Aachen - VHS-Ausstellung: Eine neue Arbeiterklasse und ihre vielen Gesichter

VHS-Ausstellung: Eine neue Arbeiterklasse und ihre vielen Gesichter

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
14153886.jpg
Vom schwierigen Alltag als Wanderarbeiter: Dr. Nicole Ehlers (VHS) und Heinz Backes (Bistum Aachen) nehmen die neue Ausstellung bei der VHS am Bushof in Augenschein. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es sind Momente des Alltags. Eines grauen und nicht selten trostlosen Alltags. Die Volkshochschule Aachen (VHS) zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung „Wanderarbeit – Gesichter einer neuen Arbeiterklasse“ die unterschiedlichen Lebensweisen von Arbeitsmigrantinnen und Migranten.

Im Frühjahr 2014 wurde die Ausstellung im Museum der Arbeit in Hamburg erstmalig gezeigt. In Zusammenarbeit mit „ago-Ausstellungen Hamburg“ konzipierte die Initiative „Arbeit und Leben NRW“, eine Weiterbildungseinrichtung der Volkshochschulen und des DGB in NRW, daraus eine Wanderausstellung.

Sechs Reportage- und Porträtserien führen dem Betrachter vor Augen, wie komplett unterschiedlich sich der Alltag arbeitender Menschen aus dem Ausland gestaltet. Da sind beispielsweise die Bilder von Ingar Krauss, die unter dem Titel „Zugvögel“ das Leben osteuropäischer Erntehelfer in Deutschland porträtiert. Oder die Werke von Andrea Diefenbach, die den Arbeitstag von moldawischen Kindern und deren Eltern zeigt, die sich im Ausland befinden.

Es sind Aufnahmen, die berühren. Aufnahmen, die dokumentieren, unter welchen unwürdigen Bedingungen manche Menschen arbeiten. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen. So präsentiert Wolfgang Müller unterschiedliche Formen der Wanderarbeit in China, unter anderem das Leben einer jungen Chinesin, die als Hostess alleine durch die Welt reist und in luxuriösen Hotels verweilt. Für Dr. Nicole Ehrlers, pädagogische Mitarbeiterin der VHS, setzt die Ausstellung ein wichtiges Signal: „,Wanderarbeit‘ widmet sich einem weltweit verbreiteten Phänomen: Frauen wie Männer überschreiten Grenzen, um Arbeit zu finden. Alleine innerhalb der EU arbeiten über 14 Millionen Menschen nicht in ihrem Heimatland.“

Catalina Guia vom „Arbeit und Leben“-Projekt „Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten“ in Düsseldorf berät Beschäftigte aus Osteuropa und weiß, wo die Probleme in grenzüberschreitenden Tätigkeiten liegen: „Insbesondere Beschäftigte aus Mittel- und Osteuropa sehen sich häufig mit unfairen und prekären Beschäftigungsverhältnissen konfrontiert“, erklärt sie. „Wir unterstützen sie bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Denn oft wissen sie gar nicht, was sie an ihrem neuen Arbeitsplatz erwartet. Dass sie sich mit zehn Personen ein Zimmer teilen, dafür viel Geld zahlen und obendrein noch hinnehmen müssen, dass sie ihre Arbeitsutensilien selbst zahlen müssen, sind nur zwei Beispiele“, betont sie.

Bis 17. März zu sehen

Die Ausstellung kann bis zum 17. März im Forum der VHS, Peterstraße 21-25, besucht werden. Zusätzlich findet am 14. März um 18 Uhr ein Vortrag des Netzwerkes „Respekt“ in der VHS statt, der über die Selbstorganisation von „Care-Migrant/innen“ informiert. In Deutschland gibt es rund 200.000 Frauen (und einige Männer), die als sogenannte „Live-in“ alte Menschen rund um die Uhr betreuen. Sie arbeiten meistens in prekären Beschäftigungsverhältnissen, äußerst schlecht bezahlt, oder arbeiten schwarz. Eine von ihnen, Bozena Domanska, gibt einen Einblick in ihre Lebenswirklichkeiten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert