Viel Gegenwind für Elisenbrunnen-Plan

Von: Robert Esser und Oliver Schmetz
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Wer behält den Durchblick? Die geplante Verkehrsführung am Aseag-Knotenpunkt Elisenbrunnen ist heftig umstritten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Platz da!? Der neue Elisenbrunnen muss Raum schaffen für Fußgänger, und Platz machen sollen dafür vor allem die Busse - diesen Plan hegen CDU und Grüne auch für die dem Friedrich-Wilhelm-Platz zugewandte Seite des Theaterplatzes. Und so hat man das Vorhaben in den Koalitionsvertrag geschrieben - genauso wie es die SPD-Opposition bereits einige Tage zuvor gefordert hatte.

„Die den Friedrich-Wilhelm-Platz querenden Busverkehre sollen reduziert werden”, heißt es in dem Papier, über das heute Abend die grüne Basis abstimmt. Und: „Die Busse nutzen die Platzanlage gleichberechtigt mit den Fußgängern.”

Dazu will man die Haltestellen „im Zuge der Neuordnung des Busliniennetzes in Aachen” zwischen Theater und Bushof neu positionieren.

Derart soll das auch der CDU-Parteitag absegnen - nachdem die Ratsfraktion dem kompletten Koalitionspapier bereits am Montagabend einstimmig zugestimmt hatte. Bloß: Die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem ÖPNV dürfe nicht gefährdet werden, heißt es.

Wie das gehen soll, kann sich Hans-Peter Appel, Chef der Aseag-Flotte, jedoch beim besten Willen nicht vorstellen. „Wir werden die Zahl der Busse dort nicht reduzieren können”, hält er den schwarz-grünen Plänen entgegen, „denn wir haben Jahr für Jahr mehr Fahrgäste, die genau dorthin wollen.”

Rund 40.000 seien dies mittlerweile pro Tag. Appel erinnert daran, „dass wir genau diese Diskussion vor zehn Jahren schon gehabt haben, und auch damals hat das nicht funktioniert”. Seinerzeit habe man geplant, die 7er-Linien von und nach Laurensberg nicht mehr über den Elisenbrunnen zu führen - „was einen Aufschrei unserer Kunden in Laurensberg zur Folge hatte und auch die dortige Politik alarmierte”.

Deshalb sei der Plan damals wieder schnell begraben worden. Bessere Chancen sieht der Aseag-Chef für die Idee auch heute nicht: „Ich bin sicher dafür, am Elisenbrunnen durch bauliche Maßnahmen mehr Platzcharakter zu schaffen, aber ich sehe nicht, dass wir dort auch nur einen Bus weniger fahren lassen.”

Dafür plädieren auch die anliegenden Einzelhänder, die das Projekt Fußgängerzone einigermaßen entsetzt kommentieren. Von einer „Katastrophe” spricht Rita Corsten von „Lieck & Müller”: „Die Verkehrsführung rund um den Elisenbrunnen schreckt Einkaufswillige jetzt schon ab”, sagt sie.

Ihr Nachbar Axel Hagemann vom Senioren-Vitalcenter fordert eine Kehrtwende: „Am Theater wäre genug Platz für mehr Parktaschen. Warum sind die nicht längst für unsere Kunden geplant?”, fragt er. Und der Chef vom „Haus der Geschenke”, Stefan Demmer, resümiert nach Gesprächen mit anderen Geschäftsleuten: „Wir sind uns sicher, dass man sich mit einer Beschneidung der Bushaltestellen am Elisenbrunnen keinen Gefallen tun würde.” Es drohe eine Abwanderung der Kundschaft, wie man es bereits auf dem Markt erlebt habe, warnt er.

Manfred Piana, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, erklärte: „Die Sorgen sind berechtigt.” Die demografische Entwicklung zeige, dass mittlerweile viel mehr Senioren auf Busverbindungen und kurze Fußwege angewiesen seien.

„Das ist eine sehr sensible Sache, der sich die Union - wie ich aus jüngsten Gesprächen weiß - sehr wohl weiterhin bewusst ist.” Busse zu verbannen, werde Widerstand aus dem Handel hervorrufen, sagte er.

Völlig unklar ist die Entwicklung für die Polizei, die den Elisenbrunnen seit einem Jahr mit Kameras überwacht - vor allem um ausuferndem Taschendiebstahl an der Drehscheibe des Öffentlichen Personennahverkehrs Herr zu werden.

„Ob die Videobeobachtung überflüssig wird oder gar verlagert werden muss, ist derzeit völlig offen. Wir werden erstmal die Entscheidungen der Politik abwarten”, übte sich Polizeisprecher Paul Kemen in Geduld.
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