Aachen - Videokunst: Großes Kino im Museum

Videokunst: Großes Kino im Museum

Von: Peter Motz
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Im Cineplex bricht der Film „Avatar” Aufwands- und Einspielrekorde, der Flatscreen liefert flimmerfrei Dokus im Dutzend - Bilderwelten 2010. Gegenwelten zeigt der Neue Aachener Kunstverein (NAK).

Dessen neue Ausstellung heißt „das ist die Lebenswelt” - kleines „d”, aber großes Kino. Filmstart: heute Abend um 20 Uhr. Zu sehen ist alternative Videokunst von vier jüngeren Szenegrößen. Im Mittelpunkt steht die Arbeit „Liv” von Knut Klaßen. Wer die Bühne mag, mag ihn von seinen Inszenierungen am Theater Aachen kennen, in denen er mit Regisseurin Monika Gintersdorfer Klassiker wie Othello oder Macbeth als Gedankenanstöße für Performances nutzt. Auch in Klaßens 40-minütigem Kurzfilm „Liv” loten Schauspieler die Grenzen zwischen Identität und Rolle aus.

Schmollmundlippen

Die Suche nach ästhetischer Freiheit ganz anderer Art zeigt sich in den Gesichtern der Darstellerinnen in Julika Rudelius´ Werk „Forever”. Schmollmundlippen formulieren Absagen an Schönheitschirurgie. Nein, wahrhaftig scheinen diese Millionärinnen wohl nicht zu sein. Oder etwa doch? Irritationen bietet auch das Werk „Empower Me!”: Künstlerin Anna Witt hat Menschen nach ihren Lebensträumen gefragt.

Auf Tafeln geschrieben, werden aus den Wünschen Forderungen - bei einer Geiselnahme... Gefangen wird die NAK-Besucher sicherlich das Video „Orchids” von Rebecca Ann Tess nehmen. Idee und Umsetzung sind ebenso einfach wie in ihrer Verrücktheit genial: Zu hören ist eine ältere Dame, sie erzählt von ihrer Ehe mit einem homosexuellen Mann. Zu sehen ist eine assoziative Dia-Show mit teils absurden Bildern aus Kitsch-Archiven oder B-Movies.

1a-Kunstfilme sind es, die der NAK den Besuchern präsentiert. Diese Perlen in Zeiten zu finden, in denen man beim Blick in die Programme der zeitgenössischen Museen manchmal glaubt, in die Kinospalte gerutscht zu sein, ist eine Kunst für sich. Melanie Bono, bis Ende 2009 NAK-Leiterin und Kuratorin dieser Ausstellung, beherrscht sie.

Am Samstagabend verabschiedet sie sich endgültig Richtung Landesmuseum Münster. Und ihre Nachfolgerin Dorothea Jendricke stellt sich dem Publikum vor. Auch das seien gute Gründe, sich die Vernissage nicht entgehen zu lassen, lädt Brigitte Steiner, bis April kommissarische Leiterin des NAK, ein. Sie selbst gibt eine Einführung. Und drei der vier Künstler sind live dabei. Man sollte den Cineplex-Sessel also hochgeklappt und den Flatscreen ausgeschaltet lassen.


Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert