Aachen - Viel Ärger um „Datenklau” an der Bäderkasse

Viel Ärger um „Datenklau” an der Bäderkasse

Von: Matthias Hinrichs
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Getrübter Genuss: Die Praxis der Carolus Thermen, Behindertenausweise zu kopieren, um den Anspruch auf kostenlose Begleitung zu dokumentieren, stößt auf Verärgerung. Foto: Harald Krömer

Aachen. Spätestens, als AZ-Leserin Monika Schulze jüngst ihre Rechnung in der Carolus Therme begleichen wollte, konnte von Entspannung und Wohlbefinden nicht mehr die Rede sein.

Dabei hatte die Herzogenratherin vor dem Besuch der Bäderlandschaft an der Passstraße noch mit Freuden vernommen, dass sie die Angebote des Hauses sogar zum Nulltarif in Anspruch nehmen dürfe. Da ihr Sohn schwerbehindert und von daher auf eine Begleitung angewiesen ist, fallen für Letztere nämlich keine Eintrittskosten an.

Das Problem tauchte jenseits des Beckenrands auf - und zwar in Gestalt eines Fotokopierers. Denn an der Kasse gab man sich mit dem schlichten Augenschein des Behindertenausweises nicht zufrieden. „Die Kassiererin kopierte den Pass, obwohl ich dagegen protestiert habe”, empört sich die Mutter. Begründung: Zwecks interner Verbuchung sei das Haus auf einen schriftlichen Beleg angewiesen. Dergleichen, entgegnet Monika Schulze, habe sie trotz langjähriger Erfahrung als Mutter eines schwerbinderten erwachsenen Sohnes, noch nie erlebt. Ein solcher „Datenklau” sei schlicht nicht hinnehmbar.

Das bestätigt - im Prinzip - auch der Sprecher des Landesdatenschutzbeauftragten, Nils Schröder: „Daten wie diese langfristig gegen die Einwilligung des Kunden zu speichern, ist hier zunächst einmal sicher nicht zulässig”, sagte er der AZ.

Von „Klau”, entgegnet indessen Gabriele Wiese, könne keinesfalls die Rede sein - allenfalls quasi von einem kurzzeitigen Ausleihvorgang. „Um Behinderten das besondere Angebot bieten zu können, müssen wir das natürlich dokumentieren”, erklärt die kaufmännische Leiterin der Therme auf Anfrage.

Grundsätzlich erhalte jeder Besucher zunächst eine Art Plastikchip, einen „Coin”, auf dem sämtliche Leistungen verbucht werden, die während des Thermenbesuchs in Anspruch genommen werden. An der Kasse ist der Endbetrag dann zu erstatten. „Um das Eintrittsgeld wieder zu stornieren, benötigen wir natürlich einen Beleg des Behindertenausweises”, so Wiese. Nach der internen Prüfung in der Bürozentrale an der Krefelder Straße würden die Kopien allerdings umgehend geschreddert. Gabriele Wiese verspricht jedoch: „Wir werden jetzt noch einmal eingehend prüfen lassen, ob dieses Verfahren allen datenschutzrechtlichen Vorschriften entspricht.”
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