Aachen - Viele Gesichter häuslicher Gewalt

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Viele Gesichter häuslicher Gewalt

Von: Christiane Chmel
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Im Jahr 2014 erstellte die Polizei Aachen rund 890 Strafanzeigen in der Städteregion mit Bezug zu häuslicher Gewalt. In 366 Fällen konnte die Polizei Betroffene an die jeweils zuständigen Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt vermitteln.

Diese Zahlen gaben die Fachstelle gegen häusliche Gewalt in der Städteregion des Diakonischen Werkes im Kirchkreis Aachen, die Aachener Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ und die Polizei Aachen bekannt.

Im Vergleich zu 2013 kam es zu keiner signifikanten Erhöhung der Fallzahlen. Seit dem im Jahr 2002 verabschiedeten Gewaltschutzgesetztes hat sich die Zahl der jährlich erfassten Fälle von häuslicher Gewalt in NRW jedoch deutlich gesteigert. 2002 waren es noch 14 300 erfasste Strafanzeigen, 2014 schon 27 137. „Durch das Gewaltschutzgesetz ist es möglich, den oder die Täterin der Wohnung zu verweisen“, erklärte Renate Wallraff, Leiterin der Fachstelle gegen häusliche Gewalt in der Städteregion. „Zuvor mussten die meist weiblichen Opfer teils mit ihren Kindern in ein Frauenhaus flüchten.“

Auffällig an der aktuellen Statistik ist die hohe Zahl an Frauen mit Migrationshintergrund, die sich trauen, die Polizei zu verständigen. „Das zeigt deutlich, wie sehr das Angebot der Interventionsstellen gefruchtet hat“, betonte Natalie Djurkovic von der Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“. Eine besondere Herausforderung seien in diesem Zusammenhang die Sprachbarrieren. Die Interventionsstelle der Stadt hat schon seit längeren ein multilinguales Team, welches ab Mai durch eine Russisch sprechende Kollegin erweitert wird. „Es ist schwer über traumatische Erlebnisse zu sprechen“, so Djurkovic. „Obwohl viele der Frauen gut Deutsch sprechen, fällt es den meisten einfacher, in ihrer Muttersprache über die erlebte Gewalt zu berichten.“

In der Mehrheit sind immer noch Frauen weitaus häufiger Opfer von häuslicher Gewalt. Im Jahr 2014 gab es in der Städteregion Aachen nur 13 männliche Opfer. „Aber auch Gewalt gegen Kinder oder von Kindern im Jugendalter gegenüber ihren Eltern ist eine Form von häuslicher Gewalt“, betonte Sylvia Reinders, Kriminalhauptkommissarin und Opferschutzbeauftrage der Polizei. „Vor allem die Zahl der Jugendtäter ist auffallend gestiegen. Dabei sind Körperverletzung, schwere Körperverletzung und Bedrohung die häufigsten Strafbestände.“

Die Kooperation zwischen Polizei und Interventionsstellen bietet direkte Hilfe für von Gewalt betroffene Familien, da im Falle eines Polizeieinsatzes direkt Informationen über Handlungsmöglichkeiten weitergegeben werden. Die Kooperation mit der Polizei soll weiter ausgeweitet werden, um die Situation der Familien dauerhaft zu verbessern und Gewalt zu vermeiden. Zudem ist die Aufklärung wichtiger Bestandteil der Arbeit der Interventionsstellen. So informieren die Beraterinnen auch bei Integrationskursen der VHS über Rechte von Frauen und Möglichkeiten der Beratung. „Nicht allen ist klar, dass häuslicher Gewalt in Deutschland strafbar ist“, so Djurkovic. „In machen Kulturkreisen gehört solches Verhalten leider immer noch zum Alltag.“

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