Viele junge Flüchtlinge kennen Schulen nur von außen

Von: Stefan Herrmann Und Matthias Hinrichs
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Will im Mai ein Konzept vorlegen: Schulrat Wolfgang Müllejans.

Aachen. Sie kommen vor allem aus Syrien, Afghanistan und Nordafrika nach Aachen: unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Und sie stellen die Stadt vor enorme Herausforderungen.

Denn diese oftmals von Krieg, Konflikten und Armut geprägten jungen Menschen benötigen nicht nur eine ambulante pädagogische Betreuung sowie eine Unterkunft, in Deutschland herrscht zudem die gesetzliche Verpflichtung, Jugendliche bis 16 Jahre zu unterrichten.

„Wir müssen diese Kinder und Jugendlichen beschulen“, unterstreicht Peter Tillmanns, schulpolitischer Sprecher der CDU. Die Christdemokraten fordern die Verwaltung daher jetzt auf, ein entsprechendes Konzept zu entwickeln. „In dieses mögen alle Altersstufen und alle internationale Förderklassen einbezogen werden mit dem Ziel, eine gesamtstädtische Planung zu verfassen und eine Beschulung der Kinder sicherzustellen“, heißt es in einem Ratsantrag. Der Ruf nach einer mittelfristigen Lösung verdeckt aber nicht das akute Problem. Denn die Zahl der Ankömmlinge, die zeitnah in einer Schule untergebracht werden müssten, variiert von Tag zu Tag, erklärt Wolfgang Müllejans, zuständiger Schulrat bei der Städteregion. Trotz beachtlicher Fluktuation sind die Kapazitätsgrenzen aber längst erreicht.

Nach AZ-Informationen waren vor wenigen Tagen bis zu 70 von derzeit rund 300 minderjährigen Flüchtlingen allein in Aachen ohne einen Schulplatz. Die CDU sieht nicht nur die Stadt in der Pflicht, praktikable Modelle zu entwickeln, um die Situation besser in den Griff zu bekommen. Auch die Bezirksregierung habe angesichts der besonderen Lage Aachens als Grenzstadt weitere Unterstützung in Aussicht gestellt. „Die Gespräche laufen, auch wenn es noch keine konkreten Ergebnisse gibt“, sagt Tillmanns.

Das unterstreicht auch Mülle-jans auf Anfrage. „In der Tat hat der Zuzug in jüngerer Vergangenheit in einem Maße zugenommen, dass wir dringend Kapazitäten schaffen müssen“, sagt er. „Wir arbeiten mit allen zuständigen Stellen intensiv daran.“

Momentan gibt es fünf entsprechende Förderklassen in der Reformpädagogischen Sekundarschule am Dreiländereck (ehemals Hauptschule Kronenberg) – die allerdings zum Sommer 2015 geschlossen werden soll. Zudem sind sechs in der Hauptschule Aretzstraße, zwei in der Hauptschule Burtscheid und eine in der Hauptschule Drimborn eingerichtet sowie je eine am Geschwister-Scholl- und am Couven-Gymnasium. Eine weitere dieser sogenannten Vorbereitungsklassen wird im kommenden Schuljahr in der Hugo-Junkers-Realschule geschaffen. Geplant sind zudem je eine Förderklasse am Couven und an der Abendrealschule. Auch die Berufskollegs sollen demnächst einbezogen werden. „Allerdings muss die Bezirksregierung darüber noch entscheiden“, so der Schulrat. „Wir gehen davon aus, dass dies nächste Woche erfolgt.“

Kompetenzen bündeln

Personelle und pädagogische Konzepte sind freilich mindestens ebenso dringend gefragt: „Wir müssen jetzt verstärkt dafür sorgen, dass wir Lehrkräfte aus unterschiedlichen Schulformen in den Förderklassen zusammenbringen“, betont Müllejans. Denn ebenso unterschiedlich sind vielfach die Kompetenzen, die die jungen Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Nordafrika bereits im Gepäck haben. Ein entsprechendes Konzept will er dem zuständigen Ratsausschuss im Mai vorlegen.

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