diese zu erhalten, als Leute mit weniger Geld.“ Außerdem könne man an den Gräbern ablesen, wie die wirtschaftliche Lage war. „Während der Inflation findet man auf dem Ostfriedhof vorwiegend schlichtere Grabmäler“, bemerkt Dux.

Die Ausstellung ist gewissermaßen ein doppeltes Geburtstagsgeschenk: Zum einen feiert der Friedhof seinen 210. Geburtstag, zum anderen freut sich der Förderkreis über sein zehnjähriges Bestehen. Eigentlich war in den 60er Jahren beschlossen worden, den Ort für Grabstätten zu schließen, eine Bürgerinitiative konnte das aber verhindern. Später gründete sich der Förderkreis, um den Friedhof zu erhalten, denn umstürzende Bäume, Efeu-Ranken und Vandalismus setzen dem historischen Ort zu. „Vandalismus ist eigentlich seit dem Zweiten Weltkrieg ein Thema, im Moment haben es Diebe besonders auf Stahl abgesehen“, erklärt Dux. „Das ist alles fast nicht ersetzbar, weil es ja einen historischen Wert hat.“ Ungefähr 3000 Gräber umfasst der Friedhof, der übrigens schon immer so lang war wie heute. Lediglich in der Breite wurden nach und nach Grundstücke dazugekauft. Das Besondere: Die historischen Grabmäler dürfen mittlerweile sogar genutzt werden. Bei Interesse wird mit dem Denkmalschutz verhandelt, Bedingung ist dann, Grab samt Grundstück zu pflegen.

Die Ausstellung an der Couven-straße kann bis Samstag, 19. Oktober, besucht werden, der Eintritt ist frei. „Die Bilder sind sorgfältig ausgewählt, und die Texte zum Ostfriedhof sind kompakt und sollen den Besuchern Lust auf mehr machen“, betont Dux.

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