Viel mehr Licht, aber auch weniger Leuchten

Von: Leon Heckmann
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Dank LED-Technik erstrahlt alles in neuem Glanz: Dombaumeister Helmut Maintz und Ingenieur Ralf Wolters sind mit dem neuen Lichtsystem der Domschatzkammer überaus zufrieden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Eine komplett neue LED-Beleuchtungsanlage mit wesentlich geringerem Energieverbrauch sowie ein digitales Lautsprechersystem für optimale Sprachverständlichkeit: Pünktlich zur anstehenden Heiligtumsfahrt wurden Dom und Domschatzkammer auf den neuesten Stand der Technik gebracht.

Hinter Dombaumeister Helmut Maintz und den beteiligten Betrieben und Firmen liegen anstrengende Wochen. Denn die Arbeit im denkmalgeschützten Dom und für die empfindlichen Exponate der Domschatzkammer stellte besondere Herausforderungen an die Verantwortlichen.

Die Erneuerung der Lichttechnik in der Domschatzkammer war schon seit längerem geplant, vor allem die immensen Kosten für Betrieb und Wartung der Anlage aus dem Jahr 1996 sprachen für einen Wechsel: Bis zu 50.000 Euro fielen bislang pro Jahr allein an Stromkosten für die in die Jahre gekommene Anlage an. Im Rahmen eines Förderprogramms des Bundesumweltministeriums zur Unterstützung der Umrüstung auf die wesentlich energieeffizientere LED-Beleuchtung entschied man sich Mitte vergangenen Jahres dann endgültig zur Investition in die Zukunft: Unter der Leitung von Ingenieur Ralf Wolters wurde die Lichtanlage der Schatzkammer komplett durch moderne LED-Leuchten ersetzt.

Vor der Ausschöpfung der vielen neuen Möglichkeiten der digital gesteuerten Lichttechnik stand für den Ingenieur aber zunächst einmal die Begegnung mit den kritischen Kuratoren und Historikern der Domschatzkammer. Denn: Licht kann neben Luftfeuchtigkeit und anderen äußeren Einflüssen einer der Hauptfeinde von empfindlicher Kunst und anderen historischen Exponaten sein.

Alle Leuchtmittel analysiert

So mussten vor Beginn der Baumaßnahmen zunächst alle Leuchtmittel vom Institut für Photometrik in Darmstadt auf ihr Schädigungspoteztial für Papier, Textilien und Ölfarben untersucht werden.

Eindrucksvolles Ergebnis: Ein komplexes System aus Lichtquellengeneratoren und Glasfaserleitungen versorgt 800 bis 1000 Lichtpunkten verlustfrei mit dem nahezu UV-freiem LED-Licht. „Die individuelle Anpassung der Lampen garantiert nicht nur eine kunstschonende Ausleuchtung, sondern auch eine beispiellose Brillanz der beleuchteten Exponate“, erzählt der Ingenieur sichtlich stolz. Besonders sei außerdem die diskrete Anbringung, die mit den kleinen LED-Leuchten möglich sei: „Die Besucher sehen mehr Licht, aber weniger Leuchten.“

Bei einer Lebensdauer von 20 Jahren sollen sich die Gesamtkosten von 145.000 Euro auf lange Sicht rentieren. LED-Leuchten sind energiesparender, zudem wird durch geringere Wärmeabgabe die Klimaanlage der Schatzkammer entlastet. „Wir rechnen mit einer Ersparnis von fast 80 Prozent“, sagt Maintz. Mit Präsenzmeldern ausgestattet, reagiert das System automatisch – und schaltet dort ab, wo gerade kein Licht benötigt wird. 70.000 Kilowattstunden und mindestens 22.000 Euro sollen so jährlich eingespart werden.

Auch bei der Planung der neuen Lautsprecheranlage für den Dom lautete das Motto: Weniger ist mehr. So sind aus ursprünglich zehn Lautsprechern in der Chorhalle lediglich zwei geworden – aus Gründen des Denkmalschutzes, wie Christoph Bonde von der Firma Steffens Systems aus Köln erklärt: „Für den Dom sind wir zu Minimalisten geworden.“ So lag der Fokus neben der deutlich verbesserten Sprachverständlichkeit auf diskreter Unterbringung von möglichst wenigen Lautsprechern. Doch auch diese stammen wie die LED-Lichtanlage aus einer neuen Technikgeneration: „Aktive, digital steuerbare Richtlautsprecher“ ermöglichen nun eine „individuelle Beschallung, die optimal an den jeweiligen Raum angepasst ist und dabei eine gleichmäßige Verteilung des Schalls garantiert“, erzählt Bonde. Damit zieht der Aachener Dom mit einem „Konkurrenten“ aus Italien gleich: Auch der Mailänder Dom wurde von Bondes Firma mit hochwertiger Lautsprechertechnik ausgestattet.

Doch auch hier brachte die neue Technik neue Herausforderungen mit sich: Insgesamt ganze 5000 laufende Meter Elektro- und Datenkabel mussten von der Firma von Jürgen Beele für die Lautsprecher neu verlegt werden. Auch hier lag der Fokus für die Handwerker auf der Unsichtbarkeit der Verkabelung, und natürlich durfte im denkmalgeschützten Dom nicht nach Lust und Laune gebohrt werden, um Platz für die Kabel zu finden. So mussten Wege vor allem unterhalb der Fußböden des Doms gefunden werden, außerdem konnte immer nur nach Schließung des Doms außerhalb der Besucherzeiten gearbeitet werden. Die Gesamtkosten von 120.000 Euro wurden durch eine größere Spende teilfinanziert.

„Nun kann ich mich endlich auf die Heiligtumsfahrt freuen“, sagt Dombaumeister Maintz erleichtert, „in dieser Zeit wird nämlich nicht gebaut.“

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