Viele Ideen: Die Zukunft von Haaren/Verlautenheide

Von: Stephan Mohne
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Weniger Blech: Der Verkehr ist eines der größten Probleme Haarens. Foto: Michael Jaspers
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Der Bezirk kämpft seit etlichen Jahren für eine Auffahrt zur Autobahn 4 am Gewerbegebiet Aachener Kreuz, um vor allem den Schwerlastverkehr aus dem Ort herauszuhalten. Foto: Michael Jaspers
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Zwei Autobahnen und die Alt-Haarener Straße verursachen Dauerlärm so laut wie ein Staubsauger. Zudem sind die Luftschaftstoffwerte hoch. Karte: Lanuv/Straßen.NRW/Geobasis/BKG/Planet Observer

Aachen. Die Zukunft des Stadtbezirks Haaren/Verlautenheide steht auf 193 Seiten. Zumindest jene, wie sie sich Stadtplaner, Architekten und andere Experten vorstellen. Tatsächlich existiert für Haaren eine Art „Bibel“ der Ortsentwicklung. Sie trägt den wenig schmissigen Titel „Integriertes Handlungskonzept“, kommt aber immerhin in Hochglanz daher.

Schon nach Lektüre der ersten Seite weiß man grob, worum es im weiteren Verlauf unter anderem geht. Da steht nämlich: „Haaren hat eine gute Lage, Infrastruktur und Nahversorgung. Haaren ist zugleich laut und räumlich begrenzt. Haaren altert und hat einen eigenen Charakter, der das Zusammenleben im Stadtbezirk prägt.“ Es lohnt sich, da mal genauer hinzusehen, denn in Haaren ist einiges im Gange oder wird es bald sein, während anderes (noch) Wunschdenken ist.

Verkehr, Lärm und Luft

Spricht man über die Probleme Haarens, so kommt man am Verkehr und seinen Folgen wie Lärm und schlechte Luft nicht vorbei. „An Haaren führt kein Weg vorbei“, sagt denn auch Bezirksbürgermeister Ferdinand Corsten. Was sogar geschichtliche Dimensionen hat. Denn Haaren habe bereits zur Römerzeit an zwei Fernstraßen gelegen. Heutzutage liegt der Stadtbezirk in der „Zange“ der beiden Autobahnen 4 und 544.

An der Ortsgrenze verläuft der Außenring. Und durch Haaren schlängelt sich die Alt-Haarener Straße. Die hat es in sich, denn dort rollen täglich rund 13 000 Fahrzeuge durch den Ort. Gerade im Berufsverkehr „knubbelt“ es sich. Und wenn es Störungen auf den Ringen oder Autobahnen gibt, geht es in der Ortsmitte kaum noch vor oder zurück. Das werden die Haarener sicher einmal mehr zu spüren bekommen, wenn bald die große Autobahnbrücke über dem Haarbachtal abgerissen und neu gebaut und es dadurch Beschränkungen auf der A 544 geben wird.

Autobahnen und Durchgangsverkehr sorgen laut Handlungskonzept dafür, dass in Haaren rund 3150 der 12 500 Einwohner von Verkehrslärm betroffen sind und tags wie nachts einen Lärmpegel von über 70 Dezibel aushalten müssen. Das ist so laut wie ein Staubsauger und liegt nur knapp unter der Stressgrenze. Deswegen werden insbesondere für die Alt-Haarener Straße Maßnahmen wie die Einführung von Tempo 30 und Flüsterasphalt, den es zumindest im jüngst sanierten nördlichen Bereich schon gibt, vorgeschlagen.

Auch die Belastung der Luft mit Stickoxiden ist wegen der engen Bebauung an der Hauptstraße wie auch wegen der Tallage kritisch. „Seit Generationen“, so Corsten, kämpfe man für einen direkten Autobahnanschluss an die „Hollandlinie“ A 4 im Bereich des Gewerbegebietes Aachener Kreuz. Dadurch soll ein Teil des Schwerlastverkehrs auf seinem Weg zur A 4 aus Haaren herausgehalten werden. Zeitweise sah es gut dafür aus, dann wieder nicht. In aktuellen Prioritätenlisten des Bundes steht das Thema nicht obenan. „Aus der Städteregion haben wir jetzt gehört, dass wir die Hoffnung nicht aufgeben sollen“, so Corsten. Die stirbt auch bei diesem Endlosthema zuletzt.

Ein Fluss, ein Bach, ein Park

In Haaren gibt es jedoch längst nicht nur Asphalt, sondern auch viel Grün, wie es im Handlungskonzept dargestellt wird. Und es gibt eine Menge Wasser. Von Eilendorf aus kommt der Haarbach, um in Haaren in die Wurm – ein 53 Kilometer langes Nebenflüsschen der Rur – zu münden. Und gerade, was das Wasser angeht, soll sich im Zusammenspiel mit weiteren Maßnahmen einiges tun. So etwa an der Wurm im Bereich des „Parks am alten Friedhof“ zwischen Feuerwache und Tuchmacherweg. Im Zuge einer Aufwertung des Parks sollen Terrassen am Wurmufer entstehen, wo heute noch eine unzugängliche Uferböschung ist. Die Gestaltung des Parks, so heißt es im Handlungskonzept, nehme „oberste Priorität“ ein.

Zudem soll der „Wurmwanderweg“ Richtung Soers erweitert werden, wo auch „Balkone“ am Fluss angelegt werden sollen. Neue Brücken und Wegeverbindungen – etwa im Bereich der Flächen, die für die einst geplante und dann verworfene Ortsumgehung „Haa-rener Allee“ vorgesehen waren. Neue Verbindungen soll es auch durch die Grünflächen Richtung Neuköllner Straße sowie am Haarbach geben. Mit etwas Sorge blickt Bezirksbürgermeister Corsten da allerdings auf die aktuellen überörtlichen Planungen für einen „Radschnellweg“, der auch an der Wurm entlang führen soll. Auf einem solchen sind Spaziergänger tabu. „Wir wollen aber keinesfalls, dass durch diese Planungen Wegeverbindungen zum Spazieren wegfallen“, betont er.

Neue Mitte und Markt

Die Ideen gehen dahin, den Wochenmarkt in Richtung des neuen Bezirksamts und der Kirche an der Germanusstraße zu verlagern. Auch Stadtteilaktivitäten und Events könnten in der „neuen Mitte“, wie sich das nennt, stattfinden. Abhängig sind solche Planungen jedoch auch von der Zukunft des alten Brauereigeländes zwischen Kirche und Marktplatz, das in Privatbesitz ist. Für den Marktplatz selber gibt es die Idee, den darunter fließenden Haarbach ans Tageslicht zu holen. Was nicht so einfach ist, denn das Bachbett befindet sich dort in großer Tiefe. Die Idee: Wasser hochpumpen, durch einen künstlichen Bachverlauf leiten und es am Ende per „Wasserfall“ wieder in Bach zurücksprudeln lassen. Ob das realisiert wird, da ist man in Haaren jedoch eher skeptisch.

Gewerbe satt

Im Bezirk Haaren/Verlautenheide gibt es reichlich und große Gewerbegebiete. „Da sind wir voll“, erteilt Corsten weiteren Flächen eine Absage. Die Erweiterung des Gebiets Elleter Feld am Haarbachtal um einen Neubau stelle da eine Ausnahme dar. Und nur durch den Einfluss des Bezirks sei dies noch gerade so verträglich gestaltet worden. Eine weitere Ausdehnung ins Haarbachtal werde es nicht geben, dieses Naherholungsgebiet sei enorm wichtig. Ebenso der Haarberg: Das dortige Erholungsgebiet soll weiter aufgewertet werden. Ein großes neues Gewerbegebiet Richtung Verlautenheidener Straße, wie es für den neuen Flächennutzungsplan vorgeschlagen war, komme dort nicht infrage. „Reden kann man höchsten über einen 30 Meter breiten Streifen zur Straße hin“, betont Corsten.

Bezirksvertretung und -amt

Dass Bezirksvertretungen heutzutage überflüssig sind, weist Corsten vehement zurück. So sei es – aktuelles Beispiel – nur der Offensive der Bezirksvertretung zu verdanken, dass eine in Verlautenheide geplante riesige Gasverdichterstation mitten auf der grünen Wiese nun nicht dort, sondern in Würselen gebaut werde. Überdies sei Aachen bei der kommunalen Neugliederung 1972 mit den Bezirksvertretungen, die erst später im Gesetz verankert wurden, Vorreiter gewesen. Auch dem Bezirksamt kommt größere Bedeutung zu, was dessen Leiter Frank Prömpeler freut. Künftig werden dort wieder Leistungen angeboten, für die man jetzt in die Stadt fahren muss. Dafür gibt es auch mehr Personal.

Und noch vieles mehr

Im Handlungskonzept finden sich darüber hinaus noch viele Pläne. Etwa zu Wohnprojekten an verschiedenen Stellen, die jedoch auch von Investoren und Eigentümern abhängen. Oder auch zur Behebung von Leerständen im sonst versorgungsmäßig gut ausgestatteten Bezirk. Die Zeitperspektiven der Umsetzung, die im 2014 aufgelegten Werk genannt werden, sind teils schon verstrichen. Gut Ding will eben auch in Haaren Weile haben.

Aber wie das mit einer „Bibel“ eben so ist: Erstmal muss es sie geben – und dann muss man dran glauben. Was in Haaren der Fall ist.

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