Aachen - „Very British”: Nur die Queen schaut kritisch

„Very British”: Nur die Queen schaut kritisch

Von: Hanna Sturm
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Wer hat hier eigentlich den Hu
Wer hat hier eigentlich den Hut auf? Bei Schultze und Schröder, alias Wall Street Theatre, geht es so oder so chaotisch zu - zur Riesengaudi des Publikums auch bei der jüngsten Premiere. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Am Ende blickt nur noch die Queen distinguiert aus dem vergoldeten Bilderrahmen auf das Publikum im Saalbau Rothe Erde hinunter. Das Volk hängt nach einem turbulenten Abend ziemlich erschöpft in den Stühlen: erst einmal tief durchatmen und die Lachmuskeln entspannen.

Denn die werden arg strapaziert vom „Wall Street Theatre”, diesem herrlich kauzigen Duo in Anzug, Strumpfhaltern und mit Pomadenfrisur. Als Herr Schultze und Herr Schröder spielen sich Christian Klömpken und Andreas Wiegels mit ihrer Mischung aus pseudo-britischem Charme, Comedy und Clownerie seit 18 Jahren in die Herzen des Publikums. Das ist auch bei der Premiere ihres Programms „Simply British” zu spüren: Die beiden müssen gar nicht viel machen, und schon schreit das Publikum vor Lachen.

Zum einen ist es wohl ihre herrlich verschrobene Art, mit der sie auch die etwas abgehalfterten Gags - denn auch von denen gibt es einige im Programm - zu absoluten Brüllern machen. Mit beinahe groteskem Grinsen im Gesicht drehen sie affektierte Pirouetten, vollführen ballettmäßige Sprünge und machen sogar aus dem Bühnenabbau eine große Nummer.

Mit einfachsten Mitteln

Ebenso beeindruckend ist, wie perfekt das Duo aufeinander eingespielt ist. Aus Nummern mit den einfachsten Mitteln - etwa weißen Gummibällen, die sie gegen gerade und schräge Ebenen titschen lassen, oder einer Jonglage mit fünf Hüten - garantiert ihre unglaubliche Synchronität faszinierende Auftritte. Diese absolute Eingespieltheit wird besonders deutlich, als Herr Schröder sich in einen Zwerg verwandelt. In Wirklichkeit sind es natürlich Schultzes Arme, die in den Hosenbeinen des scheinbar grotesk geschrumpften Kollegen stecken. Der optische Trick ist leicht zu durchschauen, höchst faszinierend ist die Perfektion, in der die Bewegungen von Kopf und zwei Paar Armen zur Musik aufeinander abgestimmt sind.

Zwischen den einzelnen Artistik- und Clownerie-Nummern unterhält das „Wall Street Theatre” mit Wortgefechten, feinen Spitzen gegen „the Germans” im Allgemeinen und, voller Lokalkolorit, gegen die Eilendorfer im Besonderen. Im Herzen, oder zumindest unterm Beinkleid, bleiben ihre Figuren natürlich britisch, wie das große Finale beweist. Unter den Augen der Queen jonglieren Herr Schultze und Herr Schröder mit heruntergelassenen Hosen, während aus typisch britischer Unterwäsche glitzernde Wunderkerzen lugen. Das Publikum johlt, doch die Queen schaut kritisch. Vielleicht sind Unterhosen mit dem Union Jack dann doch nicht nach ihrem Geschmack.
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