Aachen - Verwaltungsrat will für Klarheit sorgen

Verwaltungsrat will für Klarheit sorgen

Von: Bernd Mathieu
Letzte Aktualisierung:
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Ein Bild aus besseren Tagen: Alemannias Vize-Präsident Karl-Theo Strepp (links) und Ex-Präsident Horst Heinrichs (rechts). Im Hintergrund Klaus Dieter Wolf. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Streit um die Rolle des ehemaligen Präsidenten von Alemannia Aachen, Horst Heinrichs, geht in eine weitere Runde. Der Verwaltungsrat verlangt, dass endlich die Fakten lückenlos öffentlich gemacht werden.

„Es kann doch nicht richtig sein, dass 600 Euro, die ein ehemaliger Präsident völlig unberechtigt abgerechnet hat, in der Öffentlichkeit zu einem Kavaliersdelikt bagatellisiert werden. Wenn dies ein Arbeitnehmer mit einem wesentlich geringeren Betrag macht, wird er fristlos entlassen”, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates Manfred Lorenz.

Für Gaby Mohné, Mitglied des Verwaltungsrates, steht fest: „Es ist unsere Pflicht, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dafür sind wir gewählt worden und nicht, um Dinge zu vertuschen. Das sind wir auch unseren Sponsoren schuldig.” Manfred Lorenz ergänzt: „Das Verhalten von Horst Heinrichs auf der Jahreshauptversammlung zwingt uns, diesen Schritt zu tun.”

Stefan Nicolai, Inhaber eines Unternehmens mit 120 Mitarbeitern, sagt klipp und klar: „Das mache ich nicht mehr mit, diese Bagatellisierung ist nicht tragbar. Wie stehe ich vor meinen Mitarbeitern da, wenn ich so etwas als Verwaltungsratsmitglied toleriere?!”

Gravierendster Punkt der massiven Kritik an Horst Heinrichs ist die Abrechnung einer Fahrt zu einem Auswärtsspiel der Alemannia in Saarbrücken am 29. März 2006. Er rechnete mit dem Verein nur wenige Tage später, am 3. April 2006, schriftlich dafür 560 Kilometer zu jeweils 30 Cent, also 168 Euro, ab, obwohl er selber gar nicht mit seinem Auto nach Saarbrücken gefahren war. Horst Heinrichs und seine Frau waren vielmehr mit dem Vizepräsidenten der Alemannia, Karl-Theo Strepp, in dessen Auto mitgefahren. Horst Heinrichs sagt heute zu diesem Vorgang auf Befragen unserer Zeitung: „Dass man sich darüber wundern kann, gebe ich gerne zu, aber ich habe Alemannia immer neben meinem Beruf gemacht, da ist mir das passiert und durchgegangen, ich gebe diesen Fehler zu und habe das auch öffentlich erklärt.”

Strepp selber rechnet wie alle anderen Alemannia-Mandatsträger in Präsidium, Aufsichtsrat und Verwaltungsrat keine Kosten ab. Horst Heinrichs ist die einzige Ausnahme.

Die Rechnung der Werbeagentur

Für die Präsidiumskollegen Karl-Theo Strepp und Schatzmeister Franz-Wilhelm Hilgers stand nach der Entdeckung des Saarbrücken-Vorfalls fest: Wir bleiben noch bis zum Ende der Wahlperiode im Amt, aber sollte Heinrichs dann erneut als Präsident kandidieren, können wir nicht mehr dabei sein. Das Vertrauensverhältnis war schwer zerrüttet. Auf die Abrechnungsmöglichkeiten des Präsidenten wurden sie erst vom neuen Geschäftsführer der GmbH, Frithjof Kraemer, aufmerksam gemacht. Vorher hatte es darüber keine Information gegeben.

Der zweite Fall betrifft eine Rechnung der Aachener Werbeagentur „mohr & more”. Die kreierte die Einladungskarte zur privaten Geburtstagsfeier von Horst Heinrichs. Die Agentur arbeitete kostenlos, musste aber Nutzungsrechte der Fotoagentur „Getty Image” (für die Abbildung eines Fotomotivs auf der Karte) in Rechnung stellen - inklusive Mehrwertsteuer 428,04 Euro. Diese Rechnung erhielt und beglich auf ausdrückliche Anweisung von Horst Heinrichs der TSV Alemannia Aachen 1900 e.V..

Beide Fälle ergeben zusammen 596,04 Euro. Der Verwaltungsrat ist fassungslos. Michael Nobis: „Da geht ein Präsident hin, rechnet rund 600 Euro zu Lasten der Alemannia falsch ab, und die Konsequenz ist, dass er bei der Mitgliederversammlung mit Ovationen gefeiert wird.” Er habe überhaupt nichts gegen die „IG Fan”, im Gegenteil: „Die Fans müssen angemessen berücksichtigt werden, wir wollen ihre Wünsche kennen.” Gaby Mohné: „Man darf mit den Fans alles machen, aber man darf sie nicht veräppeln.” Genau das müsse sich Heinrichs vorwerfen lassen. Ein Präsident müsse Vorbild sein, das sei jedoch nicht möglich, wenn er zu Lasten des Vereins falsch abrechne.

7000 Euro in 18 Monaten

Schon 2002 hatte das Alemannia-Präsidium, damals noch für den gesamten Verein inklusive der Lizenzspieler-Abteilung zuständig, dem neuen Präsidenten Horst Heinrichs zugebilligt, Kosten abzurechnen, die in Zusammenhang mit der Repräsentation der Alemannia entstehen. Ausdrücklich erwähnt wurden damals Auswärtspflichtspiele der Alemannia, abgerechnet wurden von Heinrichs auch andere Fahrten, zum Beispiel zu einem Länderspiel der deutschen Frauennationalmannschaft. Diese Positionen machten in anderthalb Jahren zusammen über 7000 Euro aus. Horst Heinrichs sagt im Gespräch mit dieser Zeitung dazu: „Ich habe dieses Geld bekommen, wenn ich Alemannia entsprechend repräsentiert habe. Wenn man das plötzlich enger auslegen wollte, hätte man mit mir darüber sprechen können.”

Das passierte allerdings nach der falschen Saarbrücken-Abrechnung. Nun vereinbarte das Präsidium mit Billigung des Verwaltungsrates, Heinrichs eine jährliche Pauschale in Höhe von 3000 Euro zu zahlen. Heinrichs bestätigt diese Darstellung ausdrücklich: „Aufgrund des Vorgangs Saarbrücken ist diese Pauschale eingerichtet worden. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Herr Herwartz, und der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Herr Linden, waren darüber informiert. Ich konnte also davon ausgehen, dass damit die Sache aus der Welt ist.”

Die Verwaltungsratsmitglieder erfuhren aber erst sechs Wochen vor der Mitgliederversammlung, als sich der Präsidentschaftskandidat Günter Reinartz in dem Gremium vorstellte, von diesen Vorgängen und offensichtlich auch nicht sehr konkret. Manfred Lorenz: „Für mich war jedenfalls klar, dass Herr Heinrichs nicht mehr wählbar sein würde. Schon vor Jahren in der Ära Bay ist vieles unter den Teppich gekehrt worden, damals haben wir uns versprochen: So etwas darf nie mehr passieren.” Für die Mitglieder des Verwaltungsrates steht eindeutig fest: „Herr Heinrichs hat sich am Verein bereichert, und uns stört es sehr, dass dies bagatellisiert wird.” Manfred Lorenz: „Was für ein Vorgang: Der Präsident rechnet eine Fahrt ab, die er gar nicht gemacht hat, und Herr Strepp, der gefahren ist, verzichtet mit Rücksicht auf die Alemannia auf eine Kostenerstattung.”

„Besprochen und geklärt”

Horst Heinrichs sagt unterdessen, er habe nicht das Gefühl, sich nicht an eine Vereinbarung gehalten zu haben. „Ich habe klipp und klar erklärt, dass ich für das Amt nicht mehr zur Verfügung stehe.” Und dabei bleibe es. „Für ein neues Präsidium und für andere Ämter bei der Alemannia stehe ich definitiv nicht zur Verfügung. Ich bin jetzt nur noch Privatmensch.” Nicht ganz: Horst Heinrichs ist auch Professor der Fachhochschule Aachen. „Ich habe am Montag ein Gespräch mit dem Kanzler der FH, Herrn Smeets, geführt. Wir haben alles besprochen und geklärt.”

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an.
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