Aachen - Viele Ideen gegen den Fachkräftemangel in den Kitas

Viele Ideen gegen den Fachkräftemangel in den Kitas

Von: Annika Kasties
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Die Kinder sollen nicht allein im Sandkasten spielen: Deshalb hat die Verwaltung einen Katalog mit 28 Maßnahmen zusammengestellt, um Erzieher nach Aachen zu locken. Foto: dpa
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Warnte bereits im Dezember, dass in den nächsten fünf Jahren 220 neue Erzieherstellen geschaffen werden müssen: Bildungsdezernentin Susanne Schwier. Foto: Herrmann

Aachen. Die Zahlen bleiben dramatisch, der Handlungsbedarf groß: Allein in den städtischen Kindertagesstätten sind aktuell 35 von 691 Vollzeitstellen für Erzieher unbesetzt – eine Quote von fünf Prozent. Der demografische Wandel und der Kita-Ausbau bereiten der Verwaltung nicht erst seit gestern Kopfzerbrechen.

Die „schnelle Pille“ gegen den Fachkräftemangel, der sich auch in Aachen immer deutlicher zeigt, wurde indes noch nicht erfunden. Denn trotz rosiger Aussichten auf einen Job entscheiden sich immer weniger junge Menschen dazu, den Beruf des Erziehers einzuschlagen.

Bereits im Dezember hatte die Verwaltung angekündigt, mit einem Bündel an kurzfristigen wie langfristigen Maßnahmen potenzielle Bewerber nach Aachen locken zu wollen – unter anderem mit unbefristeten Verträgen und frühzeitigen Übernahmegarantien für Berufspraktikanten. Mittlerweile ist der Maßnahmenkatalog auf 28 Unterpunkte angewachsen. Kommenden Dienstag wird er der Politik in der gemeinsamen Sitzung von Schulausschuss und Kinder- und Jugendausschuss diskutiert.

Dabei hat die Verwaltung drei Schwerpunkte zur Bekämpfung des Fachkräftemangels ausgemacht: die Intensivierung der Personalgewinnung, die Personalerhaltung sowie die Entlastung der Mitarbeiter. Der Katalog, der unter Beteiligung des Fachbereichs Personal und Organisation, des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule sowie dem Betriebsrat erstellt wurde, soll am 22. März vom Personal- und Verwaltungsausschuss beschlossen werden.

Um neue Erzieher zu rekrutieren, will die Stadt unter anderem die Anzahl der Berufspraktikanten von aktuell 30 in Kitas und neun in offenen Ganztagsschulen „um mindestens fünf Stellen“ erhöhen – sofern geeignetes Personal auch gefunden wird. Darüber hinaus sollen sich in Zukunft noch mehr junge Menschen, die in den Beruf des Erziehers hineinschnuppern wollen, in Aachens Kitas und offenen Ganztagsschulen tummeln.

Für Vollabiturienten soll zukünftig ein sechsmonatiges bezahltes Praktikum angeboten werden. Auch Schüler der Fachoberschule sollen diese Vergütung erhalten. Ab dem 1. August sollen so jährlich 15 Praktikumsstellen angeboten werden. Zudem setzt die Verwaltung verstärkt auf die Unterstützung durch Männer und Frauen, die ein freiwilliges soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst absolvieren.

Frühere Zusagen

Sollten dadurch mehr junge Menschen für den Erzieherberuf gewonnen werden, könnte die Ausbildung dann vielleicht sogar schon neu aufgestellt sein. Laut Verwaltungsvorlage wird derzeit geprüft, wie eine „praxisintegrierte dreijährige Ausbildung inklusive Ausbildungsvertrag und -vergütung“ umgesetzt werden kann. Bislang findet die Ausbildung zum Erzieher in den ersten zwei Jahren ausschließlich an der Fachhochschule statt. Erst im dritten Jahr – dem Anerkennungsjahr – sind die Azubis als Praktikanten in den Einrichtungen selbst und erhalten auch erst dann Gehalt.

An der Käthe-Kollwitz-Schule gibt es bereits ein Ausbildungsmodell, in dem die Azubis von Anfang an einen Einblick in die Praxis bekommen. Eine Langzeitstrategie. Mit Schnelligkeit will die Verwaltung hingegen bei Berufspraktikanten punkten, indem sie ihnen „viele Monate früher als bisher verbindliche Angebote zur Weiterbeschäftigung“ verspricht. Auch ausgebildete Fachkräfte und Ergänzungskräfte sollen darüber hinaus „durch frühzeitigere Unterbreitung eines verbindlichen Einstellungsangebotes“ gewonnen werden.

Auch der Quereinstieg soll erleichtert werden. So sollen zum Beispiel Studienabbrecher, die soziale Arbeit oder Studiengänge, in denen Kindheitspädagogik Gegenstand war, studiert haben, durch eine verkürzte Ausbildung zur Fachkraft qualifiziert werden. Dies werde, so die Verwaltungsvorlage, in Abstimmung mit den Berufskollegs und mit Unterstützung des Programms „Switch“ passieren. Unbesetzte Stellen sollen zudem in Zukunft auch „für weitere Professionen mit dem inhaltlichen Gegenstand der Kindheitspädagogik“ geöffnet werden. Dies bedürfe allerdings noch „einer weiteren Klärung, auch mit dem Landesjugendamt“. Tagesmütter und -väter dürfen beispielsweise (noch) nicht in Kitas eingesetzt werden.

Um die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern, will die Stadt verstärkt auf Fortbildungen setzen. Darüber hinaus soll eine „Notfallvereinbarung“ Klarheit für alle Erzieher schaffen, wie sie sich im Falle eines personellen Engpasses zu verhalten haben, wenn die Leitung der Kita oder OGS (noch) nicht anwesend ist, etwa wenn Schließungen der Einrichtungen drohen. „Hierbei wird auch die Notwendigkeit der Einrichtung eines Notfalltelefons geprüft“, heißt es dazu in der Vorlage.

Apropos Notfall: Mit vier Maßnahmen will die Stadt zur Personalentlastung beitragen. So sollen krankheitsbedingte Ausfallzeiten von Küchenkräften, die zu einer Belastung des pädagogischen Personals führen, in Zukunft durch einen Vertreterpool aufgefangen werden, der aus schätzungsweise drei Vertretungskräften bestehen soll. Küchenkräfte sollen wiederum für einen befristeten Zeitraum „weitere hauswirtschaftliche Tätigkeiten übernehmen“, um das pädagogische Personal „bei hohen Vakanzen“ zu entlasten. Dabei soll zum Beispiel der Frühstücksdienst, das Decken der Tische in den Gruppen oder das Arbeiten rund um den Snack am Nachmittag in den Blick genommen werden“, heißt es dazu seitens der Verwaltung auf Anfrage.

Ohne finanzielle Investition sind diese Maßnahmen nicht möglich. Allein für zusätzliche Praktikantenstellen rechnet die Verwaltung mit Mehrkosten in Höhe von rund 140 000 Euro. „Für 2018 wird davon ausgegangen, dass die vorhandenen Haushaltsmittel auskömmlich sind“, heißt es dazu in der Verwaltungsvorlage. Eine Summe, die nötig ist, damit in Zukunft andere Zahlen weniger dramatisch sind.

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