Viel mehr als ein nettes Zugeständnis

Von: Rolf Hohl
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Eine Lobby für die Jüngsten: Beim Bildungstag der Städteregion Aachen in der Aula Carolina übernahmen Sina Jansen und Ins Aberding (links) den Part der Schülervertretung. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Bei der Gestaltung der Zukunft werden ausgerechnet jene viel zu wenig gefragt, die es am meisten betrifft: die Kinder. Wie diese konkret an Entscheidungsprozessen besser beteiligt werden und damit auch Verantwortung übernehmen können, ist besonders für Bildungseinrichtungen ein wichtiges Thema.

Über 600 Vertreter von Schulen, Kitas und außerschulischen Lernorten aus der Region haben sich darum auf Initiative der Städteregion in Aachen zum Bildungstag 2016 zusammengefunden.

Neben dem familiären Umfeld sind die Bildungseinrichtungen jene Orte, an denen Kinder wohl die meiste Zeit verbringen. Dort findet ihre Sozialisation statt, dort lernen sie Freunde und Konflikte kennen. „Wir Erwachsenen dürfen nicht immer denken, dass wir allein wüssten, was gut für die Kinder ist“, mahnte Susanne Schwier, Kulturdezernentin der Stadt Aachen bei der Abendveranstaltung in der Aula Carolina.

„Aber etwa in der Kita müssen wir trotzdem auch Grenzen setzen, damit das Miteinander funktionieren kann.“ Wichtig sei auch, dass Kinder scheitern dürften, und dass sich Bildungsbeauftragte nicht gleich entmutigen ließen, wenn eines ihrer Konzepte mal nicht auf Anhieb funktioniere, so Schwier.

Die Städteregion geht bei der Beteiligung von Jugendlichen im schulischen Bereich voran. „Wir setzen dabei stark auf die Schülervertretungen. Politische Partizipation funktioniert unserer Erfahrung nach besonders gut, wenn die Jugendlichen untereinander zusammenarbeiten“, sagte Markus Therodde, Bildungsdezernent der Städteregion Aachen. Die Fäden aus den Schülervertretungen laufen dann schließlich bei Sina Jansen und Ines Alberding zusammen. Sie machen ihr Freiwilliges Politisches Jahr bei der Städteregion und sammeln dort die Anregungen aus den Vertretungen und bringen diese etwa mit Jugendorganisationen von politischen Parteien zusammen.

Obwohl das Mitspracherecht für Kinder ein wenig wie ein nettes Zugeständnis der Erwachsenen klinge, müsse man das durchaus ernst nehmen, wie Lothar Krappmann sagte. Er ist Soziologe und international anerkannter Forscher im Bereich Kinderpolitik – und war in dieser Funktion auch von 2010 bis 2013 Mitglied im Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen.

„Das Recht auf Gehör, wie die Kinderrechtskonvention die Einbeziehung der Kinder nennt, ist keinesfalls nur Wohlwollen von uns Erwachsenen. Es ist ein fundamentales Menschenrecht, das unbedingt eingehalten werden muss.“ Es gelte daher das Prinzip, dass ein Kind, sobald es sich zu einem Sachverhalt eine eigene Meinung bilden kann, auch gehört werden muss. Wo dies noch nicht möglich sei, müssten diese zumindest beteiligt werden, betonte Krappmann.

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