Viele Ideen und Vorschläge für geplante Lindt-Erweiterung

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
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Goldene Zeiten: Lindt will Millionen investieren und neue Jobs schaffen – wie 2011 mit dem Bau des neuen Logistikzentrums. Foto: Krömer
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Im Falle einer Erweiterung auf dem Bendplatz müsste auch eine Lösung für die vielen Weihnachtsmarktbusse gefunden werden, die dort anfahren. Foto: Michael Jaspers/Ralf Roeger
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Von wegen Schritttempo: In Sachen Lindt-Expansion und Verlagerung des Bendplatzes drängt die Zeit. Die SPD kann sich vorstellen, dass Lindt auf den künftigen Campus-West-Flächen erweitert. Foto: Michael Jaspers/Ralf Roeger

Aachen. Die Wellen schlagen hoch. Nach dem Bericht in unserer Zeitung über die Erweiterungspläne von Lindt & Sprüngli und die dadurch nötige Verlegung des Öcher Bends wird nun kräftig über Standorte, Ideen und Pläne diskutiert und spekuliert.

Die Politik, die die Pläne ebenso wie die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung bereits seit Monaten kennt, hat das bislang hinter verschlossenen Türen getan. Das ist nun vorbei. Und kurz vor Toresschluss – OB Marcel Philipp hatte unserer Zeitung gesagt, dass bis Ende des Jahres eine Lösung her müsse – wird es wohl auch Zeit für eine öffentliche Debatte, die von Teilen der Politik im Übrigen auch gefordert wird.

Die Fakten: Das Geschäft von Lindt brummt ohne Ende. Deswegen will der Schokoladenfabrikant am Standort Aachen in den kommenden Jahren  Zigmillionen Euro in Neubauten investieren und bis zu 1000 neue Arbeitsplätze schaffen. Dafür ist auf dem Firmengelände an der Süsterfeldstraße aber kein Platz mehr.

Deswegen will man der Stadt den Bendplatz abkaufen, um schrittweise expandieren zu können. Nach AZ-Informationen gibt es dazu längst fertige Pläne, die im Lindt-Auftrag entwickelt wurden. Diese sehen vor, den Bendplatz zu etwa zwei Dritteln für Lindt-Gebäude zu nutzen und auf dem letzten Drittel sozialen Wohnungsbau zu realisieren.

Bei der Verwaltung sucht man unterdessen händeringend nach Alternativstandorten für den Bend. Gespräche werden unter anderem mit dem ALRV geführt. Wobei die Verwaltung diesbezüglich am Donnerstag offenbar bereits Anrufe von besorgten Anwohnern aus der Soers erhielt, schließlich ist der Bend keineswegs eine lautlose Veranstaltung. Die Stadt stellte am Donnerstag klar, dass die großen Freiflächen hinter der AachenMünchener-Tribüne aus Lärmschutzgründen nicht Teil der Diskussion seien. Der ALRV selber sieht die gesamte Idee mit großer Skepsis und würde den Bend lieber anderswo verortet sehen.

Auch in der Politik hat man sich bereits Gedanken über das heikle Thema gemacht. Einig ist man sich, dass Lindt mit seinen heute bereits 2300 Arbeitsplätze auf keinen Fall vergrault werden darf. Lindt-Geschäftsführer Adalbert Lechner hatte unserer Zeitung unmissverständlich gesagt, dass ohne Erweiterungsmöglichkeiten der Standort Aachen infrage stehe.

Die Ideen aus der Politik verfolgen indes unterschiedliche Gedankenansätze. SPD-Fraktionschef Michael Servos glaubt, dass man alle Interessen im Bereich Süsterfeldstraße unterbringen kann und betont: „Ich bin ein Kirmeskind. Der Bend ist für Aachen von ebenso großer Bedeutung wie ein großer Arbeitgeber.“ Die Expansionspläne von Lindt seien nur zu begrüßen. Er lenkt den Blick in Sachen Expansion jedoch zumindest teilweise in eine andere Richtung.

So könne Lindt seine Produktionsgebäude auf einem Teil des Bends und dem werkseigenen Parkplatz bauen. Nötige neue Verwaltungsgebäude könnten aber auf dem Campus West – also auf der anderen Straßenseite – realisiert werden, wenn sich Lindt in die Campus-Flächen „einkaufe“. Schließlich habe der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) ja jüngst verkündet, das 300.000 Quadratmeter große Campus-Gelände verkaufen zu wollen.

Das würde nach Ansicht von Servos auch thematisch passen, da Lindt selber stark in Sachen Forschung und Entwicklung unterwegs sei. Die Verwaltung müsse jetzt ran und dies prüfen. Servos: „Diese Lösung ist eine große Chance für alle Beteiligten. Wenn es nicht geht, dann kann man immer noch weiterdenken.“ Die Verwaltung müsse auch die Politik stärker in die Lösungssuche einbinden.

Letzteres sehen die Grünen und die Linkspartei genauso, die nach eigenem Bekunden bereits einen gemeinsamen Ratsantrag zu dem Thema vorbereitet haben, der „in Kürze veröffentlicht werden soll“, so Ratsherr Michael Rau, planungspolitischer Sprecher der Grünen. Darin fordern beide Fraktionen, eine Rahmenplanung für den ganzen Bereich zwischen Roermonder Straße und der Bahnlinie zu erstellen, da man, so Rau, „den gesamten Stadteingang von Laurensberg aus überdenken“ müsse.

Auf dem riesigen Areal, auf dem unter anderem das Lindt-Werksgelände, der Bendplatz und die Flächen für den Campus West liegen, gebe es viele eingeschossige Gewerbegebäude und eine Form der „kompletten Übererschließung“, so Rau. Soll heißen: Es gebe „gigantische Straßenflächen, die überhaupt nicht benötigt werden“, blickt der Grüne vor allem in Richtung Borchers- und Ritterstraße.

Dort, also stadtauswärts, „stecken unserer Meinung nach noch Flächen für Lindt drin“. Außerdem schreie die gesamte Konstellation von mangelhaftem Stadteingang, Lindt-Erweiterung und Campus West danach, „das alles zusammen anzupacken“. Wobei eine Lösung für Lindt sicher an erster Stelle stehen müsse: „Wir wollen Lindt unbedingt in Aachen halten, aber es muss Planung passieren.“

„Konzeptionelles Nachdenken“ und „Kreativität“ fordert auch Marc Beus, planungspolitischer Sprecher der Linken, dem an dieser Stelle auch ein „repräsentativer Stadteingang“ vorschwebt. Die Erweiterungspläne auf dem Bendplatz – also weiter in Richtung Stadt und Wohnbebauung – beurteilt er genauso wie Rau skeptisch. „Es ist ein bisschen zu einfach, einfach nur die nächste Fläche zu nehmen“, sagt Beus, während Rau dort vor allem auch massive Probleme wegen der Emissionen der Schokoladenfabrik befürchtet.

Der Bend könnte im Falle einer Erweiterung in die andere Richtung dort bleiben, als Alternativstandort im Falle eines Umzugs komme aber auch das Grundstück des heutigen Polizeipräsidiums an der Hubert-Wienen-Straße infrage. Das wird allerdings erst 2019 geräumt und müsste dann noch abgerissen werden. Außerdem gehört das Grundstück dem BLB und müsste von der Stadt gekauft werden. Und nicht zuletzt hat auch der benachbarte ALRV ein Auge auf dieses Areal geworfen – im Zuge seiner eigenen Erweiterungspläne.

CDU-Fraktionschef Harald Baal unterstreicht, dass alle möglichen Varianten untersucht werden müssten. Die ALRV-Lösung ebenso wie Alternativen auf dem Campus West. Zudem müsse man eine Lösung für die Busse der Weihnachtsmarktbesucher finden, von denen in Spitzenzeiten 150 pro Tag den Bendplatz ansteuern. „Die kann man nicht in die Stadt fahren lassen“, so Baal, der betont: „Wir sind am Anfang der Diskussion und nicht am Ende. Klar sei: „Es gibt keine einfach zu überplanenden Flächen mehr in Aachen – weder für Wohnen oder Gewerbe und auch nicht für den Bend.“

Bei der Frage der Weihnachtsbusse, bei der die Veranstalter der Fahrten ein großes Interesse an der Nähe zum Lindt-Werksverkauf haben, sieht auch der OB die Notwendigkeit einer einvernehmlichen Lösung. „Das muss Teil unseres Konzepts sein“, sagt Philipp. Eventuell finde man auch eine Möglichkeit, sie auf dem Bendplatz zu belassen – schließlich sei das auch im Interesse von Lindt.

Etliche andere mögliche Varianten wurden am Donnerstag noch genannt. So etwa die Idee, den Bend auf die andere Straßenseite Richtung Campus zu verlagern – zumindest vorübergehend und um Zeit zu gewinnen. Die Stadt wollte sich am Donnerstag nicht an Spekulationen über Flächen beteiligen. Das Thema ist und bleibt sensibel – in vielerlei Hinsicht. Auch bei den Schaustellern selber, wo es dem Vernehmen nach höchst unterschiedliche Meinungen gibt – jene, die sich eine Verlagerung vorstellen können und andere, die das rundweg ablehnen und als Sargnagel für das Volksfest sehen. Es dürften spannende Monate werden.

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