Aachen - Vertreibung der Junkies endet 50 Meter daneben

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Vertreibung der Junkies endet 50 Meter daneben

Von: Robert Esser
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50 Meter umgezogen: Die „Szene” mit Alkoholkranken und Junkies trifft sich jetzt nicht mehr auf dem Kaiserplatz, sondern an der überdachten Bushaltestelle am Reiterdenkmal daneben. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Bescheiden fällt die Zwischenbilanz bei der Bekämpfung der Drogenszene am Kaiserplatz aus. Nachdem Polizei und Ordnungsamt mit Razzien, Ausweiskontrollen und Platzverweisen die Junkie-Szene Anfang des Jahres verjagt hatten, lagern Drogenabhängige, Alkoholkranke und Nichtsesshafte jetzt zu Dutzenden an der Bushaltestelle am Reiterdenkmal - gerade mal 50 Meter vom ursprünglichen Standort entfernt.

Der Vorsitzende der Bürgerinitiative Kaiserplatz ist entsetzt: „Das Problem ist überhaupt nicht gelöst. Die Szene ist nur ein paar Meter umgezogen”, sagt Volkmar Klein. Zu beobachten seien bis zu 70 Personen, die sich nicht nur mit Drogen, sondern auch mit Alkoholika aus dem benachbarten Supermarkt versorgen. „Außerdem stellen wir fest, dass die Straßenprostitution eher zu- als abgenommen hat”, erklärt er.

Oliver Mohr von der Interessengemeinschaft Kleine Adalbertstraße bestätigt: „Die waren nie weg. Die vagabundieren nur um die Ecke.” Hauseingänge von Ärzten, Apothekern und Anwälten in der Umgebung würden nach wie vor von der „Szene” versperrt und verschmutzt, sagt Klein. Zuletzt seien in einem Fall weder Polizei noch Ordnungsamt angerückt, obwohl ein betroffener Geschäftsmann um Hilfe gerufen habe.

Polizeisprecher Michael Houba räumt ein, dass dieser Einzelfall wohl „unglücklich gelaufen” sei. „Grundsätzlich gilt, dass wir an unserem Konzept festhalten und die Szene auflösen wollen - ohne dass sich anderswo Treffpunkte bilden.” Deswegen sollen nun die Streifen von Polizei und Ordnungsamt wieder häufiger rund um den Kaiserplatz patrouillieren - und auch Platzverweise aussprechen, weil die Aachener Straßenverordnung ausdrücklich das „Lagern in Gruppen” und „Belästigungen” verbietet. Suchtkranke mit harten Drogen wie Kokain und Heroin in der Tasche wollen die Ordnungshüter aber unbehelligt Richtung Café Relax und Drogenkonsumraum ziehen lassen.

„Unser Café verzeichnet mit 50 bis 70 Personen pro Tag steigende Besucherzahlen. Aber in den Konsumraum kommen pro Tag nur noch 10 bis 15 Schwerstabhängige”, schildert die Geschäftsführerin der Suchthilfe, Gudrun Jelich. Ihr Team zählt am Reiterdenkmal regelmäßig bis zu 35 Personen. „Die Stadt hat die Sitzmöbel am Kaiserplatz entfernt, und solche gibt es eben an der Bushaltestelle nebenan.” Anfang Mai will man ein weiteres Mal das Gespräch mit der Stadt suchen, um das Vorgehen abzustimmen.

Die Stadt sieht ebenfalls Handlungsbedarf. „Wir hören, dass auch Gäste der Aseag und Passanten dort belästigt worden sind”, erklärt Stadtsprecher Hans Poth. „Phase II” des Handlungskonzeptes, mit dem man die Szene dort entfernen wolle, sei angelaufen. Man werde jetzt wieder härter durchgreifen müssen, heißt es.

Der Stadtrat hatte im September 2009 den Beschluss gefasst, die offene Drogenszene vom Kaiserplatz zu vertreiben.
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