Viel Freiraum für messerscharfe Denker

Von: Felix Lennertz
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Alles läuft nach Plan: Günte
Alles läuft nach Plan: Günter Carpus (vorn rechts) und Peter Winkler besprechen den Ablauf der Feier zur Eröffnung ihres neuen Gebäudes auf dem Campus Melaten. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Peter Winkler und Günter Carpus sind eher lockere Typen, Marke: Heute lieber mal ohne Krawatte. Am Wochenende hatten sie dann doch mal eine an. Der Grund zum Feiern: Ihre neue Firmenzen-trale, das Herzstück des deutschlandweit tätigen Beratungs- und Planungsunternehmens Carpus + Partner, ist mit viel Tamtam, lokaler Prominenz und einem rauschenden Fest eingeweiht worden.

Nun gut, aha, ist also wieder so ein Bürokomplex eingeweiht worden, noch ein neues Gebäude auf dem Campus Melaten. Was von außen noch aussehen mag wie ein modernes, aber vielleicht herkömmliches Bürogebäude, entpuppt sich beim Betreten als revolutionäres Stück Baukunst. Wer sich auf die ungewöhnliche Architektur einlässt, versteht schnell, warum zum Fest so viele Größen aus Forschung, Industrie und Lehre gekommen sind und warum das Haus ein gebautes Stück Campus-Philosophie ist.

Das neue Haus trohnt am Ende der (noch nicht fertig gebauten, man holt sich noch matschige Füße) Forckenbeckstraße, der zen-tralen Erschließungsachse des Campus Melaten, und der Bau atmet genau das, was die Erfinder der Campus-Idee seit Jahr und Tag gebetsmühlenartig predigen. Vernetzung. Grenzüberschreitung. Vermischung. Flexibilität. Interdisziplinarität.

Sichtbarstes Zeichen: Es gibt so gut wie keine Wände. Herzstück des Baus ist ein viereckiger Innenhof mit Glasdach, Peter Winkler nennt ihn liebevoll „unser Atrium”. Er könnte ihn auch Forum nennen, ein bisschen wie im alten Rom, denn in diesem Innenhof finden Gespräche statt, Vorträge auch, es kreuzen sich aus allen Ebenen des Baus die Sichtachsen, hier findet das Firmenleben statt. Fenster oder Vorhänge gibt es zum Innenhof nicht, nur eine hüfthohe Brüstung.

Rundherum steigen L-förmige, weite und luftige Etagen auf, das ganze Gebäude ist eine eckige Spirale, die nach oben aufsteigt. Keine Wände stören den Blick zwischen den Bereichen, in denen gearbeitet wird. Strukturiert werden die großen Flächen durch lange Arbeitstische, unterteilt durch 1,60 Meter hohe elegante weiße Regalmodule. Open Space nennt Winkler das. Am Ende jeder Ebene folgt ein Gemeinschaftsbereich mit Stehtisch, weiter eine Art Wohnzimmer, zudem Denkerzellen, in die sich ein Mitarbeiter bei Bedarf zurückziehen kann. Die Stufen zur jeweils nächsten Ebene sind während der Planung, übrigens ein Gemeinschaftsprojekt aller 130 Mitarbeiter, so gebaut worden, dass man sich auch mal informell auf die Treppe setzen kann, um den Gedanken freien Lauf zu lassen.

Chefbüro? Fehlanzeige. Alle Menschen, die bei Carpus + Partner schaffen, sagt Günter Carpus, jeder einzelne, sei Teil des Teams, und das schließe ihn und Winkler ja nunmal ein. Carpus und Winkler sitzen sich auf Ebene vier gegenüber, man kann ihnen über die Schultern schauen, auch hier: keine Wände. Bei Bedarf wechseln auch sie schonmal den Arbeitsplatz. Das geht im neuen Gebäude besonders gut, und das ist der Kern der Philosophie dieses Baus.

Kommissar Zufall

Alle Daten, die ein Mitarbeiter zum arbeiten braucht (Akten, Mail-Konto, Korrespondenzen etc.), sind virtuell in ein Rechenzentrum ausgelagert. Die moderne Technik machts möglich: Der Arbeitsplatz des Mitarbeiters ist immer genau da, wo er sich einloggt. Da klingelt dann seine persönliche Telefonnummer, da findet er seine Daten, egal ob auf Ebene eins oder drei oder an den Standorten Ulm, Frankfurt oder Köln.

Sinn und Zweck der Sache: Je komplexer die Projekte, an denen gearbeitet wird, desto mehr Fachwissen ist erforderlich, was immer wieder neu zusammengewürfelte Expertengruppen bedeutet. Weil man aber nicht wolle, dass Kreativität und Effizienz durch zermürbende Termin-Koordinitis und gehemmte Kommunikation geschmälert werden, habe man dem Informellen eben einen schönen Rahmen gebaut, erklärt Winkler. Das Ganze hat einen schicken Namen, und er ist die Philosophie der Firma: face to face, von Gesicht zu Gesicht. „Wir bringen die Experten auf Augenhöhe und ohne formelle Zwänge zusammen. Das lässt ihnen den Raum, sich zu entfalten und informell zu kommunizieren.” Wo der Zwang fehlt, da reagiert manchmal Kommissar Zufall. Und der „ist ja manchmal der schnellste und beste Problemlöser”, sagt Carpus.

Entfalten können sich die Menschen im neuen Haus übrigens nicht nur rein beruflich. Auf Ebene vier steht auch ein Raum mit Kicker und Klavier, in anderen Räumen wurden E-Gitarren gesichtet, und die Dachterrasse ist mit Sand und Lampenputzergras zur Dünenlandschaft gestaltet worden, mit prächtigem Blick auf die Campus-Allee.

Spielerei? Nein - das sei kein Schnickschnack aus dem Management-Handbuch, betonen die Macher. Man habe es durchgerechnet, „wir sind ja ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen”, sagt Winkler. Die neue Art des Arbeitens, da sind sich Winkler und Carpus sicher, garantiere eine Effizienzsteigerung um 15 bis 20 Prozent. Dass das Unternehmen aber trotz einer Fokussierung auf Effizienz offensichtlich ein ziemlich beliebter Arbeitgeber ist, konnte man am Freitagabend ganz gut sehen. Fast alle Programmpunkte (Comedy, Akrobatik, Clownerie und ziemlich gute Live-Musik) wurden von den Mitarbeitern geliefert. Winkler und Carpus waren am Ende des Abends zwar müde, aber ziemlich gerührt und fröhlich. Sie sind ja auch ziemlich stolz auf ihren ganz persönlichen neuen Carpus-Campus.

Kreativ und gemeinsam auf der Piste

Kreativität wird bei Carpus + Partner groß geschrieben. Mit verschiedensten Workshops und sogar gemeinsamen Skiurlauben wird die Teamfähigkeit gefördert.

Lob fürs Gebäude und vor allem die Firmenphilosophie gab es den ganzen Abend, vor allem in den Gesprächen unter den Gästen.

Wer sich die neue Firmenzentrale anschauen möchte, kann unter Tel. 88750 Kontakt aufnehmen - „er wird bestimmt nicht abgewiesen”, sagt Carpus.
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