Aachen - Videos, Analyse und dann Stadionverbote

Videos, Analyse und dann Stadionverbote

Von: Hans-Peter Leisten
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Randale im Block S6: Ordner un
Randale im Block S6: Ordner und szenekundige Beamte der Polizei versuchen, die Schläger dingfest zu machen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Vorgang ist in der 111-jährigen Geschichte von Alemannia Aachen in dieser Dimension einmalig, die Konsequenzen sollen entsprechend hart sein. Und alle Verantwortlichen sind sich einig, dass sich Dinge wie Sonntagnachmittag nie mehr wiederholen dürfen.

Gegen Ende der ersten Halbzeit beim Spiel gegen Aue war es zu einer Schlägerei im Fan-Block der „Aachen-Ultras” gekommen. Unabhängig davon, dass Gewalt absolut abgelehnt wird, schütteln die Funktionsträger der Alemannia, der Fan-IG, des Fan-Projektes und letztlich auch der Polizei den Kopf darüber, dass sich Fans aus dem gleichen Lager an die Wäsche gegangen sind. Wobei kein Zweifel daran besteht, dass die jetzigen Ultras die Angegriffenen sind.

„Wir werden das nicht akzeptieren! Erst ist eine Analyse angesagt, dann folgen Konsequenzen”, macht Alemannia-Präsident Dr. Alfred Nachtsheim eine klare Ansage Richtung „Alemannia Supporters”. Mitglieder dieser Fan-Gruppierung hatten sich, verbal unterstützt durch die „Karlsbande”, unter die Ultras gemischt, provoziert und die Fäuste fliegen lassen. Bereits kurz nach dem Spiel hatte Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer versichert, dass jeder identifizierte Täter neben einem Strafverfahren auch ein Stadionverbot erhalte. Gestern gab es zudem eine große Runde mit Polizeipräsident Klaus Oelze, um weitere Maßnahmen zu beraten.

Seit Beginn dieser Saison geht auch ein äußerlich wahrnehmbarer Riss durch die Fan-Schar. Die Karlsbande steht in der Mitte der Stehgeraden, die Aachen Ultras sind ins „Adlernest” Richtung Ehrentribüne umgezogen, die Supporters stehen gegenüber. Unterschiede gibt es aber auch in der Gesinnung, denn die Ultras lehnen ganz dezidiert jegliche Form von Radikalismus ab - im Stadion genauso wie davor. Und hier liegt ein möglicher Anlass für die handfeste Konfrontation. Am Donnerstag hatte das Aachener Fan-Projekt der AWO zu einer Lesung mit dem Autoren Ronny Blaschke gegen versteckte rechte Strömungen eingeladen. Als dort Mitglieder der Karlsbande auftauchten, fühlten sich mehrere Besucher bedroht.

„Ich habe daraufhin einige Leute hinausgebeten, die mit versteckten Drohungen den Raum verlassen haben”, bestätigt Kristina Walther, Leiterin des Fan-Projektes. Diesen Vorfall haben einige Gewaltbereite Sonntag genutzt, um sich an den Ultras zu rächen. Walther betont auch, dass man nicht komplette Gruppen verantwortlich machen könne. „Aber jeder muss genau hinsehen, mit wem er Hand in Hand geht.” Jetzt müsse sich die gesamte Fan-Szene positionieren.

Genau wie Präsident Nachtsheim fordert auch Klaus Offergeld von der IG der Alemannia-Fans und Fanklubs direkt harte Maßnahmen. „Die Alemannia muss nur in aller Konsequenz die Stadionordnung umsetzen beziehungsweise von ihrem Hausrecht Gebrauch machen - dann bleiben diejenigen, die ihre Interessen über die des TSV setzen, draußen.” In einer Stellungnahme entschuldigten sich die Supporters am Abend für die Reaktion „einiger Mitglieder”, distanzierten sich zudem von jeglichem Rechtsradikalismus.

Von einer neuen Qualität der Auseinandersetzung spricht die Polizei: „Wir werden unsere Aufnahmen analysieren und dann ermitteln”, beschreibt Polizeisprecher Paul Kemen das weitere Vorgehen. Eine Anzeige wegen Landfriedensbruchs sei eingegangen. Noch habe man keine konkreten Hinweise auf rechtsradikale Strömungen, werde aber diesem Verdacht nachgehen. Die Polizei habe zwar szenekundige Beamte im Block gehabt, aber: „Dass Fans eines Vereins so zerstritten sind, war nicht zu erwarten.”

Auch im Block der „Karlsbande” gibt es jede Menge echte Alemannia-Fans. Diese haben wie tausende andere am Sonntagnachmittag ein Bekenntnis zu ihrem Verein abgegeben.

Die Fan-IG hatte auf eigene Rechnung 13 000 schwarz-gelbe Mini-Plakate drucken lassen mit der Aufschrift „Aachen = Alemannia = Aachen”, die hochgehalten wurden.
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