Viel mehr als ein „Käffchen” für Maffay

Von: Matthias Hinrichs
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Gespräche auf Augenhöhe: Ber
Gespräche auf Augenhöhe: Berührungsängste sind beim Besuch von Peter Maffay im Café Plattform jedenfalls kein Foto: Michael Jaspers

Aachen. Olaf (44) kriegt was auf den Hut - und zeigt ein breites, verknautschtes Lächeln unter seinem ziemlich verschlissenen „Markenzeichen”. Im Leben hat er oft Pech gehabt. Sonst säße er wohl jetzt nicht hier. Heute hat er Glück.

Einer der erfolgreichsten Musiker der Republik lässt sich nicht lange bitten und platziert sein Autogramm per Filzstift direkt über der Krempe von Olafs lederner Kopfbedeckung: „Peter Maffay”.

Klar, Simone Holzapfel, Leiterin des Café Plattform, hat am Vorabend in viele ungläubige Gesichter geguckt - als sie verraten hat, dass der berühmte Künstler die Anlaufstelle der Caritas für Obdachlose an diesem Dienstagmorgen persönlich beehren werde. Ohne großes PR-Getöse und so. Doch als der prominente „Stargast”, eskortiert nur von seinem Manager Sascha Hellen, über die Schwelle stiefelt, brandet begeisterter Applaus auf. Dat isser wirklich! Schulterklopfen, Händeschütteln, freundliche Begrüßungsworte auf sprichwörtlicher Augenhöhe.

Die Laschets haben reichlich Mühe, den beiden einen Weg durchs Gedränge zwischen dicht besetzten Frühstückstischen zu bahnen. Den engagierten Kultrocker Richtung Dreiländereck zu lotsen, war dagegen gar kein Problem, erzählt Susanne Laschet, Vorsitzende des Fördervereins für das Café Plattform. Schließlich ist ihr Gatte Armin, seines Zeichens Landtagsabgeordneter und Chef der Aachener CDU, seit Jahren gut befreundet mit dem Künstler.

Der hat nicht gezögert, als Susanne Laschet ihn fragte, ob er dem „Plattform” nicht eine Visite abstatten wolle, bevor er am Abend in Kerkrade mit der Martin-Buber-Plakette der Euriade-Stiftung ausgezeichnet würde. Nicht von ungefähr ist Maffays Einsatz für die Schwachen und Schwächsten seit Jahr und Tag mindestens so legendär wie sein Ruf als sprichwörtliche Rockikone.

Und genauso alltäglich. Das „soziale Spannungsfeld in diesem Land wird wohl noch größer werden”, sagt er nachdenklich, als Simone Holzapfel ihm die Räume und Angebote im „Plattform” zeigt; 20 Schlafstätten, die praktisch ständig ausgelastet sind, Waschgelegenheiten, Küche. Immer wieder fragt Maffay nach, erkundigt sich genauer: Allenfalls 20 Prozent der „Klienten” schaffen wohl dauerhaft den Sprung zurück „ins normale Leben”, berichtet die Sozialarbeiterin. Ja, auch junge Leute suchen verstärkt ein Obdach an der Hermannstraße. Die Bilder an den Flurwänden haben die Gäste selbst gemalt, nicht wenige engagieren sich als ehrenamtliche Helfer im Café.

Viel Überzeugungsarbeit müssen sie nicht leisten. „Es ist sehr schade, dass viele Menschen nicht bereit sind, sich wirklich mit dem Schicksal anderer auseinanderzusetzen”, sagt Maffay. Und: „Ich danke Ihnen allen für diesen herzlichen Empfang. Das hier ist auch für mich etwas Besonderes. Man spürt, dass jeder von Ihnen ein ordentliches Paket mit sich herumschleppt. Dieses Haus leistet einen ganz wichtigen Beitrag zur Solidarität in unserer Gesellschaft.” Dann ergattert er einen Stuhl, nimmt gern ein „Käffchen”, plaudert lange mit seinen Tischnachbarn. Und verewigt seinen Namenszug beileibe nicht nur auf Olafs Lederhut.

Nur über seine ungezählten künstlerischen Triumphe erzählt er nichts. Bis einer ihn fragt, wann der zweite Teil seines Erfolgsmusicals „Tabaluga” über die Bühne geht. „Nächstes Jahr im Oktober ist es soweit”, sagt Peter Maffay. Und wirft seinem Manager einen vielsagenden Blick zu. „Wir sorgen dafür, dass Tickets zum Gastspiel in Köln für euch reserviert werden.”

Spenden sind gerade jetzt besonders nötig

Die finanzielle Unterstützung für die Einrichtung der Wohnungslosenhilfe bei der Caritas sei in jüngerer Zeit leider spürbar zurückgegangen, berichtet Susanne Laschet.

Spenden werdengerade in der kalten Jahreszeit dringend benötigt: Kontonummer 200 71 77, Sparkasse Aachen, BLZ 390 500 00.

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