Aachen - Viele Autofahrer reagieren hilflos aufs „Tatütata“

Viele Autofahrer reagieren hilflos aufs „Tatütata“

Von: red
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Platz da, es eilt: Wenn die Polizei oder andere Einsatzkräfte mit sogenannten Sonderrechten unterwegs ist, müssen andere Verkehrsteilnehmer ausweichen. Foto: Polizei NRW/Innenministerium NRW/Jochen Tack

Aachen. Ein Streifenwagen versucht, sich mit Blaulicht und Martinshorn einen Weg zwischen Autos, Fahrradfahrern und Fußgängern zu bahnen. Das Problem der Polizisten: Einige fahren und gehen zur Seite, andere winken hektisch „Wo soll ich denn hin?“, einige bekommen gar nichts mit und bleiben stehen.

Das ist eine Situation, die Polizei und auch Rettungskräfte nahezu täglich erleben, wenn sie auf einer Einsatzfahrt mit Sonderrechten und Wegerechten – sprich Blaulicht und Martinshorn – unterwegs sind. Und dabei heißt dieses „Tatütata“ nichts anderes als: Platz machen!

Es gebe oft die Situation, dass sich Leute vorbildlich verhalten und Platz schaffen, sagen Polizisten vom Wachdienst und Wechseldienst, die tagtäglich im Streifenwagen unterwegs sind. Es gebe aber auch jene Verkehrsteilnehmer, die völlig verunsichert genau das Falsche machen und so Einsatzwagen behindern.

Die Straßenverkehrsordnung regelt, was die einen dürfen und was die anderen müssen. Was darf die Polizei? So ist zum Beispiel die Polizei von den Vorschriften dieser Verordnung befreit, soweit dies zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist. Im Klartext: Polizisten dürfen mit Blaulicht und Martinshorn bei Rot über die Ampel fahren oder schneller fahren als erlaubt. Natürlich haben Polizisten bei solchen Fahrten den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu beachten.

Das heißt: Es muss immer eine Abwägung erfolgen zwischen den Gefahren, die man abwehren will, und den Gefahren, die durch das Abweichen von den Verkehrsregeln entstehen können. Unbeteiligte dürfen nicht gefährdet werden oder zu Schaden kommen.

Wohin, wenn das Blaulicht naht? Kurz gesagt: Der Verkehrsteilnehmer hat je nach Verkehrslage und Verkehrsaufkommen Platz zu machen, um so der Polizei eine freie Fahrt zu ermöglichen. In der Regel heißt dies nach rechts oder links ausweichen oder an den Fahrbahnrand fahren. Im Stadtverkehr kann ein Ausweichen auf eine Abbiegespur sinnvoll sein.

Wer Platz machen könnte, aber stehen bleibt und dadurch Einsatzfahrzeuge behindert, riskiert ein Bußgeld von 20 Euro. Auf keinen Fall darf man sich oder andere gefährden.

Ausweichen auch bei roter Ampel

Auch der, der Platz macht, sogar Platz machen muss, darf gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen. So darf er über eine durchgezogene Linie oder gar über eine rote Ampel fahren. Natürlich so, dass er sich und andere nicht gefährdet. Er hat in der Regel keine Verfolgung seines eigentlichen Verstoßes zu befürchten, heißt es bei der Polizei.

Empfehlenswert ist allerdings, sich Datum und Uhrzeit und die Art des Einsatzfahrzeugs zu notieren, für das man Platz gemacht hat. Sollte dennoch nach einem solchen „Platzmachen“ einmal ein Bußgeldbescheid oder eine „Knolle“ ins Haus flattern, kann man Einspruch einlegen und diesen begründen. Die Aachener Polizei dokumentiert ihre Einsatzfahrten mit Blaulicht und Martinshorn.

Um Sonder- und Wegerechte zu benutzen, müssen bestimmte Voraussetzungen vorliegen. Je nach Dringlichkeit entscheidet die Leitstelle „Robert“ im Aachener Polizeipräsidium. Hier laufen alle Notrufe über die „110“ zentral auf. Hier wird auch entschieden, ob Sonder- und Wegerechte freigegeben werden. Bisweilen mehr als 20 Mal am Tag sind die Ordnungshüter mit Blaulicht und Martinshorn in der Region unterwegs.

Damit sie diese besondere Situation richtig einschätzen und auch umsetzen, werden vor allem die jungen Polizisten und Polizistinnen im Rahmen eines Fahr- und Sicherheitstrainings eingewiesen und trainiert. Erst danach dürfen sie Sonder- und Wegerechte anwenden.

Nach dem brutalen Raubüberfall auf einen Aachener Juwelier in der vergangenen Woche hatte sich eine Passantin über die Fahrweise der Polizei mit Blaulicht und Martinshorn beklagt. Die in der gesamten Städteregion eingesetzten Polizistinnen und Polizisten gingen sensibel und sorgsam mit dem Thema Einsatzfahrten um, betont die Pressestelle der Aachener Polizei. Sie würden ein Risiko stets abwägen. Dieses Risiko zu minimieren, sei den Aachener Polizistinnen und Polizisten bisher ganz gut gelungen, heißt es weiter.

Auch im Rahmen der Einsatzfahrt nach dem Raub sei niemand zu Schaden gekommen oder gefährdet worden. Zu dieser Bewertung kommt die Polizei auch, nachdem sie mit der Passantin gesprochen hat.

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