Verwechslung auf Friedhof: Letzte Ruhe im falschen Grab

Von: Oliver Schmtz
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Aachen. Wenn die Tante im falschen Grab beerdigt wird, denken viele automatisch an eine ziemlich abgedrehte Verwechslungskomödie - und nicht ans wirkliche Leben. Auf Dagmar Mainz und ihre Verwandschaft trifft dies seit dem vorvergangenen Freitag nicht mehr zu.

Denn an diesem 30. Oktober haben sie das, was nach einem tiefen Griff in die Kalauerkiste klingt, am eigenen Leib erlebt - und fanden es gar nicht witzig.

„Unglaublich, aber wahr”, in diese Kategorie ordnet Mainz die Geschichte der Bestattung auf dem Friedhof Lintert ein. Auch das Nachspiel sei eine „Katastrophe” gewesen, bei der sich die Stadt nicht mit Ruhm bekleckert habe. Letzteres sieht man dort zwar nicht ganz so, doch unterm Strich bleibt Stadtsprecher Axel Costard nichts übrig, als in Sack und Asche zu gehen: „Das ist ein bedauerliches Missgeschick, das sehr, sehr selten vorkommt”, erklärt er.

Aber der Reihe nach: Als man sich bei der Beerdigung der vermeintlich letzten Ruhestätte der Tante näherte, stellte Mainz entsetzt fest, das nicht das richtige Grab, sondern die benachbarte Grabstelle ihrer eigenen Großeltern geöffnet worden war. Auf das Versehen hingewiesen, habe der Bestatter mit einem „Uupss” reagiert - und versprochen, die Sache in Ordnung zu bringen. Aber nicht sofort: Die Urne mit der Asche der Tante wurde - notgedrungen - im falschen Grab beigesetzt. Was Mainz noch verstehen kann. „Die konnten ja schlecht vor allen Leuten noch schnell ein neues Grab ausheben.”

Am Montag rief sie auf dem Friedhof an und fragte nach dem Stand der Dinge. Alles werde in Ordnung gebracht, habe man ihr versichert. Doch als sie eine Woche nach der Beerdigung die Gräber in Augenschein nahm, „da dachte ich, mich trifft der Schlag”. Zwar war die Verstorbene umgebettet, doch sei das fälschlicherweise geöffnete Grab immer noch offen gewesen.

„Das Grab meiner Großeltern sah aus wie eine Großbaustelle”, erinnert sich Mainz. In dem Loch habe die Grablaterne gelegen, daneben sei Erde aufgeschüttet und Grabumrandung kaputt gewesen. „Wir haben es selbst in Ordnung gebracht, damit endlich wieder Seelenfrieden für uns und unsere Verstorbenen eintritt”, erzählt die Aachenerin.

Dass das Grab offen gewesen sei, hält man bei der Stadt für „eher undenkbar”, so Costard. Vielleicht sei das Erdreich „nachgesackt”, meinen städtischen Experten - was die Angehörigen bestreiten. Die Verwechslung an sich sei jedoch „sehr bedauerlich” und wohl auch auf den derzeit auf den Friedhöfen herrschenden Hochbetrieb zurückzuführen.

Costard: „Im Herbst häufen sich immer die Anfragen von Bürgern - und auch die Sterbefälle.” Bei den Angehörigen der falsch beigesetzten Tante werde man sich entschuldigen, verspricht der Stadtsprecher - kleine Entschädigung inklusive: „Die Kosten für die Trauerhalle werden wir nicht berechnen.”
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