Viel Adrenalin vor dem ersten Praxistest

Von: Kristina Toussaint
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Kreativ: Parcoursbauer Dr. Wolfgang Asendorf im Gelände in der Soers, hier mit einem Baustein-Hindernis für den Vierspänner-Marathon, der am Samstag um 13.30 Uhr startet. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Eine der schwersten Geländestrecken in ganz Deutschland“ nennt Parcoursbauer Dr. Wolfgang Asendorf die Marathonstrecke, die die besten 25 Vierspänner-Fahrer der Welt am Samstag in der Soers zu absolvieren haben.

Neben technischen Herausforderungen für die Weltklassefahrer muss der Kurs aber auch Spannung für nicht kundige Zuschauer bieten. Getestet wird die Strecke vor dem Start nicht.

Fünf der acht Hindernisse, die die Gespanne auf der 8150 Meter langen Strecke erwarten, sind aus dem inzwischen bewährten „Lego-System“ konstruiert. Nach Asendorfs Plan werden die Elemente von Architekt Ulrich Schaffrath und Platzmeister Rolf Zillekens zu Hindernissen zusammengebaut. Seit 2002 ist Asendorf, hauptberuflich Veterinär in der Lüneburger Heide, Parcoursbauer auf dem CHIO. Das Baukastensystem erlaubt, jedes Jahr eine komplett neue Strecke mit einer anderen Hindernisabfolge zusammenzustellen.

Erstmals feste Hindernisse

Große Neuerung in diesem Jahr: drei feste Hindernisse, die auch nach dem Ende des Pferdesportfestes in der Soers stehen bleiben können. Bislang musste vier Wochen nach dem Turnier alles wieder abgebaut sein. „Die Neuerung ermöglicht es uns, ein komplett neues Bild reinzubringen“, so Asendorf. Die Anforderungskurve an die Fahrer steigt auf dem diesjährigen Marathonkurs schnell an: Gleich das zweite Hindernis birgt einige Tücken. Mit 1,50 Metern Seitenlänge verleiten die relativ kleinen Elemente zu sehr schnellem Fahren, zugleich verlangen die engen Wendungen sehr schnelles Umgreifen an den Zügeln. Beim kleinsten Fehler des dreiköpfigen Fahrteams verpasst das Gespann die rot-weißen Flaggentore, die es in alphabetischer Buchstabenreihenfolge zu durchfahren gilt.

Als zweites Parcourselement, das als Investition in die Zukunft auf dem Gelände in der Soers bleiben wird, hat Asendorf ein S-förmiges Labyrinth entworfen – ein „hochtechnisches Hindernis“ mit Heckenelementen, die über die Jahre so weit zuwachsen werden, dass das Holzgerippe nicht mehr zu sehen sein wird.

Hindernis sechs bietet den Fahrern mehrere Optionen: Der kürzeste Weg führt durch ein drei Meter tiefes Loch mit einem Durchmesser von zehn Metern. Der ebene Weg ist länger, erfordert aber auch einen wesentlich geringeren Kraftaufwand als das Durchfahren der Senke.

Insgesamt erwartet die Fahrer in der Geländeprüfung ein sehr anspruchsvoller Kurs, der dem Aachener Niveau gerecht werde, so Asendorf. Unter Einhaltung der empfohlenen Erholungsphasen von 700 Metern hat der Parcoursbauer die maximale Anzahl an Hindernissen auf der gegebenen Fläche platziert. Oberstes Gebot bei der Kursplanung: „Eine gute Mischung aus dem Schwierigkeitsgrad, der Pferde- und Menschenfreundlichkeit.“ Bei aller Massivität sind die Holzelemente nachgiebig, um Verletzungen der Pferde zu vermeiden.

Moment der Wahrheit

Asendorf ist mit Leidenschaft dabei, das merkt man, wenn man mit ihm spricht. Während seiner Studienzeit fuhr er selbst, stieg dann wegen mangelnder Zeit neben dem Job in die Streckenplanung ein. Seine Kurse werden, wie in Fahrprüfungen üblich, vor dem Wettbewerb nicht getestet. Erst wenn Boyd Exell oder Chester Weber ihre Vierspänner am Samstagnachmittag ab 13.30 Uhr durch die Soers dirigieren, wird sich zeigen, ob alle Schikanen, alle Wendungen und Durchfahrten tatsächlich so funktionieren wie vom Parcoursbauer erdacht. „Mein Adrenalinspiegel ist an dem Samstag ab 11 Uhr dann regelmäßig sehr hoch“, sagt Asendorf lachend.

Das Gute an Aachen sei, dass auch Ideen, die zunächst als „verrückt“ abgestempelt würden, doch irgendwie möglich gemacht würden. Ein rasantes Rennen also, das sich den Zuschauern bieten wird. Asenborn: „Das Publikum hier ist einmalig, die Menschen kommen in Scharen – ein riesiger Ansporn für Fahrer und Kursbauer.“

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